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25.06.2011

12:37 Uhr

Siemens-Chef Löscher

„China ist nicht mehr die Werkbank Europas“

Die deutsche Wirtschaft sieht im Geschäft mit China enorme Wachstumschancen. Im Interview erklärt Siemens-Chef Löscher, Präsident des Asien-Pazifik-Ausschusses, welche Branchen vom chinesischen Boom profitieren.

Siemens-Chef Löscher wirbt für ein neues Verhältnis zwischen Deutschland und China. Quelle: dapd

Siemens-Chef Löscher wirbt für ein neues Verhältnis zwischen Deutschland und China.

Wie sind die Aussichten für die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen? 

Löscher: China ist heute ein ganz wichtiger Handelspartner für Deutschland, der weiterhin an Bedeutung für unsere Wirtschaft gewinnt. China bleibt auf absehbare Zeit der wichtigste asiatische Markt für deutsche Unternehmen. Umgekehrt ist Deutschland für die Chinesen der wichtigste Handelspartner in Europa. Die im Frühjahr veröffentlichten Ziele des 12. Fünfjahresplanes rücken unter anderem den Ausbau der erneuerbaren Energien und den Umweltschutz in den Mittelpunkt. Darin liegen herausragende Chancen für die deutsche Wirtschaft.

Wo gab es zuletzt Fortschritte zwischen Deutschland und China, wo drückt noch der Schuh? 

Entscheidend ist, dass es einen funktionierenden Mechanismus gibt, der etwaige Probleme schnell und effizient lösen kann. Deutschland und China arbeiten hier gut zusammen, und der APA diskutiert mit chinesischen Partnern auf Augenhöhe. Wir wünschen uns von der chinesischen Regierung, dass der Prozess der Reform und Öffnung weitergeführt wird und ausländische Firmen in China die gleichen Bedingungen und Regeln vorfinden wie ihre lokalen Wettbewerber. Dazu gehören faire Regeln in der Exportfinanzierung ebenso wie auch, dass Technologietransfer unserer Firmen auf freiwilliger Ebene geschieht. Deutliche Fortschritte wurden beim Schutz des geistigen Eigentums erzielt.

Die deutsch-chinesischen Beziehungsprobleme

Geistiges Eigentum

Deutsche Unternehmen haben große Angst vor einem Technologie-Klau, wenn sie sich in China niederlassen. „Sie werden oft angehalten, ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem chinesischen Partner zu gründen und ihre Technologien offenzulegen“, klagt der Präsident des Exportverbandes BGA, Anton Börner. „Das gilt auch für die Bewerbung um öffentliche Aufträge. Auch hier müssen sich deutsche Unternehmen oft in die Karten schauen lassen.“ Die Gesetzeslage in China entspricht inzwischen zwar weitgehend internationalen Standards, doch hapert es häufig mit der Durchsetzung dieser Gesetze.

Subventionen

China macht den deutschen Unternehmen zunehmend in angestammten Feldern wie Maschinenbau und Elektrotechnik Konkurrenz. Die Volksrepublik hilft ihren Firmen, indem sie hohe Ausfallbürgschaften übernimmt und Projekte für Kunden vorfinanziert. „Zu Konditionen, die oft deutlich unter dem Marktzins liegen“, klagt BGA-Präsident Börner. „Das erfüllt ganz klar den Tatbestand der Subventionierung.“

Rohstoffe

China beschränkt seine Exporte von Rohstoffen. Unter dem Protest Deutschlands und anderer Industriestaaten wird seit Jahresbeginn die Ausfuhr der für die Technologiebranche unersetzbaren Seltenen Erden gesenkt und mit höheren Zöllen belegt - angeblich zum Schutz der Umwelt. In der Volksrepublik werden 97 Prozent der weltweiten Menge der 17 Metalle gefördert, die unter dem Begriff Seltene Erden zusammengefasst werden. Die Regierung will die Ausfuhr in der ersten Jahreshälfte 2011 um 35 Prozent drosseln und beschwört damit einen Handelsstreit herauf.

