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06.08.2012

16:54 Uhr

Schwacher Euro als Chance

So beflügelt die Krise Deutschlands Großkonzerne

VonSiegfried Hofmann

Absatzrückgang, Kundenschwund, steigende Risiken: Investoren und Manager fürchten die Euro-Krise. Dabei werden die positiven Aspekte gerne übersehen: Der schwache Euro stützt nämlich massiv Umsätze und Gewinne.

Arbeit in einem Chemielabor: Die Währungseffekte geben der Branche derzeit Rückenwind. dpa

Arbeit in einem Chemielabor: Die Währungseffekte geben der Branche derzeit Rückenwind.

FrankfurtDie Euro-Krise hat deutschen Investoren und Managern in den vergangenen Monaten einige Sorgen bereitet. Allenthalben ist in den Quartalsberichten von schwierigen Märkten, zurückhaltenden Kunden und wachsenden Risiken die Rede.

Der angenehme Nebeneffekt der Krise indessen wird gerne übersehen: Der schwache Euro gibt den Umsätzen und Erträgen der global tätigen Industriekonzerne derzeit massive Unterstützung. Und das dürfte auch in den kommenden Quartalen der Fall sein.

Denn seit Mitte des vergangenen Jahres hat die europäische Währung nicht nur gegenüber dem Dollar um rund elf Prozent abgewertet. Auch gegenüber einer Reihe asiatischer Währungen büßte sie deutlich an Wert ein. Der japanische Yen zum Beispiel verteuerte sich seit dem zweiten Quartal 2011 um rund 14 Prozent, der chinesische Yuan sogar um 15 Prozent gegenüber dem Euro.

Auf die Zahlen der Unternehmen hat das zum Teil großen Einfluss. Bei den deutschen Großkonzernen stammten im zweiten Quartal zwischen drei und mehr als sieben Prozent Umsatzwachstum allein aus Währungseffekten. Viele dieser Konzerne erzielen inzwischen über 40 Prozent ihrer Erlöse in Nordamerika und Asien, der Gesundheitskonzern Fresenius sogar mehr als die Hälfte.

Währungseffekte

Auf und ab

Währungsschwankungen sind ein Dauerthema für die Industrie. 2011 wurden Umsätze und Erträge durch einen steigenden Euro-Kurs belastet. Die erneute Abwertung des Euros sorgt nun für den gegenläufigen Trend.

Hedging

Viele Unternehmen mildern den Währungseffekt teilweise mit Währungssicherungs-Geschäften ab. Ertragsvorteilen im operativen Geschäft stehen in diesem Fall Hedging-Verluste im Finanzergebnis gegenüber, oder umgekehrt.

Noch stärker als die Umsätze dürften in vielen Fällen die Betriebsgewinne vom Währungstrend profitieren. Der Ertragseffekt hängt maßgeblich davon ab, in welchem Umfang noch aus europäischer Produktion heraus nach Übersee geliefert wird. Experten der Commerzbank schätzen, dass zum Beispiel die drei großen deutschen Autohersteller Volkswagen, Daimler und BMW allein in den USA und China zusammen rund 35 Milliarden Euro mehr an Umsatz erzielen, als sie in diesen beiden Ländern an Kosten haben. "Wechselkursveränderungen können damit eine massive Hebelwirkung auf die Erträge entfalten", sagte Commerzbank-Analyst Daniel Schwarz. "Mit Blick auf die Währung ist das für die deutschen Autohersteller im Moment die beste aller Welten."

Kommentare (1)

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06.08.2012, 17:13 Uhr

Wenn das so einfach wäre... "Der schwache Euro stützt nämlich nicht nur die Exporte, sondern führt gleichzeitig auch zu einer Innovationsschwächung. Und genau das ist, wovor Deutschland am meisten Angst haben müsste. Wenn tatsächlich ein schwacher Wechselkurs dauerhafte Vorteile bringen würde, hätten die abwertungsgeplagten Franzosen die Deutschen vor 10 Jahren nicht gezwungen, ihre starke DM aufzugeben.

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