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30.03.2011

11:03 Uhr

Schwedischer Autobauer

Saab droht das Geld auszugehen

VonTino Andresen

Vor gut einem Jahr stand der schwedische Autobauer Saab vor der Pleite. Dann übernahm die kleine niederländische Sportwagenschmiede Spyker die Kultmarke. Doch die Rettung gestaltet sich zunehmend schwierig.

Ungewisse Zukunft: Die von Saab auf dem Auto-Salon in Genf präsentierte Studie Phoenix. Quelle: Reuters

Ungewisse Zukunft: Die von Saab auf dem Auto-Salon in Genf präsentierte Studie Phoenix.

Stockholm/DüsseldorfAm 22. März 2010, liefen bei Saab in Trollhättan die Bänder nach einem siebenwöchigen Produktionsstopp wieder an. Doch in letzter Zeit häufen sich die schlechten Nachrichten in Zusammenhang mit der ehemaligen Tochter von General Motors (GM). Am gestrigen Dienstag stellte Saab die Produktion wieder ein.

Der Grund für die Auszeit: Mehrere Zulieferer liefern wegen unbezahlter Rechnungen keine Komponenten mehr, wie sie selbst bestätigten, berichteten der Fernsehsender TV4 und mehrere Stockholmer Medien. Im Wirtschaftsblatt "Resumé" verkündete Saabs bisherige Werbeagentur Low Brindfors, dass sie die Zusammenarbeit wegen ausgebliebener Zahlungen seit Dezember eingestellt habe.

Der niederländische Saab-Eigner Victor Muller sagte dem Rundfunksender SR, das Unternehmen habe "keine größeren Probleme". Er wollte auf Fragen nach unbezahlten Rechnungen und Lieferstopps nicht antworten. Am Mittwoch dann teilte Spyker mit, die Produktion bei Saab sei am Morgen wieder angelaufen. Weiter hieß es, das Unternehmen gehe davon aus, die Probleme mit den Zulieferern kurzfristig zu lösen. "Saab hat ausreichende Mittel, um seinen sofortigen Liquiditätsbedarf (...) zu decken."

Doch ob damit das erschütterte Vertrauen von Lieferanten und Kunden wieder herzustellen ist, erscheint fraglich. Denn erst am vergangenen Freitag hatte Spyker die Ausgabe von mehr als 5,5 Millionen neuen Aktien angekündigt. Die dadurch erlösten 23,1 Millionen Euro sollen laut dem Unternehmen vor allem zum Begleichen von Krediten eingesetzt werden. Spyker scheint also dringend Geld zu brauchen. Dafür spricht auch die vor gut einem Monat bekannt gegebene Absichtserklärung, die Sportwagensparte für 32 Millionen Euro zu verkaufen. Außerdem führt der russische Finanzier und früherer Spyker-Großaktionär Wladimir Antonow mit der schwedischen Regierung Gespräche über eine Beteiligung von rund 30 Prozent an Spyker.

Saab hat seinem Eigner im vergangenen Jahr einen Verlust von 218 Millionen Euro eingebrockt, wie Spyker am vergangenen Freitag mitteilte. Der Absatz an die Händler stieg zwar im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent auf rund 31.7000 Autos. Doch diese verkauften mit rund 28.300 Wagen rund 29 Prozent weniger als im Jahr 2009.

Zu allem Überfluss kündigte am gleichen Tag auch noch der langjährige Saab-Chef Jan Åke Jonsson überraschend seinen Rücktritt an. Sein designierter Vize-Chef Nils-Johan Andersson hatte nur einen Tag zuvor einen Rückzieher gemacht, weil er lieber bei seinem bisherigen Arbeitgeber, dem Zulieferer und Baukomponentenhersteller Lindab, bleiben wollte.

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