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23.07.2011

15:12 Uhr

Schweizer Franken

Der Fluch der starken Währung

VonUlf Sommer , Mitarbeit: Wolfgang Gillmann, Siegfried Hofmann, Christoph Kapalschinski

Die Schuldenkrise in Euroland und den USA macht den Schweizer Franken so teuer wie nie. Das mindert bei den Unternehmen die Gewinne - in diesem Jahr um rund zehn Prozentpunkte.

Die Limmat in Zürich: Wer in der Schweiz Urlaub machen will, muss sich auf hohe Preise gefasst machen. Im Vergleich zum Euro ist der Franken so teuer wie nie. Quelle: dpa

Die Limmat in Zürich: Wer in der Schweiz Urlaub machen will, muss sich auf hohe Preise gefasst machen. Im Vergleich zum Euro ist der Franken so teuer wie nie.

DüsseldorfDer weltgrößte Schweizer Warenprüfkonzern SGS hat mit seinem Halbjahresergebnis den Anlegern das Wochenende vermiest. Der Vorsteuergewinn fiel um 3,6 Prozent auf 374 Millionen Franken, der Umsatz um 0,3 Prozent auf 2,3 Milliarden Franken. Weil Anleger mit einem Zuwachs gerechnet hatten, stürzte die Aktie um neun Prozent ab.

Mehr noch: Weil SGS zu den ersten Firmen gehört, die ihre Zahlen vorlegten, und kaum jemand mit solch einem miserablen Auftakt der Bilanzsaison gerechnet hatte, verlor die gesamte Schweizer Börse am Freitag ein Prozent gegen den guten weltweiten Gesamttrend.

Dabei waren Anleger gewarnt. SGS brachen nicht etwa die Geschäfte weg. Vielmehr verursachte der steile Anstieg des Schweizer Frankens das Minus in der Bilanz. Bei konstanten Wechselkursen wären der Umsatz um 12,8 Prozent und der Vorsteuergewinn um sechs Prozent gestiegen.

So wie SGS leiden fast alle Schweizer Unternehmen. Der starke Franken macht die Produkte im Ausland teurer und damit weniger wettbewerbsfähig. Zudem mindert er die Erträge, wenn die Konzerne ihre im Ausland erzielten Umsätze und Gewinne in Franken umrechnen. Gegenüber dem Euro und dem US-Dollar ist die Schweizer Währung so viel wert wie noch nie. Ursachen sind die europäische Schuldenkrise und die drohende Staatspleite in den USA. Viele Anleger legen deshalb ihr Geld in Franken an. Seit Anfang des Jahres wertete der Franken zum Euro um acht Prozent auf, gegenüber dem Dollar um 14 Prozent. In einem Jahr gewann der Franken zum Euro sogar 20 Prozent.

"Die Aufwertung, aber noch mehr die rasante Geschwindigkeit bereitet den Unternehmen Probleme", sagt der Volkswirt Reto Huenerwadel von der Schweizer Großbank UBS. Den Firmen bleibt keine Zeit, sich mit neuen Lieferketten und Produktionsverlagerungen in den Euro- oder Dollar-Raum auf die neuen Bedingungen einzustellen, um sich von den Währungsschwankungen unabhängig zu machen.

Quer durch die Branchen leiden die Firmen. Der Baseler Arzneimittelkonzern Roche verbuchte nach eigenen Angaben im ersten Quartal auf währungsbereinigter Basis ein Umsatzplus von zwei Prozent - musste in Franken aber ein Minus von neun Prozent ausweisen. Ähnlich die Situation beim Chemiehersteller Clariant. Er wies für das erste Quartal einen negativen Wechselkurseffekt von elf Prozent beim Umsatz aus.

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