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16.01.2007

19:09 Uhr

Sicherheitsmängel

Untersuchungsbericht setzt BP unter Druck

VonDirk Heilmann und Sönke Iwersen

Das einst glänzende Image des britischen Ölkonzerns BP bekommt weitere Kratzer. Die Untersuchungskommission des ehemaligen US-Außenministers James Baker wirft BP in ihrem am Dienstag veröffentlichten Bericht schwere Sicherheitsmängel in den US-Raffinerien des Konzerns vor.

Bei der Explosion in der BP-Raffinerie in Texas kamen 2005 15 Menschen ums Leben. Foto: AP

Bei der Explosion in der BP-Raffinerie in Texas kamen 2005 15 Menschen ums Leben. Foto: AP

LONDON. Die 374 Seiten umfassende Studie wirft lange Schatten auf das Lebenswerk des Vorstandschefs John Browne. Er hatte sich in den letzten Jahren bemüht, dem Konzern einen ökologischen Anstrich zu geben. Bereits am Freitag kündigte Browne an, Ende Juli, eineinhalb Jahre früher als geplant, aus dem Amt zu scheiden. BP erklärte, man werde die Empfehlungen der Kommission rasch umsetzen.

Die Kommission begann ihre Arbeit nach der Explosion in der BP-Raffinerie in Texas City am 23. März 2005. Dabei gab es 15 Tote und viele Verletzte. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass alle fünf US-Raffinerien „dieselben Schwächen hinsichtlich der Prozesssicherheit teilen ... Das Panel fand einen Mangel an Disziplin und eine apathische Haltung gegenüber ernsthaften Sicherheitsrisiken.“ Außerdem sei in dem Konzern ein schädliches Kurzfristdenken vorherrschend.

Für die Mängel macht der Bericht auch die BP-Führung verantwortlich. Sie habe nicht immer dafür gesorgt, dass genug Geld und Personal eingesetzt wurden, um hohe Sicherheitsstandards zu gewährleisten. Für die Prozesssicherheit sei zwar die Führung vor Ort direkt verantwortlich, der Vorstand habe aber nicht dafür gesorgt, dass sie ihre Verantwortung wahrnehme, heißt es in dem Bericht.

Die Kommission empfiehlt deshalb, dass der Vorstand künftig eine „Sicherheitskultur“ vorleben solle. BP erklärte, in den USA seien bereits neue Führungskräfte im Amt. BP werde die Investitionen in die Modernisierung der Raffinerien erhöhen.

BP war im vergangenen Jahr auch wegen Sicherheitsmängel in Alaska unter Beschuss geraten. Im März 2006 kam es in Prudhoe Bay, dem größten Ölfeld der USA, zum schwersten Leitungsunglück in der Geschichte Alaskas. Mehr als 800 000 Liter Öl flossen aus. Grund waren verrostete Rohre. Wie die Baker-Kommission fordert auch der Explorations- und Produktionschef Tony Hayward, der am 1. August Brownes Nachfolge antreten wird, Veränderungen des Spitzenmanagements. „Wir haben einen Führungsstil, der zu sehr auf Weisungen beruht und zu wenig auf Zuhören“, sagte er. Die Kommission berichtet von einem langjährigen Misstrauen zwischen Führung und Belegschaft in der Raffinerie in Texas. Viele befragte Mitarbeiter hätten gesagt, bei BP gehe Profit vor Sicherheit.

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