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25.09.2012

16:00 Uhr

Schwacher Automarkt

Auch für VW werden die Zeiten härter

Ja, VW fährt einen Absatz- und Gewinnrekord nach dem nächsten ein. Doch auch die Wolfsburger leiden unter der Schwäche der westeuropäischen Automärkte. Konzernpatriarch Ferdinand Piëch macht den Beschäftigten Mut.

Ein VW Tiguan steht im Werk der Volkswagen AG. dapd

Ein VW Tiguan steht im Werk der Volkswagen AG.

Wolfsburg/HamburgEuropas größter Autobauer Volkswagen stellt sich auf schwierigere Zeiten ein, sieht sich im Wettrennen mit der globalen Konkurrenz aber weiter klar in Front. Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch schwor die Belegschaft am Dienstag bei einer Betriebsversammlung am Stammsitz Wolfsburg auf ein Festhalten an der „Strategie 2018“ ein. Bis spätestens zu diesem Jahr will VW weltgrößter Autobauer werden. „Ich bin mir sicher, dass Volkswagen mit allen Marken für die nächsten Jahre besser aufgestellt ist als all unsere Wettbewerber“, sagte Piëch vor rund 20 000 Beschäftigten.

Vorstandschef Martin Winterkorn sprach von einem deutlich schwierigeren und härteren Umfeld. Die Marschroute, mittelfristig General Motors und Toyota zu überholen, habe aber Bestand.

Damit fahren die Wolfsburger weiter der Konkurrenz davon, die - wie Daimler - entweder ihr Gewinnziel kassieren musste, oder - wie einige Massenhersteller - sogar über Personalabbau und Werksschließungen nachdenken. "Der Volkswagen-Konzern beweist seit Monaten seine Stärke und Robustheit, und zwar auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten", betonte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch während der Betriebsversammlung. Pötsch betonte jedoch, dass das zweite Halbjahr schwieriger werde. "Die Rahmenbedingungen sind und bleiben herausfordernd." An der Börse wurde dies als Warnung aufgefasst. Die VW-Vorzugsaktie verlor mehr als drei Prozent an Wert.

Nach Überzeugung Piëchs wird das Unternehmen auch dank weiterer Einsparungen und Vereinheitlichungen in der Produktion vorankommen: „Unsere Konzernbaukästen, die nun nach und nach in Produkte umgesetzt werden (...), sind ein wesentlicher Teil der Erfolgsstrategie.“ Der Golf 7 ist nach dem Audi A3 das zweite Modell der VW-Gruppe, in dem der sogenannte Modulare Querbaukasten (MQB) zum Einsatz kommt.

Die Belegschaft lobte der Firmenpatriarch für die Leistung beim Produktionsanlauf des neuen Golf, der ab November bei den Händlern stehen soll. Die inzwischen siebte Generation des Bestsellers aus Wolfsburg soll Volkswagen weiteren Schub auf dem Weg an die Weltmarktspitze geben und die Absatzkrise auf dem Heimatmarkt Europa vergessen machen.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Winterkorn stellte denjenigen Kollegen, die nicht in der Fertigung des neuen Golf arbeiten, den Wagen vor. „Auf schwieriger werdenden Märkten ist der Golf ein echtes Pfund.“ Das Auto ist für Volkswagen die wichtigste Neuheit des Jahres 2012 und wird von dieser Woche an auch auf dem internationalen Autosalon in Paris gezeigt. Die Markteinführung in Deutschland ist für den 10. November geplant.

Piëchs Ehefrau und Co-Aufseherin Ursula Piëch war erstmals seit ihrer Wahl in das Kontrollgremium im vergangenen April zu Gast bei einer Betriebsversammlung. Für Betriebsratschef Bernd Osterloh ist der Chefaufseher ein zentraler Stabilitätsfaktor im Konzern. Auch seine Frau habe sich immer wieder für die Volkswagen eingesetzt.

Aus Sicht Osterlohs dürfte VW trotz der Westeuropa-Schwäche weiter zulegen, aber wohl nicht mit der gleichen Dynamik wie zuletzt. In der Mitarbeiterzeitung „Mitbestimmen“ hatte er vor „Schleifspuren“ der Euro-Schuldenkrise gewarnt. Den Wolfsburgern kommt zugute, dass sich ihre Autos in Amerika, Asien und Osteuropa sowie auf dem deutschen Markt weiter gut verkaufen. Die bisherige Absatzplanung reduzierte der Konzern jedoch. Für den auslaufenden Golf 6 wurden beim Betriebsrat Sonderschichten im November und Dezember beantragt.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Corvette

25.09.2012, 19:51 Uhr

General Motors ist nicht zu überholen. Die Überholen gerade Toyota, dessen Autos in China keiner mehr kaufen will.

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