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05.01.2012

06:56 Uhr

Schwierige Finanzierung

Banken verzögern die Energiewende durch maue Kreditvergabe

VonKlaus Stratmann, Thomas Bauer, Jürgen Flauger

Dass der Ausbau der erneuerbaren Energien stockt, hat mehrere Gründe. Nun kommt ein weiterer hinzu: Banken tun sich mit der Finanzierung schwer. Offshore-Windparks sind besonders stark betroffen.

DerWindpark BARD Offshore 1 in der Nordsee: Es geht zu langsam. dpa

DerWindpark BARD Offshore 1 in der Nordsee: Es geht zu langsam.

Frankfurt/Düsseldorf/BerlinDie Energiewende sollte aus Sicht von Thomas Kresser ein gutes Geschäft sein: Ob es um Windräder, Gasturbinen oder Stromnetze geht - Kressers Unternehmen, die Alstom Deutschland AG, hat alle Produkte im Angebot, die benötigt werden, um den Umbau des Energieversorgungssytems zu bewältigen. Doch der Finanzvorstand des Anlagenbauers macht immer wieder die Erfahrung, dass seine Kunden die erforderliche Finanzierung nicht stemmen können. "Wir beobachten, dass sich die privaten Banken im Zuge der Euro-Krise und mit Blick auf eine sich verschärfende Bankenregulierung eher zurückhalten", sagt Kresser.

Andere Anlagenbauer, aber auch Projektentwickler und kleinere Energieversorgungsunternehmen teilen Kressers Beobachtung: Banken lassen lieber die Finger von Energieprojekten. Das betrifft besonders die Offshore-Windkraft, aber auch den Ausbau der Netze. Selbst für Gaskraftwerke lassen sich nur schwer Geldgeber auftreiben. Wenn nicht Förderbanken wie die KfW oder die Europäische Investitionsbank (EIB) mitziehen, winken die privaten Banken ab. Oder sie stellen unerfüllbare Bedingungen. "Die Zurückhaltung der Banken ist eine Gefahr für die Energiewende", sagt Ulf Moslener von der Frankfurt School of Finance & Management.
Große Unsicherheit im Markt.

Es gebe im Markt "große Unsicherheiten, die sich auf die Finanzierung von Großprojekten auswirken", sagt Martin Hector, Leiter der Projektentwicklung beim Stadtwerkeverbund Trianel. Insbesondere die Stromerzeugung auf hoher See stellt aus Sicht der privaten Institute eine Rechnung mit zu vielen Unbekannten dar. "Für Banken ist der deutsche Offshore-Windmarkt ein neues Terrain. Es gibt keine Erfahrungswerte, wie die großen Anlagen laufen und gewartet werden müssen.

Deshalb gibt es viele Banken, die das Risiko scheuen und sich zurückhalten", sagt Hector. Trianel hat die Probleme selbst zu spüren bekommen, ist allerdings noch glimpflich davongekommen: Der Stadtwerkeverbund hat sein Offshore-Projekt "Borkum West II" geteilt. Für die erste Hälfte - 40 Windräder mit jeweils fünf Megawatt Leistung -, die Ende 2012 fertiggestellt sein soll, ist die Finanzierung gesichert. Für die zweite Hälfte, die voraussichtlich mit einer Verzögerung von einem Jahr in Betrieb gehen wird, muss Trianel die Finanzierung noch sichern.

Kommentare (22)

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treffer11

05.01.2012, 07:48 Uhr

Das verstehe wer will:

Vergeben die Banke zu leicht Kredite, ist es schlecht (Ausfallrisiken).

Verlangen sie bei Risikokrediten (kann man der Politik glauben?) Sicherheiten, ist es auch schlecht.

Im übrigen kann sich jeder Bürger an solchen Investments ja selbst beteiligen.

Siehe Griechenland: Zuerst sollte man Griechenland bei der Kreditvergabe "blos nicht im Sich lassen", dann sollte man "freiwillig" verzichten. Was hat es gebracht: Vielleicht doch nur "Konkursverschleppung"....

Account gelöscht!

05.01.2012, 07:48 Uhr

Dann wäre doch da Beste, wenn die EZB das Geld nicht den Privatbanken für 1% aufdrängt, sondern die KfW das Geld für diesen Prozentsatz leiht und an die Unternehmen zu 2% weitergibt: Der Bürger profitiert 2x einmal kostet das Ganze weniger, was im Hinblick auf die Energiepreise günstig ist, die KfW macht Gewinne.

Ein guter nebeneffekt wäre, daß die Privatbanken nicht mehr soviel Geld zum Parken bei der EZB hätten - wurde ja auch viel bemängelt.

Erfahrungssammler

05.01.2012, 07:57 Uhr

Ja, dieses Mal eine gute Nachricht. Offensichtlich wissen die Banken, dieses Geld wird in unsinnige Projekte gesteckt, siehe die vielen Pleiten auf dem Gebiet.
Erneuerbare Energie gibt es nicht, da keine Energie verloren gehen kann, das ist Neusprech zu Volksverdummung. Aber das kennen wir schon.

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