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23.05.2013

17:29 Uhr

Seltsame Werbemail

Eon veräppelt Flexstrom-Kunden

VonJürgen Flauger, Sönke Iwersen

ExklusivFast eine halbe Million Kunden ging mit Flexstrom in die Pleite. Nun erhalten sie plötzlich eine Werbemail von „Ihrem Flexstrom Serviceteam“. Doch in Wirklichkeit will Eon die Pleite für sich nutzen.

Flexstrom hat die eigenen Kundendaten an Eon weitergegeben. dapd

Flexstrom hat die eigenen Kundendaten an Eon weitergegeben.

BerlinAuf die mehr als 400.000 leidgeplagten Kunden des insolventen Billigstromanbieters Flexstrom kommt eine neue Nervenprobe zu. Vier Wochen, nachdem das Unternehmen überschuldet zusammengebrochen ist, erhalten die Kunden plötzlich eine fragwürdige Werbemail ihres ehemaligen Lieferanten. Die Verbraucherzentralen warnen schon.

„Raus aus der teuren Grundversorgung!“ steht in der Mail, die in den vergangenen Tagen verschickt wurde. Absender: „Ihr FlexStrom Serviceteam“. Das Angebot: Die Kunden sollen „einfach hier klicken und attraktive Angebote anschauen. Bezahlen Sie nicht zu viel! Nutzen Sie unseren Service: Wir zeigen Ihnen günstige und zuverlässige Alternativen.“

Dass ehemalige Flexstrom-Kunden auf der Suche nach Alternativen sind, versteht sich von selbst. Durch die Insolvenz fielen sie in die sogenannte Grundversorgung, die wesentlich teurer ist als normale Angebote. Doch wer auf der vom Flexstrom-Service Team empfohlene Webeseite nach Alternativen sucht, erhält immer dieselbe Empfehlung: „E wie Einfach“, und „Mark E“.

Die Erklärung: „Flexstrom ist auf uns zugekommen und hat uns ein Angebot gemacht“, sagt Andreas Köster. Er ist Sprecher der Mark E AG, dem zweiten Unternehmen, das in der Flexstrom-Mail als „besonders günstig“ angepriesen wird. Köster erklärt: Die Kunden werden angemailt und Flexstrom erhält für jeden dadurch vermittelten Vertrag eine Provision. Eon-Sprecherin Bettina Donges ergänzt: „Ziel der Zusammenarbeit ist, den ehemaligen Flexstrom-Kunden günstigen Strom anzubieten.“

Das Massenmailing führt die Adressaten aber in die Irre. Erstens: Die Mails stammen von einem Unternehmen, das schon gestorben ist. Flexstrom hat den Betrieb eingestellt, steht unter Verwaltung eines Insolvenzverwalters. Zweitens: Die Webseite mutet wie ein Preisvergleichsportal an und vermittelt den Eindruck einer objektiven Auswahl der günstigsten Angebote. Tatsächlich kommen aber nur drei Anbieter vor: Das abschreckende Angebot des Grundversorgers und die Offerten von zwei Unternehmen, die sich in das Massenmailing eingekauft haben.

Doch wie günstig sind deren Angebote wirklich? „Wir haben Beispielangebote in einem echten Vergleichsrechner nachgeprüft“, sagt Jürgen Schröder, Energierechtsexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Da kommt zum Beispiel das Angebot von E-wie-Einfach nicht auf Platz 1 sondern auf Platz 24. Was hier läuft, grenzt an Täuschung des Verbrauchers.“

Kommentare (5)

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E-OFF

23.05.2013, 18:08 Uhr

Ein Blick in das gesetzlich vorgeschriebene Impressum/digitale Signatur der Mailnachricht, macht ersichtlich, wer der Absender ist.

Man sollte hier genau hinsehen.

Danach empfiehlt es sich bei EON oder den "Töchtern", sofern die hinter der Aktion stecken, eine Auskunft gem. Datenschutzgesetz einzuholen. Am besten mit einer Frist. Kommt EON diesem Auskunftersuchen nicht nach und es wird nicht ersichtlich, wie EON in den Besitz der Daten gelangt ist, dann sollte man Strafanzeige stellen.

Verbraucherzentralen sollten prüfen, ob ein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht vorliegt. Grundsätzlich bestehen keine Vertragsverhältnisse zwischen dem einzelnen Endkunden (vormals Flexstromkunde) wenn er sich nicht in der Grundversorgung befindet. Die Zustellung von Mailnachrichten ist dann regelmäßig unzulässig. Verbraucherzentralen können diesen Vorgang abmahnen. Verstöße sollten somit auch bei Verbraucherzentralen angezeigt werden.

E-OFF

23.05.2013, 18:27 Uhr

Die Datenschutzauskunft klappt natürlich auch gut beim Insolvenzverwalter.

Sollte der die Adressen verkauft haben, dann kann man ihm somit auch zusätzlich eine gute Arbeit verschaffen.

Auch hier sollten Verstöße sofort zur Anzeige gebracht werden. Wer noch Geschäfte auf Kosten der Geschädigten durchzieht, demgegenüber braucht man auch keine Skrupel entgegenbringen.

Die Aktion könnte sich zu einem Bumerang auch für den Insolvenzverwalter entwickeln!

keeper

23.05.2013, 19:01 Uhr

"Verbraucherzentralen sollten prüfen"

und wenn man sich an dieser Stelle -mal wieder- fragt, wieso es in Deutschland ein Verbraucherschutzministerium gibt, kommt man vermutlich bald zu der erhellenden Antwort:

Um die Industrie vor dem Verbraucher zu schützen!

... und da die Industrie genug Geld hat, um sich selbst zu schützen, reichen dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz für die Sparte Verbraucherschutz auch 33 Mio Eur p.a. und eine handvoll Mitarbeiter völlig aus..
Tendenz: sinkend.
http://www.bmelv.de/SharedDocs/Downloads/Ministerium/Haushalt-BMELV-2013.pdf?__blob=publicationFile

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