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06.08.2013

19:51 Uhr

Schwierige Ermittlungen

Schmiergeldprozess um den Eurofighter zieht sich

ExklusivDie Ermittlungen im Schmiergeldskandal um den Eurofighter-Deal mit Österreich werden erst im kommenden Jahr beendet. Viele Zeugen arbeiten nicht mehr bei EADS - und wollen sich nicht mehr an der Aufarbeitung beteiligen.

Beim 3,5 Milliarden Euro Eurofighter-Deal mit Österreich sollen Schmiergelder geflossen sein. EADS ist bemüht, die Affäre aufzuklären. dpa

Beim 3,5 Milliarden Euro Eurofighter-Deal mit Österreich sollen Schmiergelder geflossen sein. EADS ist bemüht, die Affäre aufzuklären.

MünchenDie Ermittlungen zum Verdacht von Schmiergeldzahlungen bei dem Verkauf von Eurofightern an Österreich ziehen sich in die Länge. Wie ein EADS-Sprecher dem Handelsblatt (Mittwochausgabe) bestätigte, sind Ergebnisse der internen Ermittlungen wohl erst Anfang kommenden Jahres zu erwarten - und damit später als erwartet. Als Grund nennt der Sprecher die komplexen Zeugenvernehmungen. Einige der damaligen Akteure sind zudem aus dem Unternehmen ausgeschieden und offenbar wenig willig an der Aufarbeitung der Affäre mitzuwirken. Zudem sei es schwierig, die Daten und Akten des Geschäftes zusammenzutragen, so das Unternehmen. EADS hat mit der Aufarbeitung des Falles die Anwaltskanzlei Clifford Chance beauftragt.

Die Staatsanwaltschaften in Wien und München ermitteln seit November 2012 gegen EADS, das Industriekonsortium Eurofighter und 14 Beschuldigte. Der Verdacht lautet auf Schmiergeldzahlungen bei dem Verkauf von Kampfflugzeugen an das österreichische Militär. Die Staatsanwälte interessieren sich insbesondere für vertraglich vereinbarte Kompensationsgeschäfte, mit denen sich die EADS verpflichtet hat, Waren und Dienstleistungen im Wert von 3,5 Milliarden Euro in Österreich zu bestellen. Der Verdacht der Ermittler: Für einige der Zahlungen hat es keinen realen Gegenwert gegeben. EADS-Chef Tom Enders hatte Ende 2012 eine schnelle Aufklärung versprochen.

Zugleich kündigt EADS-Chef Enders eine Straffung des Eurofighter-Konsortiums an. „Eurofighter ist heute weniger integriert als Airbus in den 80er Jahren“, sagt EADS-Chef Tom Enders dem Handelsblatt. Enders hat bereits Gespräche mit seinen Partnern Alenia und BAE Systems aufgenommen, um die Strukturen zusammenzuführen und die Kosten zu senken. „Jetzt muss es darum gehen, den Eurofighter wettbewerbsfähig zu machen und verstärkt Exportchancen zu suchen, wie beispielsweise in Südkorea oder in den Vereinigten Arabischen Emiraten.“

Die weltweite Vermarktung des Eurofighters ist Sache der einzelnen Partnerfirmen. Ohne den Export des Kampfjets droht der Produktion im Jahr 2018 das Aus, wenn die Bundeswehr die letzte bestellte Maschine abgenommen hat. Bislang waren die Exporterfolge überschaubar: So gelang es BAE Systems die Maschine an Saudi Arabien und den Oman zu verkaufen. EADS verlor 2012 eine Ausschreibung in Indien an den Konkurrenten Dassault Rafale. Österreich ist bislang der einzige EADS-Exporterfolg.

Die Geschichte des Eurofighters

November 1977

Franzosen, Deutsche und Briten planen einen gemeinsamen Kampfjet für die Neunzigerjahre.

Dezember 1983

Frankreich, Deutschland, Spanien, Großbritannien und Italien schließen ein Abkommen über den Bau von 800 Flugzeugen à 35 Millionen Euro, die als "Jäger 90" ab 1995 fliegen sollen.

August 1985

Frankreich scheidet aus dem Projekt aus

Sommer 1986

Großbritannien und Deutschland übernehmen je ein Drittel, Italien 21 Prozent und Spanien 13 Prozent. Die Briten beauftragen BAE Systems, Italien den späteren Rüstungsriesen Finmeccanica, Deutschland und Spanien den heutigen EADS-Konzern.

November 1988

Offizieller Auftrag zum Bau.

Februar 1992

Nach Ende des Kalten Kriegs wollen die Regierungen ein einfacheres, preiswerteres Modell, das nun "Eurofighter 2000" heißen soll..

Mai 1992

Der Prototyp ist fertig.

März 1994

Erfolgreicher Erstflug.

Juli 2003

Österreichs Parlament beschließt den Kauf von 18 Exemplaren, der erste Export des Eurofighters.

Oktober 2003

Lieferung des ersten Jets.

Dezember 2005

Saudi- Arabien will bestellen. Die britische Antikorruptionsbehörde SFO untersucht Bestechungsvorwürfe. London stoppt die SFO "aus nationalem Interesse".

Sommer 2006

Die Eurofighter-kritische SPÖ gewinnt die Parlamentswahl in Österreich. Im Oktober startet der Untersuchungsausschuss wegen möglicher Bestechungen und stellt die Arbeit 2007 ergebnislos ein.

Von

fas

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

06.08.2013, 20:09 Uhr

Sicherlich muss da noch Einiges geschräddert werden bevor man etwas an die Staatsanwaltschaft übergeben kann. Aber ich denke es ist eh alles egal. Holt mich ab.

DerKampfschlesier

06.08.2013, 22:25 Uhr

Obacht!

Diese widerliche, korrupte Handelsblättchen-Redaktion hat das aktuelle Thema zu AfD geschlossen!!!

Machen Sie nur so weiter Herr Oliver Stock, Sie Möchtegern Mona Lisa der Presselandschaft!!!

Mann, sind Sie peinlich!!!

Pfui Deibel!!!

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