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08.03.2006

13:00 Uhr

Schweizer Verpackungsfirma SIG

Herzschlagfinale für einen Saftladen

VonOliver Stock

Das Herz der großen, weiten Welt schlägt nebenan. Das Herz der großen, weiten Welt schlägt nebenan. Zürich ist eine Stadt mit Firmen von globalem Format, das 50 Kilometer entfernte Neuhausen am Rheinfall hatte da bislang weniger zu bieten. Doch die Beschaulichkeit hat ihr abruptes Ende gefunden, seit in Neuhausen Finanzinvestoren regieren wollen.

NEUHAUSEN. Der größte Konzern des Städtchens, der Verpackungshersteller SIG, könnte Opfer einer feindlichen Übernahme durch den Tessiner Financier Tito Tettamanti werden. Beide Seiten wetzen die Messer: Investmentbanker, Juristen und Marketingstrategen werden in Stellung gebracht. Am Dienstag hat SIG sein Jahresergebnis vorgelegt und dabei versucht Boden gut zu machen.

SIG war bis zum vergangenen Jahr ein Opfer, wie es jenen Finanzinvestoren gefällt, die von den Männern in Arbeitsklamotten an den Abfüllanlagen der Schweizer auch gerne „Raider“ genannt werden. Mit seinen knapp 5 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 1,4 Mrd. Euro nicht zu groß, als dass sich ein Investor verhebt, aber auch nicht zu klein, als dass ein Engagement nicht auffiele. Aktuell hat SIG 47 Mill. Euro Gewinn geschrieben, was Unternehmenschef Rolf Dieter Rademacher aber noch nicht befriedigt. In der langen Geschichte des Unternehmens gibt es wenig, was SIG nicht produziert hat. Briefmarkenautomaten, Waffen und Seilbahn-Gondeln zählten mal zur Produktpalette. Jetzt stellen die Neuhausener Verpackungen für empfindliche Lebensmittel samt der zugehörigen Maschinen her. Sie sind darin so erfolgreich, dass sie nach Tetrapack die Nummer zwei auf der Welt sind. Da es aber in dieser Branche eigentlich nur zwei Anbieter gibt, ist SIG auch gleichzeitig das Schlusslicht. 20 Prozent Marktanteil haben die Schweizer, 80 Prozent hat Tetrapack.

Die SIG Margen waren früher außerordentlich hoch, weil es eben eine praktische Sache ist, nur einen Konkurrenten zu haben. 2002 aber zogen die Rohmaterial-Preise an, die Kunden bevorzugten mit einmal PET-Flaschen anstelle von Saft in Kartons, ein schwächelnder Dollar tat sein übriges. Die Marge krachte von knapp 15 auf rund acht Prozent nach unten, das Unternehmen rutschte in die roten Zahlen, das Management wechselte. Für die Analysten im Team von Tettamanti, die regelmäßig die Unternehmenslandschaft scannen, war dies ein Fall nach ihrem Geschmack. Ihr Kalkül: Mit wenig Einsatz müsste sich bei SIG viel bewegen lassen. Ihr Plan: Sie kaufen genügend Aktien zusammen, um bei der Generalversammlung eine Macht zu bilden, bringen eigene Kandidaten in den Verwaltungsrat und steuern das Unternehmen selbst. Seit vergangenem Herbst setzt der Financier seine Strategie unbeirrt um.

Tettamanti und seine Investmentgesellschaft Sterling Strategic Value verbündete sich mit Gesellschaften gleichen Schlages wie der Cheyne Capital von Adriano Agosti. Auch der deutsche „Raider“ Florian Homm stieg zeitweise mit ins Boot. Zusammen kommt die Gruppe auf neun Prozent des SIG-Aktienkapitals, wovon allerdings nur fünf Prozent stimmberechtigt sind. Das reicht, um in der Generalversammlung am 30. März auf sich aufmerksam zu machen und den Versuch zu starten, drei eigene Leute in das Gremium wählen zu lassen.

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