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01.08.2012

12:03 Uhr

Schwache China-Nachfrage

Rohstoff-Riesen schalten auf Sparflamme

Der Heißhunger Chinas nach Rohstoffen flaut ab. Die Preise für Stahl und Eisenerz fallen. Die Stahlhütten der Welt leiden - und Minenkonzerne wie Rio Tinto und BHP Billiton ziehen nun Konsequenzen.

Der Rohstoff-Konzern Rio Tinto spürt die Flaute - und streicht Stellen. ap

Der Rohstoff-Konzern Rio Tinto spürt die Flaute - und streicht Stellen.

DüsseldorfDie großen Bergbaukonzerne rüsten sich für schwierige Zeiten: Wegen sinkender Rohstoffpreise sowie des abklingenden Nachfragebooms in China kappen die australischen Minen-Riesen Rio Tinto und BHP Billiton die Kosten. Rio Tinto will Stellen in Australien streichen. In Sydney sollen 30 Prozent der Jobs in der Kundenbetreuung wegfallen. Auch in Melbourne werde der Rotstift angesetzt. Details dazu wurden nicht genannt. Rio-Tinto-Manager David Peever sagte der Nachrichtenagentur Reuters, das Unternehmen stelle sich auf ein hartes Umfeld ein. Die Krise in Europa sei ebenfalls eine Gefahr für die Geschäfte.

Auch der Rivale BHP kündigte rund drei Wochen vor Veröffentlichung seiner Geschäftszahlen an, sich stärker auf die "Kontrolle der Kosten" zu konzentrieren. Dabei kommt den Angaben nach alles auf den Prüfstand, auch große Projekte. Anleger rechnen damit, dass BHP seinen ersten Gewinnrückgang seit der Finanzkrise von 2008 verbuchen muss.

Die größten Rohstoffkonzerne der Welt

Platz 5

Anglo American

Das südafrikanisch-britische Unternehmen verdient sein Geld vor allem mit Industrie- und Edelmetallen, Diamanten - und Kohle. Der Konzern machte 2014 insgesamt 20,4 Milliarden Dollar Umsatz. Zu dem Portfolio gehört etwa auch der Diamantenschürfer De Beers. Anglo American ist der größte Platinförderer der Welt.

Quelle: Bloomberg,

Platz 4

Xstrata

Der Minenkonzern Xstrata ist der größte Zinkproduzent der Welt und hat sich mit dem berühmt-berüchtigten Rohstoffhändler Glencore zusammengeschlossen. Xstrata hatte an der Börse einen Wert von 55,1 Milliarden Dollar. Beide Unternehmen aus der Schweiz waren bereits eng verflochten. Glencore hielt rund 34 Prozent an Xstrata.

Platz 3

Vale

Der brasilianische Rohstoffkonzern Vale kommt auf einen Börsenwert von 107,9 Milliarden US-Dollar. Das einstige Staatsunternehmen verzeichnete ein rasantes Wachstum und stieg zum weltweit größten Förderer von Eisenerz auf. Zudem betreibt Vale die weltgrößte Eisenerzmine in Brasilien. In der Ferr Carajas-Mine werden 110 Millionen Tonnen Erz pro Jahr gefördert. Der Grundstoff für die Stahlerzeugung wird über rund 900 Kilometer per Eisenbahn in den nächsten Hafen gefahren.

Platz 2

Rio Tinto

Der britisch-australische Gigant rangiert auf Platz zwei der Eisenerzförderer. Das Traditions-Unternehmen mit zwei Hauptsitzen, in London und Melbourne, kommt auf eine Börsenwert von 111,6 Milliarden Dollar. Zudem betreibt Rio Tinto wichtige Kupferminen, wie etwa in West Australien. Die Anglo-Australier übernahmen sich 2007 fast am Kauf des kanadischen Aluminiumkonzerns Alcan und wurden selbst Ziel eines Übernahmeversuchs durch den Konkurrenten BHP Billiton.

Platz 1

BHP Billiton

Ein echtes Schwergewicht an der Börse mit einer Marktkapitalisierung von 199,7 Milliarden Dollar ist der britisch-australische Gigant BHP Billiton. Das Unternehmen betreibt Eisenerz- und Kupferminen, erweitert aber auch sein Geschäft etwa auf Schiefergasressourcen in den USA.

Wichtigster Absatzmarkt für Rohstoffe wie Eisenerz ist China. Das Material kommt bei der Stahlproduktion zum Einsatz. Doch Chinas Wirtschaft wächst derzeit so langsam wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr. Dementsprechend wird der Rohstoffhunger des Wirtschaftsriesen abklingen.

Vor allem bei Industriemetallen dürfte die Nachfrage von Unternehmen aus dem Reich der Mitte langsamer wachsen als die gesamte chinesische Volkswirtschaft, heißt es in einer Untersuchung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Die Industrialisierung des 1,3-Milliarden-Einwohner-Landes sei so weit vorangeschritten, dass China weniger mineralische Ressourcen brauchen werde als im vergangenen Jahrzehnt, erklärte die BGR.

Das bekommen die Bergbaukonzerne zu spüren. Der brasilianische Rivale Vale - weltgrößter Eisenerz-Produzent - hatte vergangene Woche sein schlechtestes Ergebnis seit zwei Jahren vorgelegt. Je Tonne ist der Rohstoff derzeit um 50 bis 60 Dollar billiger zu haben als vor einem Jahr. Experten sehen kein Ende des Preisverfalls.

Entsprechend ziehen sich die Rohstoffunternehmen aus neuen, aber teuren Minenbauprojekten zurück. Stattdessen wenden sie sich nach Einschätzung der Unternehmensberatung Ernst & Young stärker Übernahmen und Fusionen zu. Damit dürfte sich die Anzahl der Zusammenschlüsse im Rohstoffsektor in der zweiten Jahreshälfte erhöhen, sagte Lee Downham, Leiter der Beratungsabteilung für Transaktionen im Minensektor, der Nachrichtenagentur Bloomberg.

"Es gibt eine Kosteninflation, die von zehn Prozent bis zu 50 Prozent reicht", erklärte Downham. "Die Kosten ziehen an, während die Bewertungen der Aktien nach unten gehen, was das 'Kaufen oder Bauen'-Argument zugunsten der Käufe beeinflusst."

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

01.08.2012, 12:30 Uhr

Die Welt geht über von einer Rezession in eine Depression - da werden nicht mehr viele Rohstoffe gebraucht.
Wer ist dafür verantwortlich ???
Der kleine Bürger muss es letztendlich ausbaden.
Selber Schuld, warum kümmert er sich nicht rechtzeitig darum was seine Politiker treiben ?????

wsd

01.08.2012, 12:38 Uhr

Hmmm, die Prognosen der Beratungen gingen von 2015 als Peak aus. Tatsächlich scheint bereits der Sommer letzten Jahres der Peak gewesen zu sein.

Gnade der asiatischen Industrie, jetzt gehts los oder was??
Sättigung erreichtß? :)

Account gelöscht!

01.08.2012, 12:42 Uhr

Früher nannte man das Schweinezyklus.

Es ist ja nicht so, dass die Nachfrage nicht mehr wächst, nur eben langsamer als neue Produktionskreise aus dem Boden schießen. Bis sich das wieder einreguliert, dauert es länger als nur ein Jahr. Und ob das Deutschlands Sparte durchhalten kann, zweifle ich wegen wachsender Energiekosten an.

In diesem Markt würde ich, in nächster Zeit, kein Geld investieren.

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