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27.01.2015

15:23 Uhr

Siemens-Chef Kaeser unter Druck

„Das hat schon eine pikante Note“

Für die Aktionäre von Siemens hatte Konzernchef Kaeser am Tag der Hauptversammlung keine guten Nachrichten: Der Quartalsgewinn ist eingebrochen. Nicht nur deswegen gingen die Anleger mit ihm scharf ins Gericht.

Hauptversammlung bei Siemens

Druck auf Kaeser wächst

Hauptversammlung bei Siemens: Druck auf Kaeser wächst

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München/DüsseldorfNoch nie hat Siemens so viel Geld für eine Übernahme ausgegeben wie für Dresser-Rand. Wenn der Deal in den nächsten Monaten über die Bühne geht, wird der Kauf des Ausrüsters für Öl- und Gasfirmen die Münchner mehr als sechs Milliarden Euro gekostet haben.

Konzernchef Joe Kaeser will mit dem Deal Siemens' Energiegeschäft vor allem in den USA stärken. Doch nur wenige Wochen nach Abschluss der Verhandlungen werden die Kritiker immer lauter. Auch auf der Hauptversammlung in München am heutigen Dienstag.

Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment, einer der großen Aktionäre bei Siemens, lobt Kaeser zwar als „richtigen Mann zur richtigen Zeit“, kritisiert aber den Preis für Dresser-Rand von rund sechs Milliarden Euro als zu hoch. Kaeser hatte sich um Dresser-Rand ein Rennen mit seinem Vorgänger, Ex-Siemens-Chef Peter Löscher, der inzwischen Chef des Verwaltungsrat des Industriekonzern Sulzer ist, geliefert. „Ein Bietergefecht mit ihrem Vorgänger Herrn Löscher, das hat schon eine pikante Note“, sagte Speich laut Redemanuskript.

Die Ära Löscher: Wie sich Siemens verändert hat (Teil 1)

Abgang

Peter Löscher war der erste Siemens-Boss, der von außen kam. Schon zu seinem Amtsantritt warnten Aktionärsschützer, es werde dem Manager schwerfallen, eine Hausmacht in dem komplexen Konzern aufzubauen. Doch seine Erfolge überdeckten alle Zweifel - zumindest in der ersten Halbzeit. Deutlich vor seinem Vertragsende 2017 musste der Fußballfan Löscher im Jahr 2013 vom Platz.

Quelle: dpa

Seine Aufgabe

Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Crommee präsentierte 2007 überraschend den in Deutschland unbekannten Pharmamanager Peter Löscher als Nachfolger von Klaus Kleinfeld. Löscher beginnt seinen Job am 1. Juli 2007. Vor allem muss er die milliardenteure Schmiergeldaffäre in den Griff bekommen. Dabei geht es um eine Reihe von Korruptionsvorwürfen, die seit 2006 rund um schwarze Kassen in dreistelliger Millionenhöhe von der Staatsanwaltschaft aufgedeckt worden waren.

Eine neue Struktur

5. Oktober 2007: Der neue Chef verpasst dem Konzern eine neue, schlankere Struktur, die auf den drei Säulen Infrastruktur, Energie und Gesundheit beruht. Darüber installiert er einen kleineren Vorstand.

Gewinneinbruch

30. April 2008: Löscher muss gleich für sein erstes komplettes Geschäftsjahr die Jahresprognose nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal kassieren. Am 8. Juli setzt Löscher den Rotstift an und streicht fast 17.000 Stellen im Konzern, mehr als 5.000 davon in Deutschland. Er will die Kosten um 1,2 Milliarden Euro senken.

Die Schmiergeldaffäre

15. Dezember 2008: Siemens einigt sich mit den US-Behörden auf ein Strafmaß für die Schmiergeldaffäre - damit ist der größte Brocken des Skandals aus dem Weg geräumt. Ein weiteres Jahr später einigt sich Siemens mit früheren Managern auf millionenschweren Schadenersatz für die Schmiergeldaffäre und schließt dieses Kapitel damit weitgehend ab.

Gewinnwarnung, Stellenstreichung und Rekordwerte

29. April 2009: Anders als zunächst erhofft muss Löscher angesichts ausbleibender Aufträge in der Krise doch die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr kappen.

28. Januar 2010: Nach einem überraschend guten Start ins Jahr schockt Löscher die Belegschaft mit neuen Plänen für Stellenstreichungen. 2000 Jobs in Deutschland sollen wegfallen.
11. November 2010: Löscher kann für das Geschäftsjahr 2009/2010 Rekordwerte präsentieren. Er selbst kassiert in diesem Jahr fast 9 Millionen Euro Salär.

Siemens wird umgebaut

25. Januar 2011: Auf der Hauptversammlung loben Aktionäre Löscher für den Konzernumbau und seine Politik insgesamt. Es ist vermutlich das erfreulichste Aktionärstreffen für den Manager.
29. März: Löscher baut weiter um und will einen vierten Sektor für Infrastruktur und Städte schaffen, die Lichttochter Osram soll an die Börse gebracht werden.
27. Juli: Der Aufsichtsrat von Siemens verlängert den Vertrag mit Löscher vorzeitig bis 2017 - vor allem wegen der Erfolge, die der Manager beim Umbau des Konzerns erzielt hat.
4. September: Angesichts von Turbulenzen an den Aktienmärkten verschiebt Siemens den geplanten Börsengang von Osram.

