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30.01.2011

14:43 Uhr

Sellner ist pleite

Auto-Konzerne verlieren wichtigen Zulieferer

Zu den Kunden zählen alle deutschen Autohersteller, aber auch große internationale Marken wie Cadillac, Chrysler, Nissan, Renault und Rolls Royce. Dennoch muss der Zulieferer Sellner mit Sitz in Neuendettelsau (Landkreis Ansbach) nun Insolvenzantrag stellen.

Eine Chrysler 300 C SRT 8 Sedan Limousine: Sellner belieferte auch internationale Marken. Quelle: dpa

Eine Chrysler 300 C SRT 8 Sedan Limousine: Sellner belieferte auch internationale Marken.

HB NEUENDETTELSAU. Der Autozulieferer Sellner mit Sitz in Neuendettelsau (Landkreis Ansbach) hat Insolvenzantrag gestellt. Als Gründe für die Zahlungsunfähigkeit nannte Insolvenzverwalter Siegfried Beck am Sonntag Verluste wegen hoher Ausschussquoten bei neuen Fahrzeugmodellen und Fehlkalkulationen bei Großaufträgen. Die seit 2005 zur EquiVest/CBR Management GmbH zählende Sellner Gruppe beschäftigt weltweit etwa 2400 Mitarbeiter, davon 1600 in Bayern und Baden-Württemberg.

Zu den Zukunftsperspektiven für den Hersteller von Innenraum-Oberflächen wollten sich die Sanierungsspezialisten Beck und Joachim Exner am Sonntag nicht abschließend äußern. "Wir haben eine gute Marktstellung und volle Auftragsbücher. Das sind erfreuliche Ausgangsvoraussetzungen", erläuterte Beck.

Nun gelte es, gemeinsam mit der Geschäftsführung zu klären, welche Sanierungsmaßnahmen für eine profitable Aufstellung erforderlich sind. Gemeinsames Ziel sei es, möglichst viele Arbeitsplätze und Standorte zu erhalten. Anstelle der Löhne und Gehälter erhielten die Beschäftigten bis Ende März Insolvenzgeld.

Nach dem Insolvenzantrag begannen Beck und Exner am Wochenende mit der Analyse der Unternehmenssituation. Wichtigste Aufgabe sei es zunächst, den Warenfluss von den Lieferanten und an die Kunden sicherzustellen. "Wir stehen in ständigem Kontakt mit den Automobilherstellern, um dort die Fahrzeugproduktion nicht abreißen zu lassen", heißt es in einer Mitteilung. Zu den Kunden zählen demnach alle deutschen Autohersteller, aber auch große internationale Marken wie Cadillac, Chrysler, Nissan, Renault und Rolls Royce.

Kommentare (6)

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Peterle

30.01.2011, 16:44 Uhr

Wie ich soeben bei Ad-Hoc-News lese, erhalten die Mitarbeiter bis Ende März insolvenzgeld. Dieses wird
von der Agentur für Arbeit gezahlt und entspricht
dem Nettoarbeitsentgelt. Und danach ?
Wo ist das Geld das verdient wurde ? Das Unternehmen
hat eine gute Marktstellung und volle Auftragsbücher. Was hat EquiVest/CbR für Pflaumen
als Manager, oder wer hat falsch gespielt und die
Aufträge und Produktion gehen ins Ausland ? Es geht
ja nur um 1600 Mitarbeiter in bayern und baden-
Württemberg. Und auch um weitere 800 im Ausland.
Es ist eine Schande !

Morchel

30.01.2011, 17:37 Uhr

Sachsenring Neuer Markt die selbe Sache Kohle beiseite schaffen Fördergelder wo sind die abgeblieben, Gerichtstermine insolvenzverschleppung, Mitarbeiter ab schnell zum AA - Arbeitslos melden. Das nenne ich Wirtschaftliche Aktivität vom feinsten.

Insider

30.01.2011, 19:10 Uhr

Jetzt kommen endlich die Auswirkungen der Politik der Automobilhersteller an das Tageslicht. Ganz gleich welche Manager an der Spitze sind, egal ob Familienunternehmen oder Privat Equity geführt, die sogenannten OEM's bluten alle aus. Eine kurzsichtige und kurzfristige Einkaufspolitik ruinieren die mittelständishen Zulieferer. Die Großen können sich teilwiese wehren und erpressen zurück oder erhalten unglaubiche Subventionen in ihren Heimatländern und durch die EU: beispiel Faurecia: seit Jahren fast pleite, machen aber allen die Preise kaputt und werden von den OEM's und Frankreich subventioniert. Aber das sind dann ja nicht die budgets des Einkaufs der Hersteller, sondern "Sondertöpfe". Ob VW oder bMW, aber auch andere, alle sehen den kurzfristigen Preiserfolg. Sie rühmen sich Arbeitsplätze zu schaffen in Deutschland, dabei tun sie das Gegenteil. Sie verlangen von Zulieferern aktiv in den Osten Europas zu gehen und akzeptieren maximal 7-9 Euro je Stunde Lohn-Vollkosten. China ist sowieso ein Muss! Dabei nimmt man bewußt in Kauf, dass man Know-How zu chinesischen Zulieferern wandern läßt, um Preis-Konkurrenz zu schaffen.Die Chinesen entwickeln sich schnell und drängen die Deutschen in drei Jahren aus den Markt, wie es schon jetzt die Japaner in China erfahren. Also, die wirklichen Vernichter der mittelständischen Zulieferbetriebe sind die Einkäufer und vor allem die Einkaufsvorstände der OEM's. Sie meiden den Konflikt mit der iG Metall und machen auf Kooperation, holen sich über den Zwang zur Verlagerung der Arbeitsplätze bei den Zulieferern und teilwiese betrügerische Gebaren und Zwänge bei der Auftragsabwicklung Zusatzerlöse zu Lasten anderer. Die Quittung kommt bald auch für sie, nur dann sind viele betriebe und Arbeitsplätze in anständigen Unternehmen längst verloren. Aber unsinnige Ziele, wie größter Hersteller der Welt zu werden, treiben offenbar Manager zu kurzsichtigen Entscheidungen. Die Arbeitsplatzvernichtung und Wissensverschleuderung wird aber wohl weiter gehen.

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