Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.03.2006

10:57 Uhr

Sechs Fragen an Andreas Troge

„Wir hoffen auf niedrigere Müllgebühren“

Andreas Troge ist Präsident des Umweltbundesamtes. Im Interview spricht er über die Auswirkungen des Elektrogesetzes für die Umwelt und die Zukunft des Modells.

Handelsblatt: Herr Troge, heute beginnt für Hersteller und Importeure die Rücknahmepflicht für Elektro- und Elektronikaltgeräte. Was bringt das Elektrogesetzes, das dafür den rechtlichen Rahmen gibt, für die Umwelt?

Wir erfassen mit der gesonderten Rücknahme von Elektroschrott eine Hausmüllfraktion mit hohem Schadstoffanteil – aber auch hohem Wertstoffgehalt. Zugleich bestimmt das Gesetz, dass mittelfristig bestimmte Schwermetalle wie etwa Cadmium oder Blei in neuen Geräten durch andere Substanzen ersetzt werden müssen. Am Ende kommen Wertstoffe aus den Altgeräten in den Stoffkreislauf zurück, und der Einsatz von Schadstoffen in Neugeräten reduziert sich.

Sie haben die Elektroschrott- Rücknahme an eine Selbstverwaltungsorganisation der Industrie delegiert, die so genannte Stiftung Elektro-Altgeräte-Register (EAR). Ein Novum?

Ja. Wir gehen damit einen neuen Weg. Die EAR nimmt hoheitliche Aufgaben wahr, die wir ihr offiziell übertragen haben. Sie organisiert nicht nur die Logistik, sondern registriert auch die Hersteller und Importeure der neuen Geräte, die in die Läden kommen.

Werden Sie das System auf weitere Abfallarten übertragen?

Die Hersteller übernehmen mehr Verantwortung, der Staat beschränkt sich auf die Rechts- und Fachaufsicht. Das hat sicher Vorbildcharakter. Ich bin zuversichtlich, dass dieses Modell erfolgreich funktionieren wird. Bei der Übertragung dieses Modells auf andere Müllfraktionen wäre ich dennoch vorsichtig. Ich sehe keine Fraktion, die sich dafür anbietet. Es gibt keinen Grund, von den für andere Fälle bewährten Verfahren abzurücken.

Einige Importeure beklagen, dass die Rücknahme EU-weit unterschiedlich geregelt ist.

Kleinere Unterschiede bei der Umsetzung ändern nichts am Grundsätzlichen: Elektroschrott darf europaweit nicht mehr in die Mülltonne, und die Hersteller müssen ihn entsorgen. Wer bisher anderes gewohnt war, für den bedeutet das neue System sicher eine Umstellung. Doch die Importeure werden sich daran gewöhnen. Sie kommen an der Registrierung der Geräte, die sie in Deutschland verkaufen wollen, aus Wettbewerbsgründen nicht vorbei. Durch die Registrierung werden sie nicht diskriminiert.

Die Industrie beziffert ihre Zusatzkosten auf 500 Millionen Euro jährlich. Ist das ein realistischer Wert?

Da bin ich skeptisch. Ich glaube, dass das eher zu hoch gegriffen ist.

Profitiert der einzelne Bürger?

Wir hoffen, dass sich die Neuregelung in niedrigeren Müllgebühren niederschlägt. Schließlich werden die Kommunen entlastet, wenn die Hersteller die Entsorgung des Elektroschrotts übernehmen. Und: Die Bürgerinnen und Bürger profitieren von einer besseren Umwelt mit weniger Schadstoffen.

Das Gespräch führte Klaus Stratmann.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×