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16.08.2016

09:08 Uhr

Schwierigkeiten in China

Pechsträhne für Tesla

VonAxel Postinett

Ein Tesla-Modell baut in China einen Unfall – im Autopilot-Modus. Schon vorher hatte der E-Auto-Pionier auf dem wichtigen chinesischen Markt Probleme. Experten rechnen jetzt mit einer scharfen Kurskorrektur.

Nach einem Unfall hat Tesla seine Verkäufer in China nachgeschult. Die Mitarbeiter sollen den Wagen vorher aggressiv als selbstfahrendes Auto angepriesen haben. Reuters

Vorführung der Autopilot-Funktion in einem Tesla Model S

Nach einem Unfall hat Tesla seine Verkäufer in China nachgeschult. Die Mitarbeiter sollen den Wagen vorher aggressiv als selbstfahrendes Auto angepriesen haben.

San FranciscoVersehen oder Absicht? Nach dem Unfall eines Tesla-Fahrers in China verschwand am Sonntag der Begriff „selbstfahrendes“ Auto von der chinesischen Webseite des E-Auto-Pioniers. Auch das Wort „Autopilot“ suchte man dort vergeblich, wie die Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg berichteten. Stattdessen stand auf der Website nun „automatisch-assistiertes Fahren“.

Zuvor war es in Peking zu einem Unfall gekommen. Dabei hatte ein Tesla Model S im Autopilot-Modus einen parkenden Wagen gerammt, der leicht in die Fahrspur ragte. Es gab zwar nur einen Sachschaden, doch der chinesische Autofahrer beklagte sich im Internet. „Sie vermitteln bei Tesla jedem den Eindruck, es handele sich um ein selbstfahrendes Auto und nicht um ein Fahrerassistenz-System.“ Tesla weist solche Anschuldigungen zurück.

Mittlerweile steht das Wort „Autopilot“ auch wieder auf der Website, wie Reuters berichtet. Tesla erklärte der „Washington Times“ ohne nähere Angaben, das zwischenzeitliche Verschwinden des Begriffs sei ein Fehler gewesen.

Das kalifornische Unternehmen erklärte außerdem in einer Stellungnahme, man arbeite kontinuierlich an einer Verbesserung der Texte auf den landesspezifischen Webseiten. Das Timing habe nichts mit dem Unfall zu tun.

Vom assistierten zum autonomen Fahren

Stufe 1: Fahrassistenzsysteme

Bereits heute unterstützen den Fahrer unterschiedliche Systeme, wie etwa beim Einparken. Voraussetzung hierfür ist, das der Fahrer dauerhaft das System überwacht und jederzeit eingreifen kann. (Quelle: GDV)

Stufe 2: Teilautomatisiertes Fahren

Durch das Zusammenwirken von Fahrassistenzsystemen kann das Auto teilweise die Kontrolle übernehmen. Derzeit ist das teilautomatisierte Fahren aber nur in einfachen Verkehrssituationen möglich, z.B. auf der Autobahn oder bei Stop-and-Go. Prototypen solcher Systeme wurden bereits entwickelt, in den kommenden Jahren sollen sie in Serie gehen. (Quelle: GDV)

Stufe 3: Hochautomatisiertes Fahren

Beim hochautomatisierten Fahren übernimmt das Auto die Kontrolle mit gewissen Einschränkungen: - nur in einem gewissen Zeitraum, - nur in spezifischen Situation, und - bis zu bestimmten Geschwindigkeiten. Entscheidend dabei ist, dass der Fahrer nicht mehr dauerhaft das System überwachen muss – der grundlegende Unterschied zum teilautomatisierten Fahren. Ändert sich beispielsweise die Verkehrssituation, fordert das System den Fahrer auf, wieder die Kontrolle zu übernehmen. Das hochautomatisierte Fahren soll bis 2020 marktreif werden.

Stufe 4: Vollautomatisiertes, autonomes Fahren

Dabei übernimmt das Fahrzeug die vollständige Kontrolle in allen Situationen und bei jeder Geschwindigkeit. Der Mensch muss das System nicht mehr überwachen. Experten rechnen mit der Einführung von vollautomatisierten Autos frühestens ab 2025 oder später. (Quelle: GDV)

Begriffsdefiniton "autonomes Fahren"

Autonomes Fahren bedeutet das selbständige, zielgerichtete Fahren eines Fahrzeugs im realen Verkehr, ohne Eingriff des Fahrers.

Dabei bezieht das Fahrzeug seine Eingangsdaten zunächst aus visuellen Informationsquellen, die auch dem Fahrer zur Verfügung stehen. In Vorstufen des autonomen Fahrens unterstützt die Technik die menschliche Wahrnehmung durch die Bereitstellung von Informationen, die eine sichere Entscheidungsfindung und schnelle Reaktion des Fahrers ermöglichen. Erfolgt die Reaktion des Fahrzeugs allerdings selbständig über Algorithmen und daran geknüpfte Reaktionen des Fahrzeugs ohne die aktive Einwirkung des Fahrers, spricht man vom autonomen Fahren.

