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25.01.2006

16:21 Uhr

Schweizer Steuerparadies Zug

Schmierfilm über der Alpenidylle

VonOliver Stock

Eine Kleinstadt inmitten der Berge entpuppt sich als Zentrum des internationalen Energiehandels. Die Ostseepipelinegesellschaft mit Ex-Kanzler Schröder, die Gazprom-Tochter Rosukrenergo: Warum lassen sich internationale Energiehändler so gerne in Zug nieder?

Schweizer Alpen. Foto: obs

Schweizer Alpen. Foto: obs

ZUG. Für Marc Rich ist es eine Art zweites Zuhause. Schließlich sitzt mit dem einst weltgrößten Energiehändler Glencore jenes Unternehmen in dem heimeligen Städtchen Zug, mit dem sich der Milliardär in grauer Vergangenheit an die Spitze der Branche laviert hat. Da trifft es sich, dass künftig auch Gerhard Schröder hier im Schweizer Steuerparadies seinem Job als Aufsichtsrat bei der „North European Gas Pipeline Company“ nachgehen soll. Als jemand, der dafür sorgt, dass Energie von einem Ort zum anderen kommt, arbeiten Rich, nach dem die Geheimdienste einst fahndeten, und Schröder, den die Sozialdemokraten einst feierten, nun sozusagen als Nachbarn in der gleichen Branche.

Die ist hier, abseits aller Handelsrouten, schon viele Jahre stark vertreten. Eine Kleinstadt inmitten der Berge als Zentrum des internationalen Energiehandels? Was genau hat die Ortschaft, auf halber Strecke zwischen Zürich und Luzern, alles zu bieten außer der hübschen Lage am See und den selbst für Schweizer Verhältnisse fiskalisch günstigen Winden?

Wer sich als Unternehmer für den Standort interessiert, der kommt fast zwangsläufig mit Zugs oberstem Wirtschaftspolitiker Hans Marti in Kontakt. Der grauhaarige Herr ist energiegeladen, was nicht weiter verwundert: Marti hat täglich mehr Erfolgserlebnisse als irgendein anderer Wirtschaftsförderer im Alpenland. Mehr als 1 000 Firmen haben sich 2005 wieder neu in Zug niedergelassen. „Das Wachstum ist enorm“, stellt Marti fest und lacht freundlich.

Die Anziehungskraft des Kantons hat natürlich mit Dynamikern wie ihm zu tun. Vor allem aber beruht sie auf dem Zuger Modell, wonach Gesellschaften, deren Tätigkeiten sich überwiegend im Ausland abspielen, nur minimale Quoten des operativen Gewinns versteuern müssen. Die Konstruktion zieht Händler, die den Kanton zur internationalen Drehscheibe machen, geradezu an, stellt Credit Suisse in einer Standortstudie nüchtern fest. Darüber hinaus erreicht Zugs ohnehin schon hübsche Sonderkonjunktur als Handelsplatz für Rohstoffe durch die explodierenden Energiepreise derzeit einen neuen „Superzyklus“, wie die Ökonomen der Großbank erkannt haben.

Da tut es gut, wenn der Fiskus vom Superzyklus nicht allzu viel abhaben will. Doch Zug hat dabei ein Problem: Es lassen sich nicht nur erste Adressen nieder.

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