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21.06.2012

08:00 Uhr

Seltene Erden

Chinas gefährliches Rohstoff-Monopol

China hat sich zum Vorreiter bei der Förderung Seltener Erden entwickelt, die in High-Tech-Geräten zum Einsatz kommen. Der Westen ist stark abhängig von den Exporten, ist daran aber selbst Schuld.

Im Tagebau werden im chinesischen Ganxian seltene Erden gefördert. dpa

Im Tagebau werden im chinesischen Ganxian seltene Erden gefördert.

Peking/FrankfurtDie Exportbeschränkungen Chinas für die Seltenen Erden haben einen Aufschrei ausgelöst. Mit der Europäischen Union, den USA und Japan sind die wichtigsten Industriestaaten vor die Welthandelsorganisation gezogen, um die üblichen Regeln im internationalen Handel einzuklagen.

Ein Engpass bei der Versorgung mit den Rohstoffen bedroht die Produktion von High-Tech-Geräten wie Computern oder Smartphones. Die Industrieländer haben allerdings einen guten Teil dazu beigetragen, dass China heute faktisch das Monopol auf die Metalle hat: Sie haben dem Schwellenland das Feld überlassen, nicht zuletzt wegen der enormen Umwelt-Belastungen bei der Ausbeutung der Vorkommen.

„Im Grunde hat der Rest der Welt die Förderung Seltener Erden vor zehn Jahren aufgegeben“, sagt Ian Chalmers, Geschäftsführer der australischen Bergbaugesellschaft Alkane Resources, die sich um die Wiederbelebung des Geschäfts außerhalb Chinas bemüht. Der US-Konzern Molycorp mottete damals wegen Problemen bei der Abwasser-Entsorgung seine kalifornische Mountain Pass Mine ein, die 40 Prozent des weltweiten Bedarfs an Seltenen Erden lieferte.

Danach habe die Welt verschlafen, dass sich China zum Goliath der Industrie entwickelte, kritisiert die Denkfabrik Institute for the Analysis of Global Security. Jetzt kommt das böse Erwachen. Nach Berechnungen des Bergbauers Lynas haben sich die Preise auf dem Weltmarkt seit 2009 versechsfacht und liegen nun doppelt so hoch wie auf dem chinesischen Binnenmarkt.

China liefert etwa 90 Prozent des weltweiten Bedarfs der unter dem Begriff Seltene Erden zusammengefassten 17 Elemente. Hierzu gehört unter anderem Terbium. Dieses silbrig-graue Metall kann mit einem Messer geschnitten werden und wird zur Herstellung von Brennstoff-Zellen und ultraschnellen Computerfestplatten ohne bewegliche Teile (Solid State Disks) verwendet.

Aufgeschreckt durch die Engpässe fordert der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) inzwischen eine Rohstoffstrategie von der Bundesregierung. Diese umwirbt potenzielle Lieferanten wie die Mongolei oder Kasachstan. Russland will ebenfalls in die Bresche springen und lädt deutsche Investoren zur gemeinsamen Erschließung von Vorkommen ein. Aber auch vor der eigenen Haustür wird gesucht: Die Deutsche Rohstoff AG hat nach eigenen Angaben bereits 2,2 Millionen Euro eingesammelt, um im sächsischen Erzgebirge Seltene Erden auszubeuten.

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Kommentare (2)

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barheine

21.06.2012, 09:08 Uhr

Nach einer Studie von McKinsey wird der Bedarf der deutschen Industrie an seltenen Erden von heute rund 3.000 Tonnen bis zum Jahr 2030 auf 500.000 Tonnen im Jahr anwachsen. Diesen Bedarf wird selbst China nicht decken können. Es ist höchste Zeit alternative Produktionsmethoden zu entwickeln.

SE_Spezi

21.06.2012, 09:25 Uhr

Nicht gerade neu, dieser Sachverhalt.
Dennoch ziemlich riskant erscheinende Invests: A1C2G7 und 871899.

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