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16.12.2011

21:40 Uhr

Schwellenländer

Deutsche Produkte sind nicht (mehr) erwünscht

VonCarsten Herz, Wolfgang Reuter

Lange galten Schwellenländer als Garant für satte Umsätze. Doch immer stärker blockieren diese Staaten nun westliche Produkte. Unter dem neuen Selbstbewusstsein der einst gelobten Länder leiden auch deutsche Unternehmen.

Bereit zur Verschiffung: Fahrzeuge von Audi und VW. dpa

Bereit zur Verschiffung: Fahrzeuge von Audi und VW.

Frankfurt, DüsseldorfManchmal, so scheint es, reagiert die Börse irrational, ja regelrecht hysterisch. Am Mittwoch beispielsweise war so ein Tag. Panikartig verkauften Investoren die Papiere von Daimler und BMW. Und das alles wegen einer kurzen, einer fast schon belanglosen Nachricht.

China, so kündigte das Handelsministerium in Peking an, werde Strafzölle auf Autos aus den USA erheben. Betroffen seien auch Pkws der Marken Mercedes und BMW – allerdings nur, wenn sie in den USA produziert werden. Und die Strafen fallen für die beiden deutschen Hersteller recht milde aus: zwei Prozent für BMW, 2,7 für Daimler.

In den Chefetagen der deutschen Autokonzerne hat daraufhin das Rechnen begonnen. Dann folgte die Entwarnung: In Stuttgart wie in München glauben die Manager, dass der chinesische Vorstoß kaum Auswirkungen auf ihr Geschäft hat. „Wir rechnen nicht mit nennenswerten Auswirkungen“, hieß es sowohl bei Daimler als auch bei BMW.

Die Anleger konnte das nicht beruhigen. Sie ahnen, dass die Meldung nur ein Teil eines viel größeren Puzzles ist – eines unguten Trends, einer bedrohlichen Entwicklung.

Denn: „Früher waren die Industriestaaten die einzigen, die Strafzölle erhoben haben“, sagt Rolf Langhammer vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, „heute greifen auch immer mehr Schwellenländer zu diesem Mittel, um ihre Wirtschaft zu schützen.“ Und nicht nur zu diesem. Auch sogenannte „Grauzonen-Maßnahmen“ nehmen laut Langhammer deutlich zu – also beispielsweise Anti-Dumping-Verfahren. Die werden von den Ländern gegen bestimmte importierte Produkte eingeleitet, sie sind intransparent, schwer zu kontrollieren – und meist enden sie in einer Handelsbeschränkung, seien es Importzölle oder vorgeschriebene Mindestpreise.

Gerade Exportzölle auf Seltene Erden treffen westliche IT-Konzerne hart

Im gerade veröffentlichten Bericht über Handelsbeschränkungen der WTO sind Hunderte von Import- und Exportzöllen zu finden: So hat Brasilien zwischen Mai und Mitte Oktober acht Anti-Dumping-Verfahren eingeleitet, China erhob drei verschiedene Export-Beschränkungen auf Seltene Erden und Nicht-Eisen-Metalle – eine Maßnahme, die gerade westliche IT-Konzerne hart trifft. Die ehemaligen Sowjet-Staaten gönnten sich elf – teilweise zeitlich begrenzte – Importzölle und außerdem verschiedene Exportverbote vor allem für Getreide.

Für deutsche Unternehmen beginnt deshalb ein neues Zeitalter. Lange Zeit waren die BRIC-Staaten – also Brasilien, Russland, Indien und China – für die Konzerne so etwas wie das Gelobte Land: Hier trafen sie auf aufstrebende Mittel- und Oberschichten, die nach westlicher Qualität und westlichem Luxus hungerten, hier erzielten sie die höchsten Wachstumsraten, hier katapultierten sie ihre ansonsten mauen Gewinne in schwindelerregende Höhen.

Kommentare (18)

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Peer

16.12.2011, 22:16 Uhr

Man beachte:

Strafzölle auf Exporte aus einem Angelsächsischem Land,
nicht aus Deutschland

Die Achse D/F--RUS--CN nimmt Gestalt an und diese Achse wird ohne die City und ohne die unbedeutenden Briten klar kommen.

Aber auch ohne die USA?

Danke Frankreich, dass Ihr den Mut habt, den Briten zu sagen, was wir nur denken dürfen.

SvenRichthoff

16.12.2011, 22:21 Uhr

Sehr geehrte Redaktion,

Fakt ist, dass die chinesische Regierung die Strafzölle für Güter aus den USA marginal erhöht hat, dies jedoch aus einem anderen Grund als Sie hier versuchen zu suggerieren. Auch die USA legen regelmäßig erhöhte Strafzölle auf chinesische Güter. Solche Maßnahmen auch von "Schwellenländern" hat es immer schon gegeben. Jetzt aber zu behaupten, es bestehe eine generelle Tendenz einer verstärkten Ablehnung westlicher Güter, ist wirklich nicht zutreffend. Im Gegenteil: gerade Güter aus Deutschland sind in sämtlichen Schwellenländern nachgefragt wie nie zuvor, was dazu geführt hat, dass dieses Land bisher relativ gut durch die Krise gekommen ist. Wenn Sie also Deutschland und Europa zu der westlichen Welt zählen, ist Ihre Schlagzeile schlichtweg falsch und erweckt eher einen populistischen Eindruck, als Einen höherer Kompetenz.

no.7

16.12.2011, 22:37 Uhr

Der Protektionismus hat wiederum einen dicken Vorteil: Das ewig steigende hin und hergekarre von waren wird im trend abgeschwächt. wir müssen von der Ideologie der bedingungslosen Mobilität abgehen. Wenn wir so weitermachen, werden wir die biosphäre binnen kurzem ruiniert haben und der temperaturanstieg wird sich noch beschleunigen. wenn ein paar weniger benzchen und bmwchen verkauft werden in zukunft, dann ist das gewiß nicht der untergang des abendlandes. Es werden sowieso weniger verkauft werden, weil die chinesischen geschäftemacher in zukunft nicht mehr so absahnen werden.

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