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04.05.2017

10:19 Uhr

Siemens auf Wachstumskurs

Kaesers Flotte nimmt weiter Fahrt auf

VonAxel Höpner

Siemens ist im abgelaufenen Quartal unerwartet stark gewachsen. Der Industriekonzern blickt nun ein wenig optimistischer auf das Gesamtjahr. Das gibt Siemens-Chef Joe Kaeser Rückenwind für seine Umbaupläne.

Der Siemens-Chef bestätigt die Prognose für das Gesamtjahr. dpa

Joe Kaeser

Der Siemens-Chef bestätigt die Prognose für das Gesamtjahr.

MünchenSiemens-Chef Joe Kaeser will aus dem lange Zeit eher schwerfälligen Tanker einen agilen Flottenverband machen. Bislang kommt die Transformation gut voran: In den vergangenen Monaten nahm die Siemens-Flotte weiter an Fahrt auf.

Der Umsatz wuchs im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2016/17 um sechs Prozent auf 20,2 Milliarden Euro. Auf vergleichbarer Basis war dies immerhin ein Plus von fünf Prozent. Das operative Ergebnis der Industriegeschäfte verbesserte sich um 18 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Dies entsprach einer Umsatzrendite von 12,1 Prozent. „Wir haben wiederum eine starke Teamleistung gezeigt und uns erneut besser entwickelt als die Märkte“, sagte Konzernchef Joe Kaeser.

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Das Umfeld hat sich für die gesamte Branche zuletzt aufgehellt. So vermeldete der Erzrivale General Electric für das Quartal einen Umsatz von 27,7 Milliarden Dollar. Bereinigt man die Zahlen um Währungs- und Portfolioeffekte, bedeutet dies laut GE ein organisches Wachstum von sieben Prozent. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Umsatz von 26,4 Milliarden Dollar gerechnet. Zum Vergleich: Bei Siemens lag das Wachstum von Januar bis März organisch bei fünf Prozent.

Auch der lange Jahre eher wachstumsschwache ABB-Konzern konnte ordentliche Zahlen vermelden. Zwar sanken die Erlöse auf Dollarbasis leicht auf 7,8 Milliarden Dollar. Bereinigt entsprach dies aber einem Zuwachs von drei Prozent. „Der Anspruch ist, nun weiter organisch zu wachsen“, kündigte ABB-Chef Ulrich Spiesshofer im Gespräch mit dem Handelsblatt. In einem vollen Geschäftsjahr war dies ABB zuletzt 2014 gelungen.

Noch wichtiger sind für die Infrastrukturanbieter die Auftragseingänge, also die Umsätze von morgen. Siemens verbuchte hier zwar auf vergleichbarer Basis nur einen Zuwachs von einem Prozent auf 22,6 Milliarden Euro. Allerdings entfiel auf den Vorjahreszeitraum unter andere, ein Großauftrag aus Ägypten von anteilig 3,1 Milliarden Euro.

Was mal alles Siemens war

Ein Konzern im steten Wandel

Was hat Siemens nicht schon alles hergestellt. Telefone, Computer, Halbleiter oder Geldautomaten. Der Konzern, 1847 als Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske in Berlin gegründet, hat sich seither gründlich und stetig gewandelt. Geschäfte kamen hinzu, andere verschwanden. Die Liste prominenter Abgänge ist lang. Eine Auswahl früherer Siemens-Geschäfte.

Halbleiter

Die heftigen Turbulenzen auf dem Markt veranlasste Siemens, das Geschäft abzuspalten - der Halbleiterhersteller Infineon wurde 1999 an die Börse geschickt.

Telekommunikation

Zwar war Siemens als Telegraphen-Hersteller gegründet worden, doch der rasche Wandel auf dem Telefonmarkt überforderte den Konzern. Lange bevor Nokia den Anschluss an Apple auf dem Handymarkt verlor, musste Siemens Mobile trotz zunächst großer Erfolge einst Nokia ziehen lassen. Das Geschäft mit Mobiltelefonen gab Siemens 2005 an den BenQ-Konzern ab. Nur wenig später musste der die Produktion einstellen. Das Geschäft mit schnurlosen Telefonen für daheim verkaufte Siemens 2008 an Arques.

Netzwerke

Auch das Ausrüstungsgeschäft für Netzwerke trennte Siemens heraus und brachte das Geschäft 2007 in eine gemeinsame Firma mit Nokia unter dem Namen NSN ein.

Computer

Unter dem Namen Siemens Nixdorf baute Siemens einst nicht nur Geldautomaten, sondern auch Computer. Diesen Teil brachte Siemens in ein Joint Venture mit dem japanischen Hersteller Fujitsu ein und zog sich 2009 daraus zurück. Die Sparte mit Kassensystemen und Geldautomaten wurde zehn Jahre zuvor an Investoren verkauft und wurde 1999 als Wincor Nixdorf weiter geführt und an die Börse gebracht.

Auto

Wechselvoll ist auch die Geschichte, die Siemens als Autozulieferer erlebt hat. So hat der Konzern 2001 den Zulieferer VDO übernommen und mit dem eigenen Autogeschäft zusammengeführt. Nach einer Ein- und wieder Ausgliederung sollte VDO eigentlich an die Börse gebracht werden, ging aber dann 2007 im Wege eines Verkaufs an den Autozulieferer Continental.

Licht

Osram ist das jüngste Beispiel für ein Modell der Trennung. Das traditionsreiche Licht-Unternehmen gehörte lange zu Siemens. Angesichts milliardenschwerer Herausforderungen, etwa für die Entwicklung neuer Produkte nach dem Aus für die Glühbirne, wollte Siemens die Tochter mit einem Börsengang in die Freiheit entlassen - und dafür Milliarden einsammeln. Das klappte nicht, stattdessen buchte Siemens seinen Aktionären Osram-Aktien ins Depot, ein Börsengang light sozusagen. Seit 2013 ist Osram selbstständig.

Bei ABB waren die neuen Bestellungen auf Dollarbasis um neun Prozent auf 8,4 Milliarden Dollar gesunken. Auf vergleichbarer Basis blieb noch ein kleines Minus von drei Prozent. GE konnte die Auftragseingänge auf organischer Basis dagegen um sieben Prozent auf 25,7 Milliarden Dollar steigern. Vor allem das Service-Geschäft und die Digitalumsätze wuchsen deutlich.

Auch bei der Profitabilität machte Siemens in fast allen Geschäften Fortschritte. Nur die kriselnde Division Prozessindustrie und Antriebe, die unter den niedrigen Ölpreisen leidet, verfehlte die Renditevorgaben der Konzernführung. Der Nettogewinn stagnierte bei 1,5 Milliarden Euro. Siemens begründete dies unter anderem mit einer niedrigeren Steuerquote.

Kommentare (1)

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Herr Marc Hofmann

04.05.2017, 08:30 Uhr

Kaesers Flotte...er hat das Familienunternehmen Siemens endgültig in eine entwurzelte Holding der globalen Investoren und Finanzmafia verwandelt. Siemens und seine Invotionskraft der Deutschen Kultur eines Familienzusammenhalt / Aufopferung und Freiheit ist schon längst nicht mehr gegeben. Siemens war mal eine DEUTSCHES und damit Innovatives Familienunternehmen...heute ist Siemens nur noch ein Spielball einer Finanz- und Wirtschaftholding Interessensgruppe.

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