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23.04.2015

18:34 Uhr

Schwache Bilanzen

US-Konzerne klagen über starken Dollar

Seit der Dollar Anfang des Jahres zum Höhenflug angesetzt hat, kommen viele US-Konzerne auf internationalem Parkett nur noch schwer vom Fleck. Die Bilanzen sind mau – und Besserung ist nicht in Sicht.

Die starke US-Währung verhagelt den US-Unternehmen die Bilanzen. AFP

Die starke US-Währung verhagelt den US-Unternehmen die Bilanzen.

Von Windeln über Limonade bis hin zum Bagger - am Verkauf dieser Produkte im Ausland haben US-Unternehmen in Zeiten der Dollar-Stärke immer weniger Freude. Seit die US-Währung Anfang des Jahres zum Höhenflug angesetzt hat, kommen der Pampers-Hersteller Procter & Gamble (P&G), der Getränkeriese PepsiCo und der Baumaschinenproduzenten Caterpillar auf internationalem Boden nur schwer vom Fleck. Sie alle verwiesen am Donnerstag auf die zerstörerische Kraft des Greenback, als sie bei der Vorlage ihrer Bilanzen rückläufige Umsätze im abgelaufenen Quartal erklären mussten.

Besserung aus Perspektive der amerikanischen Konzerne ist nicht in Sicht. So macht sich der Konsumgüterriese P&G im Gesamtjahr sogar darauf gefasst, dass Währungseffekte den Umsatz um sechs bis sieben Prozent schrumpfen lassen. Neben der lockeren EZB-Geldpolitik macht die gleichzeitige Aussicht auf höhere Zinsen in den USA der Gemeinschaftswährung zu schaffen - und lässt die US-Devise glänzen. Devisenmarkt-Experten zufolge ist die Parität, bei der Anleger für einen Euro einen Dollar bekommen, nur noch eine Frage der Zeit. Am Donnerstag waren für einen Euro noch 1,07 Dollar fällig.

Der Euro im Vergleich zu anderen Währungen 2014

Dollar

-11,47 Prozent

Der Euro hat gegenüber dem Dollar deutlich an Boden verloren. Die Wirtschaft der USA brummt und hängt die Konjunktur der Euro-Zone deutlich ab.

Yen

+ 1,26 Prozent

Gegenüber dem Yen hat der Euro zugelegt. Die Bank of Japan flutet den Markt derzeit mit Geld, um die eigene Währung zu schwächen und die Wirtschaft anzukurbeln.

Pfund

- 5,77 Prozent

Brasilianischer Real

- 0,09 Prozent

Australischer Dollar

- 3,44 Prozent

Kanadischer Dollar

- 3,33 Prozent

Norwegische Krone

+ 8,94 Prozent

Schwedische Krone

+ 7,18 Prozent

Schweizer Franken

- 1,95 Prozent

Türkische Lira

- 4,2 Prozent

Rubel

+ 49,47 Prozent

Quelle: Bloomberg

Für amerikanische Unternehmen hat die Dollar-Stärke einerseits zur Folge, dass sie in der Bilanz bei der Umrechnung ihrer in Fremdwährungen wie dem Euro erzielten Gewinne Abschläge hinnehmen müssen. Internationale Geschäfte spülen also real weniger Geld in die Kassen. Um dies auszugleichen, müssten sie eigentlich die Preise für ihre Produkte auf den Auslandsmärkten erhöhen. Doch dann laufen sie Gefahr, im Buhlen um die Gunst der Kunden den Kürzeren zu ziehen. Die Dollar-Stärke führt also andererseits zu Nachteilen im Konkurrenzkampf außerhalb des Heimatmarktes.

Doch nicht nur für die Pampers- und Pepsi-Konzerne mit ihrer großen Präsenz in den Supermärkten ist die hohe Bewertung der heimischen Währung Gift. Auch das Pharmaunternehmen Eli Lilly klagt über den starken Dollar, die Gewinne schmolzen zusammen. Selbst Unternehmen ganz ohne greifbare Produkte wie Limo, Windeln oder Arzneien spüren die Folgen: So verzeichnete Facebook deshalb im Berichtsquartal das langsamste Umsatzwachstum seit zwei Jahren. Auch der Gewinn des Börsenbetreibers Nasdaq OMX brach ein.

Die Kehrseite der Medaille ist aber auch, dass europäische Unternehmen von der Schwäche der eigenen Devise profitieren. So konnte der französische Reifenhersteller Michelin Preisrückgänge mehr als wettmachen und seinen Umsatz im ersten Quartal steigern, wie der Conti -Rivale bereits am Mittwoch mitteilte. Dass des einen Leid des anderen Freud sein kann, zeigte sich besonders deutlich schon am Dienstag an den Konkurrenten SAP und IBM : Der schwache Euro bescherte dem deutschen Softwarekonzern SAP einen Gewinnsprung, während die Dollar-Stärke den IBM-Umsatz im ersten Quartal kräftig sinken ließ. Währungsbereinigt hätte sich auch bei SAP ein - wenn auch geringer - Rückgang ergeben.

Von

rtr

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