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18.09.2013

13:28 Uhr

Schwache Chemiekonjunktur

Bayer und Lanxess planen Stellenabbau

Die anhaltende Autokrise, der harte Wettbewerb auf dem Kunststoffmarkt und Probleme in China zwingen Bayer und Lanxess zum Sparen. Bis zu 1700 Arbeitsplätze sollen abgebaut werden – viele davon in Deutschland.

Auf Bayer kommen düstere Zeiten zu: Autokrise, Probleme in China und der harte Wettbewerb zwingen das Unternehmen zum Stellenabbau. dpa

Auf Bayer kommen düstere Zeiten zu: Autokrise, Probleme in China und der harte Wettbewerb zwingen das Unternehmen zum Stellenabbau.

Leverkusen/KölnWegen der schwachen Chemiekonjunktur wollen die Konzerne Bayer und Lanxess in den nächsten Jahren weltweit bis zu 1700 Arbeitsplätze abbauen. In Deutschland sind bis zu 480 Stellen betroffen, wie die Unternehmen am Mittwoch mitteilten.

Der Spezialchemiekonzern Lanxess leidet vor allem unter der Schwäche der europäischen Autoindustrie. „Aufgrund der aktuellen Lage müssen wir jetzt entschieden handeln“, begründete Firmenchef Axel Heitmann am Mittwoch in Köln das Sparprogramm. Bis Ende 2015 will der Konzern weltweit rund 1000 Stellen streichen, zwei Drittel davon bereits im kommenden Jahr. In Deutschland sollen insgesamt bis zu 300 Stellen abgebaut werden. Dazu setzt Lanxess auf Vorruhestandsregelungen und Abfindungszahlungen.

Geschichte von Bayer

Von einer Farbenfabrik zum Chemie- und Pharmariesen

Der Bayer-Konzern kann auf eine lange Geschichte zurückblicken: Sie beginnt in Wuppertal Barmen vor 150 Jahren. Es war die Geburtsstunde der deutschen Chemieindustrie.

1863

Friedrich Bayer und Johann Weskott gründen am 1. August die Farbenfabrik Fried. Bayer & Co.

1899

Das Schmerzmittel Aspirin wird zum Patent angemeldet. Noch heute gehört das Medikament zu den umsatzstärksten Bayer-Präparaten.

1925

Nach gut 60 Jahren verliert Bayer seine Selbstständigkeit; das Unternehmen geht in die IG Farben auf. Aus Bayer wurde die IG Betriebsgemeinschaft Niederrhein.

1933

In Leverkusen leuchtet erstmals das Bayer-Kreuz auf. Es hatte eine Durchmesser von 72 Metern und war mit 2200 Glühbirnen bestückt. Es ist bis heute das Wahrzeichen der Stadt geblieben.

1939

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wird die Produktion der Chemieindustrie den Zielen der Kriegsführung untergeordnet. Zwangsarbeiter vor allem aus Osteuropa wurden in vielen Betrieben eingesetzt, auch in Leverkusen.

1951

Bayer wird nach der Zerschlagung der IG Farben neu gegründet und Ulrich Haberland der erste Vorstandsvorsitzende.

1978

Bayer übernimmt das US-Unternehmen Miles, das nach dem Rückerwerb der Markenrechte in den USA 1995 in Bayer Corporation umbenannt wird.

2001

Bayer nimmt den Blutfettsenker Lipobay vom Markt, was den Konzern in eine tief Krise stürzt. Im gleichen Jahr erfolgt der Erwerb des Pflanzenschutzgeschäftes Aventis CropScience.

2005

Bayer löst das Chemie- und Teile des Kunststoffgeschäftes aus dem Konzern und bringt ihn als Lanxess AG an die Börse.

2006

Der Erwerb des Berliner Pharmaunternehmens Schering für rund 17 Milliarden Euro ist der teuerste Zukauf der Firmengeschichte.

2010

Marijn Dekkers wird Vorstandsvorsitzender. Der Niederländer mit amerikanischem Pass ist der erste externe Manager an der Spitze des Konzerns.

Lanxess ist mit weltweit knapp 17.500 Mitarbeitern der weltgrößte Hersteller von Synthesekautschuk und damit besonders abhängig von der Auto- und Reifenindustrie. Bereits Anfang August hatte das Unternehmen sein Ertragsziel für 2014 wegen der anhaltenden Autokrise in Europa aufgeben müssen.

Doch steht Lanxess mit den Stellenstreichungen nicht allein. Der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer will in den nächsten vier Jahren bis zu 700 Arbeitsplätze in seiner Kunststoff-Sparte Material Science abbauen. Auch bis zu 180 Stellen in Deutschland seien betroffen, sagte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch. Er bestätigte damit einen Bericht der „Rheinischen Post“ (Mittwoch). In der Zahl enthalten sind allerdings auch mögliche Firmenverkäufe. Der Konzern begründete die geplanten Einschnitte mit dem harten Wettbewerb auf dem Kunststoffmarkt und der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung in China.

Beim Bayer-Gesamtbetriebsrat stießen die Sparpläne allerdings auf heftige Kritik. Das geplante Maßnahmenbündel, zu dem auch Kürzungen des Forschungsbudgets und die Verschiebung von Investitionen gehörten, sei aus Sicht der Arbeitnehmer „nicht nachvollziehbar - und mehr als bedenklich“, hieß es in einer Information des Gesamtbetriebsrates.

Bayer Material Science beschäftigt weltweit derzeit rund 14.400 Mitarbeiter, davon 5200 in Deutschland. Betriebsbedingte Kündigungen sind in Deutschland bis Ende 2015 durch eine Betriebsvereinbarung ausgeschlossen.

Auch Lanxess prüft derzeit über den geplanten Stellenabbau hinaus nach eigenen Angaben strategische Optionen für Randgeschäfte, bei denen rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Möglich sei etwa ein Verkauf der Firmenteile oder die Einbringung in Gemeinschaftsunternehmen, hieß es in Köln. Im Zuge des Sparprogramms sollen in diesem Jahr außerdem die variablen Gehaltsbestandteile für alle berechtigten Mitarbeiter gekürzt werden. Dies gelte auch für den Vorstand, teilte das Unternehmen mit.

Von

dpa

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