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10.02.2014

06:59 Uhr

Siemens-Chef

Joe Kaeser bekennt sich zum Atom-Ausstieg

Siemens-Chef Joe Kaeser hat ein Problem mit Atommüll. Eine „moderne und verantwortungsvolle Gesellschaft“ könne den nachfolgenden Generationen nicht „ungeklärte Endlagerungsrisiken für viele Jahrhunderte hinterlassen“.

„Mangelnde Umsicht im Umgang mit Steuergeldern“: Siemens-Chef Kaeser kritisiert die Milliardeninvestitionen in die Stromerzeugung. ap

„Mangelnde Umsicht im Umgang mit Steuergeldern“: Siemens-Chef Kaeser kritisiert die Milliardeninvestitionen in die Stromerzeugung.

StraubingSiemens-Chef Joe Kaeser hat sich zum Atomausstieg bekannt. Zur Begründung verwies Kaeser im Gespräch mit der Mediengruppe „Straubinger Tagblatt“/„Landshuter Zeitung“ vor allem auf die Probleme mit dem Atommüll. Eine „moderne und verantwortungsvolle Gesellschaft“ könne den Nachfolgegenerationen nicht „ungeklärte Endlagerungsrisiken für viele Jahrhunderte hinterlassen“, sagte Kaeser. „Man muss vielmehr in der eigenen Generation den Anspruch haben, den selbst erzeugten Müll auch gefahrlos zu beseitigen“.

Kaeser kritisierte die aktuellen Milliardeninvestitionen in die Stromproduktion als „mangelnde Umsicht im Umgang mit Steuergeldern“. 2013 seien für subventionierte Stromlieferungen in Deutschland etwa 23 Milliarden Euro ausgezahlt worden.

Der Marktpreis dieses Stromes habe aber bei nur rund drei Milliarden Euro gelegen. Das laufe auf 20 Milliarden Euro in einem Jahr und hochgerechnet 400 Milliarden Euro in 20 Jahren hinaus – „eine horrende Summe“. Die „Zeche der Energiewende“ müssten „überwiegend die Verbraucher in den Haushalten zahlen“, sagte Kaeser.

Von

afp

Kommentare (5)

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holger29

10.02.2014, 08:24 Uhr

Das sind recht opportunistische an die Stimmungslage Deutschlands angepasste Aussagen.

Siemens hat sich seinen staatsnahen Auftraggebern angepasst was für ein Unternehmen ratsam ist.

Siemens hat den Bereich KWU Kernkraft vor mehr als 10 Jahren an Framatome, heute AREVA verkauft. Heute ist Siemens ein bedeutender Hersteller von Windmühlen.

Siemens ist ein bedeutender Hersteller von Kohle- und Erdgaskrafwerken und Komponenten.

Ein groses Kernkraftwerk hinterlässt jährlich ca. 25to hochradoaktiven, abgebrannten Kernbrennstoff. Durch Wideraufbreitung lässt sich diese Menge auf ca. 1 to reduzieren. Beim Abbruch eines Kernkraftwerks müssen je nach Definition ca. 3000to Stahl und Beton als Leicht- und Mittelradioaktiver Abfall entsorgt werden.

Wenn man ein grosses Kohlekraftwerk in Vergleich setzt, ca. 4 Mio. to Kohle jährlich entspricht dies ca. 400000to Aschen und Filterstäuben die toxische und mehr radiotoxische Komponenten enthalten als der radioaktive Abfall eines KKW.

Wenn man dies mit umweltschädlichen Windmühlen vergleicht, ca. 21000 Windmühlen a 1 MW über 60 Jahre Betriebszeit eines KKW, so liegt die Abfallmenge und die Menge an Sondermüll, Transformatorenöle, Schwermetallhaltige Abfälle auch hier bei einem Vieltausendfachen. Die toxischen Abfälle werden ohne öffentliches Aufsehen im Salztock von Herfa-Neurode entsorgt.

Insgesamt hat Herr Kaeser die übliche Darstellung Deutscher Medien übernommen, wo man die Abfälle umweltfreundlicher Kenkraftwerke völlig überzeichnet und die Abfälle anderer insbesondere "ökologischer" Methoden zur Stromerzeugung gänzlich ausblendet.

In Deutschland ist es häufig, dass Unternehmer und Manager die im Kerngeschäft vor Herausforderungen stehen dies durch politische Wohlfühl- und Wohlverhaltensaussagen zu kompensieren suchen. Bei solchen Aktien sollte man ein wenig vorsichtig sein.

Account gelöscht!

10.02.2014, 08:53 Uhr

"Eine "moderne und verantwortungsvolle Gesellschaft" könne den Nachfolgegenerationen nicht "ungeklärte Endlagerungsrisiken für viele Jahrhunderte hinterlassen", sagte Kaeser."

Immer wieder wird dieser Unsinn gesagt und geschrieben. Wenn dieser Satz richtig wäre, müssten wir unsere chemische Industrtie und einen Teil der medizinischen Versorgung einstellen: Wir haben in Deutschland (z.B. Herfa-Neurode) schon jetzt hundert mal mehr chemischen Giftmüll endgelagert als wir jemals Atommüll produzieren werden.

Zweitens muss man "Atommüll" gar nicht endlagern. Schon heute kann man ihn wiederaufbereiten. Das ist zwar noch teuer, aber die Weiterentwicklung solcher Technologien wird dazu führen, dass "Atommüll" ein wertvoller Rohstoff ein wird - ganz normales Recyling halt. Batterien sind auch giftig, das heißt doch noch lange nicht, dass man keine Batterien mehr herstellen sollte und dass man sie nicht recyclen kann. Man muss es nur professionell machen.




Ideologiefeind

10.02.2014, 08:55 Uhr

Was will uns Kaeser mit Ihrem Bericht eigentlich sagen? Nun er bekennt sich zum Atomausstieg, obwohl Siemens auch Nutznießer von Subventionen für Atomstrom war. Ein Umdenken ist ja nicht verwerflich. Aber wenn ein Industrielenker in dieser Position die derzeitige Situation so kritisiert, hätte ich mir da den einen oder anderen Änderungsvorschlag vorgestellt.

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