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21.10.2014

20:35 Uhr

Schwedischer Investor gilt als Favorit

Siemens will Hörgerätesparte wohl doch verkaufen

Siemens wird seine Hörgerätsparte nun offenbar doch verkaufen. Finanzkreisen zufolge sind die Verhandlungen mit Investoren bereits weit fortgeschritten. Laut Insidern gilt der schwedische Investor EQT als Favorit.

Siemens wird seine Hörgeräte-Sparte nun wohl doch verkaufen. dpa

Siemens wird seine Hörgeräte-Sparte nun wohl doch verkaufen.

MünchenKehrtwende bei Siemens : Der Industriekonzern steht nun Finanzkreisen zufolge doch vor einem Verkauf seiner Hörgeräte-Sparte. Siemens verhandele mit Finanzinvestoren, aber auch mit dem dänischen Hörgeräte-Hersteller GN Resound über eine Veräußerung der gut zwei Milliarden Euro teuren Sparte, sagten mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen am Dienstag.

Der Prozess sei weit fortgeschritten. Eine Entscheidung könnte bis November fallen. Als Favorit gelte der schwedische Investor EQT. Darüber hatte zuerst die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Ob Siemens aber schon exklusiv mit der Private-Equity-Gesellschaft verhandelt, blieb unklar. Siemens-Chef Joe Kaeser hatte eigentlich angekündigt, die Tochter Siemens Audiologische Technik abzutrennen und an die Börse zu bringen.

Hinter den Kulissen hat der Münchener Konzern aber zugleich einen Verkaufsprozess gestartet - wie in solchen Fällen üblich, um den Erlös zu maximieren. "Die Lage ist eher undurchsichtig. Siemens versucht sich andere Bieter offenbar noch warmzuhalten", sagte einer der Insider. Auch der Finanzinvestor Permira sei interessiert.

Für den Fall, dass die Verhandlungen scheiterten, könnten die Börsenpläne wieder aufleben, hieß es in Finanzkreisen. Permira, EQT und GN wollten sich am Dienstag nicht dazu äußern.

Der Verkauf der Hörgerätesparte war schon einmal an den stark unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert. Derzeit wird Siemens Audiologische Technik (SAT) von Analysten mit etwa zwei Milliarden Euro bewertet. Das Börsenumfeld hatte sich in den vergangenen Wochen in Europa jedoch wegen Konjunktursorgen und schwacher Börsendebüts eingetrübt.

Zuletzt waren mehrere Börsengänge angesichts der wackligen Börsen abgesagt worden. Kaeser muss fürchten, die traditionsreiche Tochter dort unter Wert zu verkaufen. Erst im vergangenen Jahr hatte Siemens seine Leuchtmitteltochter Osram an die eigenen Aktionäre verschenkt, nachdem ein Anteilsverkauf über den Kapitalmarkt nicht gelungen war.

Beim ersten Trennungsversuch 2010 blies Kaeser, damals noch Finanzvorstand, den Verkauf der Hörgerätesparte an Finanzinvestoren ab, nachdem die Gebote in den Keller gegangen waren. Vor einem halben Jahr konnte sich Siemens Insidern zufolge mit der dänischen GN Resound nicht über den Kaufpreis einigen.

So krempelt Kaeser Siemens um

Größter Umbau seit Jahren

Erst Ruhe und Ordnung, dann der größte Umbau seit Jahren: Ab Mai 2014 packt Siemens-Chef Joe Kaeser überraschend viel an bei Deutschlands größtem Elektrokonzern. Von der Auflösung der Sektoren bis zum weiteren Vorstandsumbau - das Großreinemachen bei Siemens hat begonnen. Und ganz nebenbei traute sich Kaeser noch eine milliardenschwere Übernahme des französischen Industrierivalen Alstom zu und wagte sich dafür in ein Bietergefecht mit dem US-Rivalen General Electric (GE).

Was soll sich bei Siemens verändern?

Die von Kaesers Vorgänger Peter Löscher eingeführte Einteilung in die vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur & Städte sollte ab Oktober 2014 Geschichte sein, das Geschäft in neun statt bisher 16 Divisionen zusammengefasst werden. Für die Hörgeräte-Sparte, für die vor Jahren ein Verkauf platzte, plant Siemens einen Börsengang. Die restliche Medizintechnik bleibt zwar im Konzern - sollte aber ab Oktober eigenständig außerhalb der neun Divisionen geführt werden und damit unabhängig vom Organisationsaufbau des restlichen Konzerns. Hinzu kommt der Zukauf des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts vom Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce.

Wen treffen die Veränderungen?

Siemens hatte per Sparprogramm 15.000 Stellen gestrichen. Betroffen vom weiteren Umbau sollten vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung sein. Im Zuge des Umbaus gab aber auch der bisher für den Energiesektor zuständige Vorstand Michael Süß seinen Posten an die Shell-Managerin Lisa Davis ab. Süß war 2013 zeitweise sogar als möglicher Nachfolger Löschers gehandelt worden, der nach zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge Ende Juli 2013 Jahres seinen Hut nehmen musste.

Was will Kaeser mit dem Umbau erreichen?

Weniger Bürokratie, schlankere und übersichtlichere Strukturen, eine straffere Führung und mehr Kundennähe dürften zu Kaesers wichtigsten Zielen gehören. Ausdrücklich will er den Konzern auf die Wachstumsfelder Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung ausrichten. Siemens braucht wieder Anschluss an Wettbewerber wie den US-Mischkonzern GE, dem die Münchner seit Jahren in Sachen Rendite hinterherhecheln. Auch in der Akquisitionspolitik will Kaeser nach Rückschlägen seines Vorgängers Löscher zeigen, dass er es besser kann. Vielversprechende Geschäftsfelder stärken und weniger Zukunftsträchtiges abstoßen, heißt dabei seine Devise. Und ganz nebenbei bringt der Umbau weitere Einsparungen: Bis zum Herbst 2016 sollen die Kosten um eine Milliarde Euro sinken.

Welche Rolle spielte der Poker um Alstom?

Beide Baustellen haben zunächst wenig miteinander zu tun. Die Pläne für den Umbau, den Kaeser dem Aufsichtsrat vorlegte, reiften spätestens seit dem Wechsel des früheren Finanzvorstands an die Spitze von Siemens. Wären die Münchner bei den Franzosen zum Zuge gekommen, hätte Kaeser wohl ein weiteres Mal größere Umbauarbeiten beginnen müssen.

Die Fusion mit dem Rivalen hätte allerdings nur vage Erfolgsaussichten vor dem Kartellamt. In der Vergangenheit war auch der neue Konkurrent Samsung, der wegen seiner Finanzstärke und seines Expansionsdrangs weltweit gefürchtet wird, als Interessent für SAT gehandelt worden.

Um die Geschäftszahlen der Tochter macht Siemens noch ein Geheimnis. Der Umsatz wird von Experten auf gut 700 Millionen Euro jährlich veranschlagt, der operative Gewinn (Ebit) auf mehr als 130 Millionen Euro. Siemens hatte nur erklärt, die Marge von SAT liege über der des gesamten Medizintechnik-Bereichs von 15 Prozent.

Von

rtr

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