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25.04.2012

08:10 Uhr

Schwache Konjunktur

Siemens nimmt Jahresprognose deutlich zurück

Die Delle in der weltweiten Konjunktur hat auch in der Siemens-Bilanz Spuren hinterlassen. Und die fallen drastisch aus: Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr musste der Münchener Konzern erheblich zurechtstutzen.

In die Röhre schaut Siemens noch lange nicht, aber die Zeiten sind nicht leicht. dapd

In die Röhre schaut Siemens noch lange nicht, aber die Zeiten sind nicht leicht.

MünchenSiemens verwirft seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr. Wegen verpatzter Geschäfte mit Anbindungen von Windparks auf hoher See geht der Konzern nunmehr für 2011/12 nur noch von einem Gewinn aus fortgeführtem Geschäft von 5,2 bis 5,4 Milliarden Euro aus, wie Siemens am Mittwoch mitteilte. Bisher hatten die Münchner noch 600 bis 800 Millionen mehr erwartet. Verzögerungen beim Netzanschluss von Windparks und andere Probleme mit Hochspannungstechnik lasteten im zweiten Geschäftsquartal (zum Ende März) mit 278 Millionen Euro auf der Bilanz, der Beteiligungsverlust von Nokia Siemens Networks (NSN) mit 640 Millionen Euro.

Zudem bekommt der Konzern Konjunkturschwächen zu spüren. Im zweiten Quartal nahm der Umfang der Neubestellungen um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 17,9 Milliarden ab. Das Unternehmen begründete die Entwicklung mit weniger Großaufträgen in der Energietechnik als im Vorjahreszeitraum. Auf der Umsatzseite profitierte Siemens noch von den Aufträgen der Vergangenheit, die Einnahmen kletterten um neun Prozent auf 19,3 Milliarden Euro.

Die Probleme bei der Aufstellungen von Umspannwerken auf See schlugen sich im abgelaufenen Geschäftsquartal erneut auf den Gewinn nieder. Aus fortgeführtem Geschäft erreichte die Firma noch ein Ergebnis von knapp 1,1 Milliarden Euro, zwei Drittel weniger als vor einem Jahr, als Siemens allein 1,5 Milliarden Euro aus dem Verkauf seiner Beteiligung an Areva NP verbuchte. Die Probleme mit Umspanntechnik dürften Siemens weiter begleiten: „Power Transmission erwartet, dass die Herausforderungen in den kommenden Quartalen anhalten werden.“ Neben den Verzögerungen der Netzanschlüsse in der Nordsee sehe sich das Geschäftsfeld auch kräftigem Preisdruck durch asiatische Konkurrenten ausgesetzt, deren Transformatoren billiger sind als die von Siemens.

Das Geschäft mit Windturbinen hingegen fing sich hingegen vorerst. Nach einem Verlust im Vorquartal warf die Sparte Erneuerbare Energien nun wieder einen Gewinn von 112 Millionen Euro ab. Allerdings bangt Siemens angesichts rückläufiger Aufträge und erstarkender chinesischer Rivalen um seine Renditen. „Es wird erwartet, dass die herausfordernden Marktbedingungen bei erneuerbaren Energien, einschließlich Preisdruck, auch in den kommenden Quartalen anhalten wird“, hieß es.

Vorstandschef Peter Löscher betonte, trotz der Ergebnisprobleme sei die Einnahmenseite seines Hauses intakt. „Für das Geschäftsjahr 2012 sind wir bei Auftragseingang und Umsatz auf Kurs, unsere Ziele zu erreichen.“ Siemens peilt auf Jahressicht ein moderates Umsatzplus an.

Derweil hat Peter Löscher derzeit wahrlich an genug Fronten zu kämpfen. Wegen Problemen bei der Anbindung von Offshore-Windparks an das Stromnetz auf dem Festland muss er heute bei Vorlage der Quartalszahlen von neuen Belastungen in Höhe von etwa 250 Millionen Euro in der Energiesparte berichten.

Im Medizintechniksektor läuft es schon länger nicht rund. Hohe Abschreibungen auf Zukäufe und schlechte Zahlen in der Partikeltherapie zeugen davon. Und die neue Infrastruktursparte hat damit zu kämpfen, Zugaufträge pünktlich auszuliefern. "Zum Glück läuft es wenigstens im klassischen Industriegeschäft gut", sagt ein Insider, "so kann sich Siemens das zumindest leisten."

Das gilt auch für weitere Übernahmen: Vor allem im Bereich der Industriesoftware will Industriechef Siegfried Russwurm weiter akquirieren. Angesichts der guten Lage in seinem Bereich präsentierte sich Russwurm auf der Hannover-Messe gut gelaunt.

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Kommentare (4)

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Account gelöscht!

25.04.2012, 08:05 Uhr

Na dann werden bald wieder die bei Siemens beliebten Blauen Briefe für ältere MINT-Fachkräfte geschrieben, damit der Gewinn wieder stimmt. Einmal "hire and fire" immer "hire and fire".

vandale

25.04.2012, 08:12 Uhr

Siemens hat sich an staatlicher Kundschaft, vor allem in Europa, ausgerichtet. Dies dürfte mit der abnehmenden finanziellen Leistungsfähigkeit der Europäischen Staaten nicht allzu erfolgversprechend sein.

Siemens hat sich mit der Deutschen Politik und dem ökologischen Glauben in "Erneuerbare Energien" begeben. Man will sich ein grosses Stück von den enormen Subventionen abschneiden. Man meint, weil diese auf religiösen Visionen beruhenden Verfahren zur Energieerzeugung in der Regel technisch/wirtschaftlich suboptimal sind, erhebliche profitable Umsätze zu Lasten der Gesellschaft realisieren zu können. Allerdings wurden diese Primitivtechniken rasch von chinesischen Herstellern kopiert und so dürfte Siemens hier keinen wirtschaftlichen Erfolg haben. Auch dürfte die finanzielle Leistungsfähigkeit Europas und die Akzeptanz in vielen Staaten ausserhalb Deutschlands nachlassen so das die erwarteten Umsätze Visionen bleiben werden.

Hoffentlich ist Siemens in der Medizintechnik und Automatisierungstechnik erfolgreicher.

Vandale

Account gelöscht!

25.04.2012, 10:46 Uhr

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