Juristische Hürden

Prinzipiell sind automatisierte Fahrzeuge zulassungsfähig. Allerdings erlaubt die UN-R 79 (eine Regel in der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen, die Lenkanlagen betrifft) über korrigierende Lenkeingriffe hinaus kein automatisches Lenken bei Geschwindigkeiten > 10 km/h. Eine Überarbeitung ist initiiert und wird voraussichtlich im Jahr 2018 abgeschlossen sein.

Nationale Straßenverkehrsordnungen bzw. das Wiener Weltabkommen legen typischerweise fest, dass der Fahrer sein Fahrzeug dauerhaft kontrollieren muss und jederzeit eingreifen kann (erheblicher Auslegungsspielraum). Diese Regeln werden momentan durch diverse Initiativen klarer definiert bzw. an den Stand der Technik angepasst.

Bevor diese Initiativen greifen, wird dem Verhaltensrecht dadurch Genüge getan, dass nur teilautomatisierte Lösungen implementiert werden, bei denen sichergestellt ist, dass der Fahrer das System kontinuierlich überwacht.

Prinzipiell sind automatisierte Fahrzeuge zulassungsfähig. Allerdings erlaubt die UN-R 79 (eine Regel in der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen, die Lenkanlagen betrifft) über korrigierende Lenkeingriffe hinaus kein automatisches Lenken bei Geschwindigkeiten > 10 km/h. Eine Überarbeitung ist initiiert und wird voraussichtlich im Jahr 2018 abgeschlossen sein.

Nationale Straßenverkehrsordnungen bzw. das Wiener Weltabkommen legen typischerweise fest, dass der Fahrer sein Fahrzeug dauerhaft kontrollieren muss und jederzeit eingreifen kann (erheblicher Auslegungsspielraum). Diese Regeln werden momentan durch diverse Initiativen klarer definiert bzw. an den Stand der Technik angepasst.

Bevor diese Initiativen greifen, wird dem Verhaltensrecht dadurch Genüge getan, dass nur teilautomatisierte Lösungen implementiert werden, bei denen sichergestellt ist, dass der Fahrer das System kontinuierlich überwacht. (Quelle: Daimler)

Zum Unfall erklärte Tesla, der Wagen habe sich zur fraglichen Zeit im Autopilot-Modus befunden. Dies habe eine Datenanalyse zum Unfallhergang ergeben. Doch habe der Fahrer offenbar nicht beide Hände am Steuer gehabt, wie es Chinas Gesetze vorschrieben.

Tesla hat bereits sämtliche Verkäufer in China nachgeschult, wie Reuters berichtete. Dabei seien sie ausdrücklich ermahnt worden, die Autopilot-Funktionen nur mit beiden Händen am Steuer vorzuführen. Von der Nachrichtenagentur befragte Kunden hätten gesagt, dass bei Testfahrten Verkäufer auch schon mal freihändig gefahren seien, um die Fähigkeiten des Systems zu demonstrieren.

Das Thema ist brisant, seit es zum ersten tödliche Unfall mit einem Tesla gekommen ist. Das Fahrzeug war Anfang Mai in Florida im Autopilot-Modus ungebremst unter einen Sattelzug gefahren.

Kommentare (22)

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Herr Tom Schmidt

16.08.2016, 09:20 Uhr

Nicht umsonst heißt es in der Wirtschaftswissenschaft: Pioniere sterben einsam!

Das wird dann halt vergessen, aber wenn man so etwas mit Aktionärsgeld veranstaltet, dann brauchts halt ein wenig Show damit die ihren Spaß haben. So what?

Die Chinesen machen es halt anders, da muss die Verkaufszahl ja nicht stimmen und schwarze Zahlen brauchen sie (wie Musk vorerst) auch nicht.

Ein wenig schmunzeln kann man natürlich darüber, dass Tesla jetzt auch die Medizin abbekommt, die VW in den USA abgekriegt hat. (1 Unfall von 1 Tesla... wie viele Unfälle gibt es weltweit pro Tag wegen schlechter Fahrzeugtechnik???)

Herr Tom Schmidt

16.08.2016, 09:23 Uhr

 Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Toni Ebert

16.08.2016, 09:30 Uhr

Ja, Tesla ist wirklich ein sehr gefährliches Fahrzeug. Es explodiert und fährt unter LKW's.

In Zeiten, wo man zugeben muss, dass (Öl) Energie fast unendlich lange reichen wird, muss man da wirklich die giftigen Todeskutschen beachten ? Es wird wirklich Zeit, dass die Menschen aufwachen und erkennen, dass der Klima-Schwindel und die Klima-wende nur erfunden wurden, um das niedere Volk ab zu kassieren.

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