Wechselkurs

China hält den Kurs seiner Währung Yuan künstlich niedrig und verschafft sich damit Preisvorteile im internationalen Wettbewerb. Allerdings hat das Land dem Druck der Industriestaaten ein Stückchen nachgeben: Seit dem Aus für die feste Kopplung an den Dollar vor einem Jahr wurde der Yuan um mehr als 5,5 Prozent aufgewertet. China tut das auch aus eigenem Interesse, um mit der stärkeren Währungen günstiger an ausländische Rohstoffe zu kommen.

Strafzölle

China beklagt sich immer wieder über Strafzölle, die die EU-Kommission gegen Produkte aus der Volksrepublik verhängt. Erst im Dezember errang China im Streit um Strafzölle auf Schrauben und Bolzen einen Sieg bei der Welthandelsorganisation WTO. Sie missbilligte das Vorgehen der EU, die die Strafzölle für Hunderte Unternehmen um bis zu 85 Prozent nach oben geschraubt hatte und dies mit Dumping-Preisen begründet hatte.

Menschenrechte

Die Volksrepublik steht wegen Menschenrechtsverletzungen immer wieder in der Kritik. So hält sie den Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo trotz internationaler Proteste gefangen. China stützt zudem Regime wie Birma, Sudan und Nordkorea. Die EU hat seit dem Massaker am Tiananmen-Platz 1989 ein Waffen-Embargo gegen China verhängt - sehr zum Ärger der dortigen Machthaber.

Spionage

Die Bundesregierung macht China für zahlreiche Attacken auf Behördennetze verantwortlich. Von Januar bis September 2010 hat es dem Bundesamt für Verfassungsschutz zufolge 1600 Hacker-Angriffe gegeben - die meisten aus der Volksrepublik.

Hat sich die Atmosphäre der Zusammenarbeit unter dem Eindruck des wachsenden Selbstvertrauens Chinas verändert? 

Die Entwicklung der chinesischen Volkswirtschaft hat dazu geführt, dass China nicht mehr nur die verlängerte Werkbank deutscher Unternehmen ist, sondern mittlerweile auch in vielen Spitzentechnologien ein ernstzunehmender Wettbewerber geworden ist. Deutsche Unternehmen müssen sich anstrengen, ihre Wettbewerbsstärke zu halten und auszubauen. Gerade bei grünen Technologien haben deutsche Unternehmen eine gute Ausgangsposition, und der chinesische Markt bietet hier enorme Chancen für nachhaltiges Wachstum.

 

Wie beurteilen deutsche Firmen in China die dortige Wirtschaftsentwicklung selbst, das Thema Überhitzungsgefahr? 

Die chinesische Regierung agiert diesbezüglich sehr besonnen und dreht an den richtigen Stellschrauben. So wurden jüngst Maßnahmen ergriffen, um den Anstieg der Immobilienpreise zu dämpfen. Die Zentralbank hat den Leitzins in den vergangenen eineinhalb Jahren vier Mal erhöht. Auch der 12. Fünfjahresplan kann mit seinen Maßnahmen zur Steigerung der Qualität in der Industrieproduktion einen Beitrag leisten.

Kommentare (2)

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bringtunsnix

25.06.2011, 15:23 Uhr

Deutsche Unternehmen verdienen sich eine goldene Nase am Boom in Asien. Deutsche Arbeitnehmer gucken in die Röhre, weil der Wachstumsmarkt Asien nicht für Arbeitsplätze in Deutschland taugt.

Zukunft

25.06.2011, 23:30 Uhr

Glauben denn die deutschen Wirtschaftsbosse sie könnten mit
China wirklich die großen Geschäfte machen !
Die Chinesen werden sich die DAX Unternehmen vornehmen u.
diese dann selbst beherrschen .
Dann können die deutschen Manager in die Wüste gehen !
Die Chinesen werden ihr sozialistisches System anwenden .
Chinesische Arbeiter werden hier eingesetzt u. die Deutschen sind arbeitslos!
China will die wirtschaftliche u. militärische
Weltherrschaft !
Wer das nicht glaubt ,dem ist nicht zu helfen !!!

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