Auch Henning Gebhardt von Deutschlands größter Fondsgesellschaft DWS kritisierte Kaeser für den Deal. Die Siemens-Aktie sei auf einem guten Weg gewesen, sagte er. „Leider haben Sie mit der Akquisition von Dresser-Rand dann aber viel Kredit verspielt.“ Der Kaufpreis müsse als „strategisch“ bezeichnet werden. „Der Einstieg macht auf uns den Eindruck, als wäre er unter hohem Druck zustande gekommen.“ Wieder einmal sei der Eindruck entstanden, dass Siemens zu teuer zukaufe. „Auch wenn es für eine Beurteilung heute natürlich zu früh ist, so erscheint der Einstieg in Öl & Gas erst einmal misslungen.“

Kaeser muss sich bereits seit Wochen Kritik für den Kauf von Dresser-Rand anhören. Der Zeitpunkt der Übernahme könnte bei dem stark gefallenen Ölpreis nicht unglücklicher sein. Zu allem Überfluss musste Kaeser am Morgen der Hauptversammlung auch noch schlechte Quartalszahlen verkünden.

Siemens-Chef Kaeser

"Wir wollen das Unternehmen effektiver machen"

Siemens-Chef Kaeser: "Wir wollen das Unternehmen effektiver machen"

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„Wir können mit dem Ergebnis im vergangenen Geschäftsjahr nicht zufrieden sein“, sagte Hans-Christoph Hirt vom britischen Fondsmanager Hermes in London bei der Hauptversammlung. Siemens sei erneut unter seinen Möglichkeiten geblieben.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

27.01.2015, 15:12 Uhr

Die Energiewende in Deutschland zeigt langsam ihre hässliche Seite. Nicht nur EON, ENBW und RWE sind von dieser Energie-Planwirtschaft der Grün-Sozialistischen EEG-Merkel Politik massiv vom Stellenabbau betroffen, sondern auch Siemens. Das EEG ist ein massiver Eingriff in den Wettbewerbs-Energiemarkt in Deutschland. Das EEG fördert durch die Zwangs-EEG Abgaben die teuerest und physikalisch unmögliche Subventionierung der sog. Erneuerbaren Energien. Windmühlen, Solarparks und Biogasanlagen sind NICHT Wirtschaftlich und haben eine NEGATIVE Wertschöpfung in sich. Mit dem Ausstieg aus der Kernkraft und dem Einstieg in die Energiewende (EEG-Subventionsplansystem ala DDR). erreicht Deutschland mal wieder einen Negativen Punkt in seinen Verständnis um volkswirtschaftliche Gesamtprozesse im Bereich der Energie-Infrastruktur (Technisch wie auch Kaufmännisch). Und alle schreien weiter begeistert Hurra Dir Energiewende, Hurra dir marktfeindliches EEG, Hurra dir Stellenabbau in der deutschen Industrielandschaft....Die Revisionsarbeiten auf den Kraftwerken (Kohle, Gas und Kernkraft) war ein wesentlicher Bestandteil des erfolgreichen Siemensgeschäft. Die ideologisch politisch gewollte Energiewende mit ihrem marktfeindlichen EEG VERNICHTET nicht nur unsere Strom-Infrastruktur und treibt die Stromkosten in astronomische und unbezahlbare Höhe, sondern Vernichtet auch das Wissen und die Kunst unserer Kraftwerkstechniker/Ingeneure. Die Deutschen Industriearbeitsplätze werden mit der Energiewende/EEG aus Deutschland abwandern und massiv abgebaut werden. Das sollten die Gewerkschaften auch endlich mal zur Kenntnis nehmen....oder wollt ihr in einer Mangel und Armutsgesellschaft aufwachen, weil ihr zu spät die Einsicht hattet, das die Energiewende/EEG/Energieeinsparzwang von der (grün-sozialistischen Merkel-Lüge über den Betrug/Selbstbetrug hin zum Mangel bis zur Armut geführt hat?!

Herr Brasso Craemer

27.01.2015, 15:51 Uhr

Das nennt man auch "kreative Zerstörung".
Reine turbokapitalistiche Regel, die die grün-sozialistische Merkel anwendet. Sollten sie Aktien von RWE/ENBW/EON haben und Verluste erlitten haben, gehört das auch zum System.

Es gab schon mal Kutschenhersteller ...

Account gelöscht!

27.01.2015, 17:09 Uhr

Schon seine beiden Vorgänger zelebrierten ihren Start mit dem Rauswurf von etlichen Zigtausenden von Mitarbeitern.

Alles nötige soll man zu Begin der Amtszeit machen, heiß es. Nicht immer ist dazu eine konjunkturelle Delle nötig.

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