Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.05.2015

06:18 Uhr

Selbstfahrender Lkw auf US-Straßen

Wenn der Trucker freihändig fährt

VonAxel Postinett

Dies ist der Startpunkt für die Zukunft der Transportindustrie: Daimler hat für zwei selbstfahrende Lastwagen eine Straßenzulassung in den USA. Eine Trainingsstrecke ist gefunden. Auf die Fahrer warten neue Aufgaben.

Daimler präsentiert selbstfahrenden LKW

Der Truck der Zukunft

Daimler präsentiert selbstfahrenden LKW: Der Truck der Zukunft

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Las VegasDas Nummernschild ist angeschraubt. Der erste autonom fahrende Lastwagen mit Straßenzulassung rollt seit heute über die Highways von Nevada. Der Fahrer ruht sich im Fahrersitz aus oder geht anderer Arbeit nach: Er telefoniert mit Kunden, überarbeitet auf dem Tablet den Tourenplan.

Endlos zieht sich der Highway 15 durch die Wüste Nevadas und verbindet die Entertainment-Metropole Los Angeles mit der Spielerstadt Las Vegas. Die Insel des Lasters inmitten der Wüste ist völlig von Warenlieferungen von außerhalb abhängig. So wälzen sich riesige Dreißigtonner in endlosen Kolonnen in der brennenden Sonne über den Asphalt.

Das ist die ideale Trainingsstrecke für die beiden Freightliner Inspiration Trucks, die ab heute mit normalen Nummernschildern des Staates Nevada den Frachtdienst aufnehmen werden. Doch das ist erst der Anfang. Daimler-Vorstand Wolfgang Bernhard, verantwortlich für Lkw und Busse, in Las Vegas: „Mit der Straßenzulassung in den USA haben wir einen wichtigen Meilenstein bei autonom fahrenden Lkw erreicht. Unser nächstes Ziel ist es, die Highway-Pilot-Technologie auch in Deutschland im öffentlichen Straßenverkehr zu testen. Die entsprechenden Vorbereitungen dafür laufen.“

Dieser Paradigmenwechsel gilt für eine ganze Industrie. Die Schlagzeilen der Presse und des Internets dominieren derzeit zwar das selbstfahrende Google-Auto, der omnipräsente Elon Musk mit dem Phänomen Tesla oder Apples mysteriöse Autopläne. Aber Daimler und andere Lastwagenhersteller forschen seit Jahren an selbstfahrenden Autos - mit wenig Aufsehen, aber dafür um so effektiver und mit realistischen Zielsetzungen.

Die nahe Zukunft gehört der automatisierten Langstrecke und damit den Spediteuren und Lastwagenfahrern der Transportindustrie, die oft hunderttausend Kilometer und mehr pro Jahr abspulen. Sie wollen keine Star Wars-Technik, sondern zuverlässige Hilfen, die ihr Leben einfacher machen.

Die größten Lkw-Bauer der Welt

Platz 10

Weichai Power - Shaanxi (China) - 104.100 neu zugelassene Fahrzeuge in 2013

Die Sinotruk-Tochter gehörte zu den ersten Firmen, die in China Dieselmotoren produzierte. In Deutschland wurde das Unternehmen durch seinen Einstieg beim Gabelstaplerhersteller Kion bekannt.

Quelle: IHS Automotive

Platz 9

Tata (Indien) - 133.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Mutterkonzern von Jaguar und Land Rover gehört auch im Nutzfahrzeugbereich zu den ganz Großen. Insbesondere im Heimatmarkt spielt das Unternehmen eine führende Rolle.

Platz 8

BAIC - Foton (China) - 136.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Daimlers Schlüssel zum chinesischen Markt ist auch die Kooperation mit den Chinesen. Mit dem Lkw-Bauer Foton, der zum Reich von BAIC gehört, betreiben die Stuttgarter seit 2012 das Joint-Venture BFDA.

