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21.08.2015

20:42 Uhr

Siegeszug der Pick-ups

Riesen-Erfolg ohne die Deutschen

VonLukas Bay

Pick-ups sind in Deutschland Exoten, doch weltweit eine Erfolgsgeschichte. Warum die Autobauer aus den USA und Japan weltweit den Ton angeben – und die „Hühnersteuer“ deutschen Herstellern keine Chance lässt.

Das beliebteste Modell der Amerikaner. obs

Ford F-150 Raptor

Das beliebteste Modell der Amerikaner.

DüsseldorfWährend in Europa über CO2-Einsparungen und kleine Elektro-Flitzer debattiert wird, sieht die automobile Realität international ganz anders aus. In den meisten Weltregionen regiert nicht der sparsame Kleinwagen, noch nicht mal der luxuriöse SUV. Hier verkaufen sich vor allem Fahrzeuge mit viel Ladefläche und hoher Motorisierung – die Pick-ups. Autos, die schon durch ihre schiere Größe wie aus der Zeit gefallen wirken. In Deutschland sind die schweren Jungs, die traditionell dem Nutzfahrzeugbereich zugerechnet werden, eine Randnotiz in der Zulassungsstatistik. In vielen Wachstumsmärkten sind Pickups dagegen der mit Abstand beliebteste Fahrzeugtyp, vor allem in Südamerika und Südostasien. Aber nicht nur.

Im wichtigen US-Markt regieren die schweren Pick-ups aus heimischer Produktion seit Jahrzehnten die Zulassungsstatistik: Der F-150 von Ford, gerade neu aufgelegt, war im Jahr 2014 mit 754.000 Zulassungen erneut das beliebteste Modell der Amerikaner, dahinter folgten der Chevrolet Silverado und der Dodge Ram. Ein V8-Motor und eine breite Ladefläche gehören insbesondere im Mittleren Westen zum guten Ton. Ausländische Fabrikate haben im wachsenden US-Automarkt keine Chance, die Phalanx der Pick-ups zu durchbrechen. Deutsche Fabrikate sucht man in dem Segment vergeblich.

Ford F-150 : Wie das Land, so das Auto

Ford F-150

Wie das Land, so das Auto

Modern und rückständig zugleich, innovativ und rustikal und vor allem riesig: Der neue Ford F-150 ist ein Spiegelbild seiner Heimat Amerika - ein faszinierender Pick-Up, aus dem man gar nicht mehr aussteigen möchte.

Das liegt nicht alleine am Patriotismus der Amerikaner. „Man müsste derzeit schon vor Ort produzieren, damit sich ein eigener Pick-up in den USA lohnt“, heißt es aus dem Umfeld von Volkswagen. Grund dafür ist eine skurrile Importsteuer aus den 1960er-Jahren. Als Reaktion auf eine deutsch-französische Importsteuer führten die Amerikaner im Jahr 1963 die so genannte „Chicken Tax“ („Hühnersteuer“) ein – und erhoben 25 Prozent Zoll auf importierte ausländische Agrarprodukte. Und zu denen zählen bis heute auch leichte Nutzfahrzeuge.

Durch diese Sonderbelastung sind ausländische Fabrikate ein gutes Stück teurer als die Modelle von Ford und GM – und deshalb unattraktiv. Nur wer lokal produziert und über den Preis konkurriert, hat derzeit überhaupt eine Chance. Toyota und Nissan versuchen sich mit eigenen Pick-ups im Markt zu behaupten und haben eigene Produktionen aufgebaut, um die „Hühnersteuer“ zu umgehen. Zusammen erreichen beide einen Marktanteil im Segment von unter 20 Prozent. Toyota baut in Nordamerika den Tacoma und den Tundra in Texas und Mexiko. Nissan setzt auf den Frontier und den Titan. Allen anderen Herstellern bleibt nur die Hoffnung, dass die „Hühnersteuer“ durch das Handelsabkommen TTIP mit den USA gekippt werden könnte. Erst dann wäre auch der Weg für deutsche Pick-ups frei.

Vorerst bleiben den deutschen Herstellern derzeit nur die Schwellenländer. Überraschend kündigte Daimler zuletzt an, einen eigenen Pick-up auf den Markt bringen zu wollen. Der neue Lastenesel aus Untertürkheim soll auf der technischen Basis des Nissan Navara basieren und 2017 auf den Markt kommen. Erste Testläufe in Australien habe man bereits gestartet. Gebaut wird der große Benz allerdings wohl im Nissan-Werk nahe Barcelona, wo auch der Navara vom Band läuft. In Südamerika haben sich die Schwaben für Cordoba in Argentinien entschieden. Die Absatzziele sind ambitioniert. Gemeinsam wollen Nissan und Mercedes in Europa 120.000 Pickups bauen, in Südamerika sollen es 80.000 Fahrzeuge sein. Auch bei Daimler scheint das Vertrauen in die schweren Jungs gewachsen zu sein.

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