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08.01.2010

11:03 Uhr

Schweinegrippe

Impfstoff-Boom endet schnell

VonSiegfried Hofmann, Holger Alich

Die Umsätze mit Grippe-Impfstoffen werden vermutlich niedriger ausfallen als erwartet. Zahlreiche Länder wollen ihre Bestellungen stornieren. Einige Pharmahersteller haben die Produktion schon reduziert - und fordern nun Entschädigungszahlungen für den entgangenen Gewinn.

Etliche Pandemrix-Impfdosen werden nicht mehr gebraucht. ap

Etliche Pandemrix-Impfdosen werden nicht mehr gebraucht.

FRANKFURT/PARIS. Der unverhoffte Boom im Geschäft mit Impfstoffen gegen die Schweinegrippe erweist sich für die Pharmabranche zusehends als trügerische Erscheinung. Während vor wenigen Wochen noch allenthalben Sorge herrschte, die Hersteller könnten gar nicht genug Impfstoff produzieren, versucht eine ganze Reihe von Abnehmerstaaten inzwischen, ihre Bestellungen wieder zu reduzieren.

Vertreter der deutschen Bundesländer führten dazu gestern erste Gespräche mit der britischen Glaxo-Smithkline (GSK) mit dem Ziel, die ursprüngliche Bestellung von 50 Mio. Dosen um die Hälfte zu kürzen. Man habe dabei von GSK Signale der Kulanz erhalten, "einen größeren Teil der überschüssigen Impfstofflieferungen zu stornieren", teilte die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz von Bund und Ländern, die niedersächsische Gesundheitsministerin Mechthild Ross-Luttmann, im Anschluss mit.

Ähnliche Verhandlungen laufen derzeit unter anderem auch in Frankreich, Spanien, Irland und den Niederlanden. Die Umsätze mit den Grippeimpfstoffen dürften damit niedriger ausfallen als ursprünglich erwartet. Noch im Oktober waren Analysten davon ausgegangen, dass die Pandemie-Vorsorge den führenden Impfstoffherstellern ein Zusatzgeschäft von umgerechnet mehr als vier Mrd. Euro bescheren könnte. Als Haupt-Nutznießer galt dabei die britische GSK, die nach eigenen Angaben bis Oktober Bestellungen für mehr als 400 Mio. Impfdosen im Wert von schätzungsweise 2,5 Mrd. Euro erhalten hatte. Stark vertreten in dem Geschäft sind ferner die Pharmahersteller Sanofi-Aventis, Novartis und der US-Konzern Baxter.

Für die überraschende Wende im Grippe-Geschäft sorgte zum einen der bislang milde Verlauf der Grippewelle sowie eine eher geringe Impfneigung, zum anderen die Erkenntnis, dass nur eine Impfdosis (und nicht wie zunächst erwartet zwei Dosen) für eine Immunisierung nötig ist. Die staatlichen Gesundheits-Institutionen laufen damit Gefahr, in erheblichem Umfange auf überschüssigen Impfstoffmengen sitzenzubleiben.

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