Platz 7

Paccar (USA) - 139.200 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Hersteller aus Bellevue, Washington, baute im Zweiten Weltkrieg noch Panzer. Durch mehrere Übernahmen gehören die Amerikaner zu den Weltmarktgrößen im Lkw-Bereich.

Platz 6

CNHTC - Sinotruk (China) - 150.800 neu zugelassene Fahrzeuge

Der hinesische Lkw-Produzent beherrscht rund 20 Prozent des heimischen Marktes. Seit 2009 hält der deutsche Lkw-Bauer MAN 25 Prozent an den Chinesen.

Platz 5

Volvo Trucks (Schweden) - 177.200 neu zugelassene Fahrzeuge

Aus Göteborg in die Welt: Bei den ganz schweren Jungs gehören die Schweden zu den größten in Europa. Seit 2011 werden die Volvo Lastwagen auch in den USA gebaut.

Platz 4

Volkswagen (Deutschland) - 178.500 neu zugelassene Fahrzeuge

Mit den Marken MAN und Scania unter ihrem Dach schaffen es die Wolfsburger im weltweiten Vergleich auf die oberen Ränge. Geht es nach den Plänen des Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch soll das Duo die Weltspitze erobern.

Platz 3

First Automotive Works (China) - 180.800 neu zugelassene Fahrzeuge

Mit mehreren internationalen Herstellern unterhalten die Chinesen Joint Ventures, darunter Volkswagen und Toyota. Auch bei den Lastwagen gibt der Konzern, der einst mit sowjetischer Hilfe aus der Taufe gehoben wurde, den Ton an.

Platz 2

Dongfeng (China) - 264.400 neu zugelassene Fahrzeuge

Der Ostwind, wie die Marke übersetzt heißt, bläst weiter kräftig. Im Segment der mittelgroßen Lkw beherrscht das Unternehmen den wachsenden Heimatmarkt. Nur ein Konzern verkauft noch mehr Lastwagen.

Platz 1

Daimler (Deutschland) - 355.000 neu zugelassene Fahrzeuge

Neue Modelle geben dem Marktführer neuen Rückenwind - auch weil die Stuttgarter mit ihren internationalen Marken Freightliner, Fuso und Barat Benz auch international gut aufgestellt sind.

Auf rund 642 Milliarden Dollar wird der Beitrag der Transportindustrie zum Bruttosozialprodukt alleine in den USA geschätzt. 2012 wurden 70 Prozent aller Güter in den USA über die Straße bewegt, das macht 9,7 Milliarden Tonnen. In 26 der 52 Bundesstaaten der USA ist Lastwagenfahrer der dominierende Beruf. Jede Chance, die Effizienz in dieser Branche zu erhöhen oder die Aus- und Unfallraten zu senken, bringt den Unternehmern bares Geld und entlastet die Fahrer.

Und während Tesla oder Apple um jeden Kunden buhlen müssen, werden im Flottengeschäft hunderte oder tausende Fahrzeuge auf einen Schlag verkauft. Ein Grund für Daimler, mit der Neuerung nicht in Europa zu starten, sondern in den USA. Bei 40 Prozent Marktanteil im Lkw-Markt ist das Potenzial dort gewaltig.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr M. M.

06.05.2015, 09:51 Uhr

Viel "toller"wäre es ,wenn man es endlich kapierte,dass diese Transporte von der Strasse herunter gehören,auf die Schiene.

Herr Hamburger Jung

06.05.2015, 10:25 Uhr

Die 15 ist kein Highway sondern eine Interstate.

Herr Fred Meisenkaiser

06.05.2015, 10:42 Uhr

Und wer zahlt die Straßen? Der Verschleiss der Strasse durch einen LKW ist etwa 40000mal so hoch wie durch einen PKW (Viertes Potenzgesetz) .
Weil unsere Vorfahren dies erkannten, setzten sie auf die Bahn. Deren Stahl hat einen Verschleiss.

Die Autobahnen sind der LKW-Belastung nicht gewachsen.
Und die Bürger können nicht mehr auf Dauer die LKW's subventionieren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×