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14.09.2012

07:32 Uhr

Schwere Vorwürfe

Siemens in USA wegen Morddrohungen verklagt

Ein Argentinier hat in den USA eine Klage gegen Siemens eingereicht. Der deutsche Konzern soll versucht haben, korrupte Machenschaften zu verschleiern – mit Hilfe von Misshandlungen und Morddrohungen.

Ein Schriftzug der Firma Siemens. dapd

Ein Schriftzug der Firma Siemens.

MiamiSiemens sieht sich in den USA einer Klage gegenüber, in der es um Misshandlungen und Morddrohungen geht. Ein ehemaliger argentinischer Regierungsbeamter wirft dem deutschen Konzern vor, ihm einen Schlägertrupp auf den Hals gehetzt zu haben, als er im Jahr 2000 korrupte Machenschaften bei einem 1 Milliarde US-Dollar schweren Staatsauftrag öffentlich machen wollte. Siemens war am späten Donnerstag für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Kläger ist Carlos Moran. Laut der bereits am Mittwoch beim Bezirksgericht von Miami eingereichten Klage arbeitete er für die argentinische Kontrollbehörde Sigen. Er habe zahlreiche Unregelmäßigkeiten in dem Siemens-Angebot für fälschungssichere Pässe entdeckt und dies seinem Chef gemeldet. Der Chef sei jedoch ebenfalls von Siemens bestochen worden und habe Morans Einwürfe ignoriert. Moran habe daraufhin gedroht, seine Entdeckungen öffentlich zu machen. Sein Chef und die argentinische Landesgesellschaft von Siemens hätten versucht, dies zu verhindern.

Moran sei mit vorgehaltener Waffe überfallen und geschlagen, von der Straße abgedrängt, verfolgt und am Telefon belästigt worden. Ihm sei mit Entführung gedroht worden und damit, sein Haus anzuzünden, heißt es in der Klage. Seine ganze Familie leide schwer unter der Situation. Sein Sohn habe das Stottern angefangen und befinde sich bis heute in Therapie. Moran verlangt mindestens 100 Millionen Dollar (77 Mio Euro) an Wiedergutmachung und Strafe von Siemens.

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Moran hofft, den Fall vor einem US-Gericht durchzubringen, weil Siemens an der New Yorker Börse notiert ist und rund 60.000 Leute im Land beschäftigt. Siemens war von der US-Justiz und der Börsenaufsicht SEC in der Schmiergeld-Affäre hart angegangen worden. Der argentinische Staatsauftrag für Pässe war einer der prominentesten Einzelfälle in dem Skandal. Die USA hatten erst im Dezember vergangenen Jahres acht ehemalige Siemens-Manager deswegen angeklagt, darunter einen Ex-Vorstand.

Von

dpa

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

14.09.2012, 07:44 Uhr

das lässt meine vor einem Monat gekauften Siemens-Staubsauger doch glatt in ganz anderem Licht stehen! naja, ich hab ja auch noch Farbeimer von IG Farben, was solls..

hedgehog

14.09.2012, 07:54 Uhr


Immer wieder Siemens. Man könnte nach den zahlreichen Meldungen um Korruption, schwarzen Kassen etc. auf die Idee kommen, dass kriminelle Handlungen dort fester Bestandteil der Unternehmenskultur sei.

anonym

14.09.2012, 08:12 Uhr

Erschreckend, dasa auch auf dieser Plattform derart einseitige und undifferenzierte Kommentare abgegeben werden, die einen ganzen Konzern verurteilen, ohne dass ein Vorfall auch nur annähernd geklärt ist. Dass da jemand versuchen könnte, viel Geld mit einer Klage zu verdienen, die möglicherweise nicht auf Tatsachen beruht, wird nicht einmal in Betracht gezogen. Sollte an den Vorwürfen etwas dran sein, ist das selbsterständlich ein Skandal - aber das wird sich sicher noch herausstellen. Und übrigens: Siemens baut nicht nur Staubsauer...

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