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20.09.2012

13:18 Uhr

Schwächelnder Automarkt

Daimler erwartet weniger Gewinn in Autosparte

Die Absatzkrise in Europa erreicht nun die Oberklasse. Daimler-Chef Zetsche rechnet damit, dass der Gewinn in diesem Jahr sinken wird. Porsche hatte bereits zuvor angekündigt, die Produktion zu drosseln.

Daimler rechnet damit, 2012 weniger Gewinn zu machen. Grund dafür sind sinkende Verkaufszahlen in Europa. Reuters

Daimler rechnet damit, 2012 weniger Gewinn zu machen. Grund dafür sind sinkende Verkaufszahlen in Europa.

StuttgartDie Absatzkrise in Europa macht nun auch den Oberklasseautobauern immer mehr zu schaffen. Daimler kündigte am Donnerstag ein Sparprogramm für die Pkw-Sparte an und begründete dies mit dem Gegenwind auf internationalen Absatzmärkten. „Der operative Gewinn von Mercedes-Benz Cars wird 2012 das Vorjahresniveau von rund fünf Milliarden Euro nicht erreichen. Wir bereiten uns auf einen herausfordernderes Umfeld vor“, sagte Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Der Konzern wolle mit einem Bündel von Maßnahmen den Herausforderungen im Pkw-Geschäft begegnen. „In Europa sehen wir uns zunehmend schwierigeren Marktbedingungen gegenüber“, führte Zetsche aus. Auch in China spüre der Autobauer eine signifikante Verschärfung des Wettbewerbs. Die Gewinnwarnung zog die Autoaktien am Donnerstag in den Keller.

Porsche hatte bereits angekündigt, die Produktionsbänder im nächsten Jahr langsamer laufen zu lassen, weil die Nachfrage schrumpft. Die Weltmärkte befänden sich tendenziell im Rückwärtsgang. „Fakt ist: Das trifft auch die Premiumhersteller“, hatte Porsche-Chef Matthias Müller am Mittwoch in Osnabrück gesagt.

Anders als der Oberklasse-Konkurrent Daimler bleibt der Autobauer BMW bei seinen Jahreszielen. "Wir halten an unserer Prognose für das Gesamtjahr 2012 fest", sagte ein Firmensprecher am Donnerstag in München. Es werde unverändert angestrebt, die Vorjahreswerte von Absatz und Konzernergebnis vor Steuern zu übertreffen. Im Autosegment solle die Rendite acht bis zehn Prozent betragen. Der Wert könne am oberen Rand liegen, sofern sich die weltweite Konjunktur nicht weiter eintrübe, bekräftigte der Konzern.
Auch der Ingolstädter Rivale Audi hält an seiner Jahresprognose für 2012 fest. Demnach soll der Absatz steigen und das Ergebnis auf Vorjahresniveau bleiben.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Massenhersteller wie die GM-Tochter Opel, der italienische Autobauer Fiat und die französischen Rivalen Peugeot und Renault klagen bereits seit längerem, dass sie wegen der Krise in Südeuropa ihre Werke nicht auslasten können. Sie können den Abschwung in Europa nicht durch Verkäufe in China und den USA ausgleichen. Peugeot schließt deshalb ein Werk und baut Tausende Arbeitsplätze ab. GM will seine Tochter Opel in einer Allianz mit Peugeot retten und verhandelt parallel mit den Arbeitnehmern der Rüsselsheimer Marke über weitere Einsparungen.

Auch Europas Marktführer Volkswagen bekommt die schwächere Pkw-Nachfrage zu spüren und hat seine Absatzziele für 2012 leicht heruntergeschraubt. An seinen langfristigen Zielen hält der Konzern aus Wolfsburg allerdings fest.

Von

rtr

Kommentare (1)

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mb_zweimal_und_nie_wieder

20.09.2012, 15:24 Uhr

Grund für den rückläufigen Gewinn ist auch mangelndes Management => schlechte Qualität, häsliche Autos, keine wirklichen Inovationen => abwandernde Kunden => sinkender Gewinn => irgendwann Verkauf an Chinesen oder sonstigen Autokonzern?

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