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23.05.2017

12:34 Uhr

Showdown bei Grammer

Machtkampf in der Autobranche

Die Autoindustrie schaut am Mittwoch nach Amberg: Die Aktionäre des Zulieferers Grammer stimmen darüber ab, ob die umstrittene Investorenfamilie Hastor die Kontrolle übernimmt. Für die Branche steht viel auf dem Spiel.

Alle großen Autobauer, darunter VW, BMW und Daimler, beziehen ihre Kopfstützen von der Firma aus Amberg. dpa

Autozulieferer Grammer

Alle großen Autobauer, darunter VW, BMW und Daimler, beziehen ihre Kopfstützen von der Firma aus Amberg.

AmbergBisher war das Machtgefüge in der Autobranche wie zementiert: Die wenigen großen Hersteller stehen einer Menge kleiner Zulieferer gegenüber und können ihnen mit ihrer Einkaufsmacht die Bedingungen diktieren. Doch voriges Jahr bekamen diese Beziehungen Risse, als die Prevent-Gruppe im Streit mit Volkswagen die Lieferung von Getriebegehäusen und Sitzbezügen einstellte und die Produktion bei den Wolfsburgern teilweise lahmlegte.

Nun hat sich die bosnische Unternehmerfamilie Hastor, zu der Prevent gehört, ein neues Ziel gesucht: Sie will den bayerischen Zulieferer Grammer unter ihre Kontrolle bringen. Das lässt die Alarmglocken in der Branche schrillen. Denn alle großen Autobauer, darunter VW, BMW und Daimler, beziehen ihre Kopfstützen von Grammer. Die Amberger Firma stemmt sich mit aller Kraft gegen die Übernahme. Auf der Hauptversammlung am Mittwoch kommt es zum Showdown. „Dass das kein Kaffeekränzchen wird, ist doch klar“, sagte Franz Enderle, Anwalt von Hastor.

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Der bayerische Autozulieferer will sich nicht vom deutsch-bosnischen Konkurrenten Prevent schlucken lassen. Auf der Hauptversammlung droht der Showdown. Papiere aus der Vergangenheit kommen plötzlich ans Tageslicht.

Der Machtkampf zwischen Prevent und VW, der erst nach wochenlangen Verhandlungen beigelegt werden konnte, gilt in der Branche als Mahnung. „Die Automobilindustrie will auf jeden Fall verhindern, dass sich so etwas wiederholt“, sagt Autoprofessor Stefan Brazel, der das Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach leitet. VW sagte damals zu, mindestens sechs Jahre weiter mit Prevent zusammenzuarbeiten, um das Kriegsbeil zu begraben. Im Gegenzug durften die Wolfsburger sich einen weiteren Lieferanten für Getriebe-Gussteile suchen.

Was genau die Hastor-Gruppe mit Grammer vorhat, liegt im Dunkeln. Ihre Vertreter äußern sich nur selten öffentlich. Die Bosnier hielten zuletzt über die Investmentfirmen Cascade und Halog mehr als 20 Prozent an dem Hersteller von Kopfstützen, Armlehnen und Mittelkonsolen. Ziel sei, die Profitabilität zu steigern, sagte ein Insider des weit verzweigten Firmenimperiums der Nachrichtenagentur Reuters. „Bei der Rendite von Grammer hapert es.“

Das Hastor-Firmenimperium

Von Jugoslawien nach Wolfsburg

Prevent hat seine Wurzeln 1952 in einer Sattlerei in Sloveni Grad im ehemaligen Jugoslawien, wie die Unternehmensberatung Oaklins mitteilte. 1976 wurde VW dort Kunde für Sitzbezüge. 1992 zog Prevent nach Wolfsburg um. Inzwischen gehören etwa drei Dutzend Firmen mit annähernd 12.000 Mitarbeitern rund um den Globus zum Firmengeflecht des Ingenieurs Nijaz Hastor und seiner Söhne Kenan und Damir.

Car Trim und ES Automobilguss

Oaklins war bei der Übernahme der beiden sächsischen Autozulieferer Car Trim und ES Automobilguss im Jahr 2015 beteiligt. Die Unternehmen bauen in Deutschland, Tschechien und Bosnien Getriebeteile, Sitze und Innenausstattung für VW, Audi, Porsche und andere Hersteller. 2016 machten die Unternehmen mit einer spektakulären Auseinandersetzung mit Volkswagen Schlagzeilen.

Keiper, TWB, Grammer

Ebenfalls 2015 kaufte Prevent auch das Südamerika-Geschäft des Sitzherstellers Keiper. Zu Prevent gehört auch das TWB Presswerk in Hagen mit etwa 500 Stellen. Der bayerische Autozulieferer Grammer, bei dem die Familie jetzt mit 20 Prozent größter Aktionär ist und die Kontrolle übernehmen will, wäre mit 12.000 Mitarbeitern und rund 1,6 Milliarden Euro Umsatz der weitaus dickste Brocken im Firmengeflecht.

Wössner, Gepade, Alno

Den Möbellieferanten Wössner in Sulz am Neckar kaufte Prevent 2016 – inzwischen wurde die Produktion nach Bosnien verlagert. Der westfälische Möbelhersteller Gepade hatte kurz nach der Übernahme durch Prevent Insolvenz angemeldet. Inzwischen ist Prevent auch größter Aktionär beim kriselnden schwäbischen Küchenhersteller Alno.

Unsichtbarer Investor

Öffentlich tritt Hastor selten auf. Selbst die Hastor-Stiftung für Nachwuchstalente in Sarajevo zeigt den Stifter nicht.

Quelle: dpa

Zuletzt erwirtschaftete die Firma eine operative Marge von 4,9 Prozent. Damit rangiert Grammer nach Ansicht von Prevent hinter vergleichbaren Unternehmen.

Die Bayern selbst halten dagegen, die vergleichbare Konkurrenz komme im Schnitt lediglich auf 4,7 Prozent. Der Prevent-Insider verwies etwa auf den Zulieferer Dräxlmaier, der Renditen um die sieben Prozent erziele. Das Unternehmen aus Vilsbiburg selbst macht dazu keine Angaben. Grammer peilt eine Marge in dieser Höhe bis 2021 an. Zum Vergleich: Der Dax-Konzern Continental erzielt mehr als zehn Prozent Rendite.

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