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08.07.2013

15:22 Uhr

Siemens-Chef Löscher

„Eine große Wegstrecke liegt noch vor uns“

Siemens will die Kosten massiv drücken – mit der Erstnotiz der Osram-Aktie am Montag kann Konzernchef Löscher die teure Trennung von der Lichttochter abschließen. Es gebe aber noch viel zu tun, sagt er im Interview.

Siemens-Chef Peter Löscher baut den Konzern um. Eine Vorgabe für den Stellenabbau gebe es nicht, betonte er. Reuters

Siemens-Chef Peter Löscher baut den Konzern um. Eine Vorgabe für den Stellenabbau gebe es nicht, betonte er.

MünchenHerr Löscher, Osram ist unabhängig. Am Montag wird die Aktie das erste Mal an der Börse notiert. Sind Sie froh, dass Sie die Lichttochter los sind?
Peter Löscher: Wir haben Osram so gestärkt, dass es ausgezeichnet ausgestattet ist, um jetzt als unabhängiges und flexibles Unternehmen auf dem dynamischen Lichtmarkt anzutreten. Und ich glaube, es ist gut, dass Osram damit den Freiraum haben wird, alle unternehmerischen Entscheidungen selbst zu treffen. Und für Siemens ist das ein konsequenter Schritt, um uns auf unser Kerngeschäft der vier Sektoren und seine Weiterentwicklung zu konzentrieren.

Aber hätte der Lichtspezialist nicht perfekt in Ihr Geschäft mit der Infrastruktur großer Städte gepasst?

Das Marktumfeld hat sich massiv verändert. Osram muss sich starken asiatischen Wettbewerbern stellen und die Herausforderungen der LED-Technik meistern. Dafür sind kurze Entscheidungswege, Eigenständigkeit und unternehmerische Verantwortung gefragt. Osram konkurriert nun nicht mehr mit anderen Siemens-Geschäftsbereichen bei der Zuteilung von Investitionsgeldern und kann sich flexibel selbst am Kapitalmarkt finanzieren.

Siemens bleibt mit weniger als 20 Prozent an Osram beteiligt. Halten Sie sich damit eine Hintertür offen?

Wir unterstreichen damit die Verbindung, die es zwischen beiden Unternehmen gibt. Siemens und Osram werden ja auch weiter geschäftliche Beziehungen haben, gerade auch mit dem Sektor Infrastructure and Cities. Aber Osram ist jetzt ein unabhängiges Unternehmen, das seine Chancen wahrnehmen kann und wird.

Siemens-Geschäftsfelder und ihre Zukunft

Energietechnik

Der Sektor hat dem Vorstand im vergangenen Jahr wohl den meisten Kummer bereitet. Siemens verpatzte den rechtzeitigen Anschluss von Windparks in der Nordsee und musste eine halbe Milliarde Euro Strafe zahlen. Zudem drückt verstärkt asiatische Konkurrenz auf den Markt für Transformatoren. Siemens reagierte auf den wachsenden Preisdruck mit dem Abbau Tausender Stellen.

Sortieranlagen

Nach Löschers Ansicht wirft das Geschäft mit Sortieranlagen für Postzentren und Flughäfen mit einer Rendite um die fünf Prozent bei Jahresumsätzen von 900 Millionen Euro zu wenig ab. Der Konzern sucht nun nach einem Käufer für das Segment, rund 3600 Mitarbeiter sind betroffen.

Wasseraufbereitung

Ein ähnliches Schicksal wie die Sortieranlagen-Sparte trifft auch die Wasseraufbereitungstechnik. Als Ausrüster von Wasserwerken setzt Siemens zwar rund eine Milliarde Euro um, unter dem Strich bleibt allerdings nur ein einstelliger Millionenbetrag hängen. Die Einheit soll verkauft werden.

Solarenergie-Technik

Der Ausflug in die Solarenergie-Technik erwies sich für die Münchner als teurer Flop. Mit dem Kauf der israelischen Solel für 418 Millionen Dollar und dem Erwerb von Anteilen an der italienischen Archimede wollte Siemens bei der solarthermischen Stromerzeugung mitmischen. Der Markt etablierte sich nie, Solel machte mehr Verlust als Umsatz. Die Anteile an Archimede hat Siemens bereits zurückgegeben, für Solel wurde ein Abnehmer gesucht.

Industriesoftware

Das Geschäft mit Computerprogrammen für die Industrie hat Siemens in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Für die Übernahme der belgischen LMS etwa zahlte der Konzern 680 Millionen Euro. Insgesamt elf solcher Softwareschmieden hat Siemens für zusammen mehr als vier Milliarden Euro gekauft.

Osram

Siemens verschenkt die große Mehrheit seiner Leuchtmittel-Tochter an die eigenen Aktionäre. Gut 80 Prozent sollen die Eigentümer behalten, der Rest bleibt bei der Mutter und deren Pensionsfonds. Siemens will in das Lampengeschäft nicht mehr investieren, Pläne für einen IPO waren gescheitert. Osram steckt selbst in der Sanierung, zunächst soll es keine Dividende geben. Zwischen 7300 und 8000 Stellen sollen weltweit abgebaut werden, einige Standorte geschlossen werden. Die Börsennotierung erfolgte Anfang Juli. Osram macht einen Jahresumsatz von gut fünf Milliarden Euro und erwartet für das laufende Geschäftsjahr wegen der Sanierungskosten Verlust.

Nokia Siemens Networks

Problem gelöst: Seinen Anteil an Nokia Siemens Networks hat der Münchner Konzern im Juli 2013 komplett an den finnischen Partner abgegeben.

Sie haben nicht nur das Kapitel Osram geschlossen, auch für das Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia, NSN, haben Sie eine Lösung gefunden. Die Finnen übernehmen den Siemens-Anteil. Die Geschichte der Kommunikationssparte bei Siemens ist damit vorbei. Zufrieden?

Die Situation bei NSN war ja über viele Jahre eine durchaus arbeitsintensive und auch strategische Herausforderung. Dass wir jetzt für dieses Geschäft die logische Heimat gefunden haben, ist für alle Beteiligten mit Sicherheit die beste Lösung.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

08.07.2013, 15:40 Uhr

Löscher ist nicht Lösung - sondern Teil des Problems von Siemens.

Hauptteil.

HofmannM

08.07.2013, 15:41 Uhr

Der Hr. Löscher hat doch Siemens erst in diese unwirtschaftliche Gesamtlage diktiert.
Er hat auf die unwirtschaftliche, weil staatlich Subventionsabhängig, Erneuerbare Energiebranche gesetzt um gleichzeitig aus den hochprofitablen Kraftwerksbau auszusteigen. Die Kernkraft ist hier nur ein Teil der Kraftwerks-Profit-Seule gewesen.
Weiterhin hat er das Compliance (Verhaltensregeln) für Siemens so stark durchgezogen, dass dem Vertriebsmanagment jegliche Luft zum weltweiten "Auftragseinsammeln" genommen worden ist.
Das sind ganz klare Unternehmsführungsfehler. Und Löscher steht als Konzernlenker ganz vorn dran!

Nachwuchs

08.07.2013, 19:15 Uhr

Kosten drücken? Endlich geht man an das Einkommen der manager und "Experten". Werden die Einkommen von diesen Personen um 50% gesenkt und zum Ersatz der Fehler verpflichtet?

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