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30.04.2013

12:08 Uhr

Schweizer Chemiekonzern

Clariant verdreifacht Gewinn

Der Chemieriese Clariant aus Muttenz hat seinen Umsatz deutlich gesteigert und den Gewinn sogar verdreifacht. Konzernchef Kottmann ist auch für die Zukunft optimistisch. Doch Analysten hatten noch mehr Gewinn erwartet.

Fabrik des Schweizer Chemiekonzerns Clariant. Das Unternehmen aus Muttenz peilt 2015 eine operative Gewinnmarge von mehr als 17 Prozent an. Reuters

Fabrik des Schweizer Chemiekonzerns Clariant. Das Unternehmen aus Muttenz peilt 2015 eine operative Gewinnmarge von mehr als 17 Prozent an.

Frankfurt/ZürichDer Schweizer Chemieriese Clariant erntet langsam die Früchte seines massiven Konzernumbaus. Im Auftaktquartal verdreifachte sich der Gewinn auf 50 Millionen Franken. „Clariant ist vierversprechend in das neue Jahr gestartet“, erklärte Konzernchef Hariolf Kottmann am Dienstag.

Zwar spürte auch die in Muttenz bei Basel ansässige Clariant wie andere Firmen der Chemieindustrie das flaue Wirtschaftsumfeld in Europa und in Amerika. Doch die Trennung von stärker konjunkturanfälligen Sparten und Kostensenkungen zahlten sich aus. Zudem profitierte Clariant als führender Hersteller von Enteisungsmitteln für Flugzeuge von dem frostigen Winterwetter im März.

Chemieindustrie in Deutschland

Überraschend guter Jahresschluss

Das Schlussquartal 2012 ist für die deutsche Chemieindustrie überraschend gut ausgefallen. Produktion, Preise wie auch Branchenumsatz haben gegenüber dem Vorquartal zugelegt. Im Gesamtjahr war die Produktion allerdings rückläufig (-3,1 Prozent), damit verpasste die drittgrößte Industriebranche Deutschlands den zunächst erwarteten Rekordumsatz von 186,6 Milliarden Euro (+1,3 Prozent). Die Beschäftigtenzahl stieg um 2 Prozent auf 437 000.

Optimistischer Ausblick

Der Branchenverband VCI erwartet 2013 ein Umsatzplus von etwa 2 Prozent auf 190 Milliarden Euro. Die Produktion werde um 1,5 Prozent steigen, die Preise würden um 0,5 Prozent anziehen. Der VCI geht davon aus, dass sich „die Auftriebskräfte weiter durchsetzen“. Vor allem werde eine große Nachfrage außerhalb Europas erwartet, aber auch das Inlandsgeschäft stimme bislang zuversichtlich.

Sorgenvoller Blick nach Brüssel

Mit Sorgen blickt die Chemiebranche nach Brüssel, wo die EU-Kommission die deutschen Strompreisbefreiungen für die Großindustrie unter die Lupe nehmen will. Obwohl nur 60 der über 1600 Chemieunternehmen von den EEG-Entgelten befreit seien, drohten empfindliche Mehrbelastungen und Verzerrungen im internationalen Wettbewerb, warnt der VCI. Die Belastungen der Chemie-Industrie würden von jetzt 800 Millionen Euro auf rund 2,1 Milliarden Euro steigen. Derzeit könne man die Entwicklung nur abwarten.

Zukunft Spezialchemie

Die Zukunft der Chemieindustrie in Deutschland sieht der VCI in einer weiteren forschungsintensiven Spezialisierung. Laut einer Studie des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag des VCI wird der Anteil der Spezialchemie bis ins Jahr 2030 von jetzt 43,3 auf 46,6 Prozent der Produktion ansteigen. Dafür sei eine jährliche Aufstockung des Forschungsbudgets um vier Prozent notwendig. Deutschland werde zwar nicht mit dem globalen Chemiewachstum mithalten können, aber weiterhin ein wichtiger Anbieter nach China, USA, Japan und Indien bleiben.

„Trotz der anhaltend schwachen Wirtschaftslage ist Clariant so positioniert, dass wir unsere Ziele Schritt für Schritt umsetzen“, erklärte Kottmann. Er bekräftigte die Prognosen, die für das laufende Jahr ein Umsatzwachstum in Lokalwährungen und eine weitere Verbesserung der Ertragskraft vorsehen.

Zudem bestätigte er die Mittelfristziele: Clariant peilt 2015 unter Ausschluss von Sonderposten eine operative Rendite (Ebitda-Marge) von mehr als 17 Prozent an. Die Rendite auf das investierte Kapital soll 2015 über dem Branchendurchschnitt liegen. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Im ersten Quartal betrug die operative Marge lediglich 13,7 Prozent nach 13,9 Prozent vor Jahresfrist.

Konzernchef Kottmann hatte bei Clariant einen umfassenden Umbau gestartet. Drei kleinere Sparten verkaufte er im Dezember für insgesamt 502 Millionen Franken an den US-Finanzinvestor SK Capital, um Clariant weniger anfällig für Konjunkturschwankungen zu machen.

Von den Bereichen Lederchemie sowie Reinigungschemikalien und Zwischenprodukte will sich Kottmann ebenfalls trennen. „Wir gehen davon aus, dass wir bis Ende des Jahres auch da einen Abschluss haben werden,“ sagte Finanzchef Patrick Janny Reuters.

Clariant setzte von Januar bis März 1,53 Milliarden Franken um - ein Plus von ein Prozent binnen Jahresfrist. Rund liefen die Geschäfte in der Sparte Care Chemicals, die von kräftiger Nachfrage nach Enteisungsmittel profitierte. Aber auch die Erlöse im Segment Oil & Mining Services zogen kräftig an. Clariant kommt hier zu Gute, dass bei der Ölförderung neue Lagerstätten zunehmend komplizierter zu erschließen sind und einen höheren Chemieeinsatz erfordern.

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In der Chemieindustrie wird es dieses Jahr verstärkt zu Übernahmen und Fusionen kommen.

Der Konzerngewinn kletterte auf 50 Millionen Franken von 17 Millionen vor Jahresfrist. Allerdings hatten Analysten im Schnitt noch mehr erwartet. Im fortgeführten Geschäft nahm der Überschuss auf 38 Millionen Franken zu von 16 Millionen ein Jahr zuvor, wobei auch niedrigere Kosten für den Konzernumbau zu Buche schlugen. Seine Nettoverschuldung verringerte Clariant auf 1,66 Milliarden Franken nach 1,79 Milliarden Franken Ende 2012.

Von

rtr

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