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12.11.2015

07:53 Uhr

Siemens erreicht Renditeziel

Nur ein Steinchen in Joe Kaesers Mosaik

VonAxel Höpner

„Wir haben geliefert“, verkündet Siemens-Chef Joe Kaeser. Der Industriekonzern erreicht im abgelaufenen Geschäftsjahr gerade so das Renditeziel. Investoren fordern nun weiteres Wachstum – doch ein Sorgenkind bleibt.

Interview

Siemens-Chef: „2016 blicken wir wieder auf Wachstum“

Interview: Siemens-Chef: „2016 blicken wir wieder auf Wachstum“

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BerlinMit einem Schlussspurt hat es Joe Kaeser geschafft: Siemens hat dank eines ordentlichem vierten Quartals die Ziele für das Geschäftsjahr 2014/15 erreicht. Die operative Umsatzrendite im Industriegeschäft betrug 10,1 Prozent. Das konjunkturelle Umfeld ist aber schwierig, im vierten Quartal sanken die Erlöse vergleichbar um vier Prozent. Für das laufende Jahr verspricht Kaeser Wachstum.

Für die Zwischenbilanz seines Konzernumbaus hat sich Joe Kaeser noch einmal einen historischen Ort ausgesucht. Zur Vorlage der Bilanz 2014/15 lädt er am Donnerstag fürs vorerst letzte Mal in die Mosaikhalle in der ehemaligen Siemens-Zentrale in Berlin. Hier hatte er schon vor anderthalb Jahren seine „Vision 2020“ vorgestellt. Seither ist der Konzern im Umbaumodus. In einem Jahr aber will Kaeser weiter sein: Die Bilanz des Jahres 2015/16 wird er schon in der neuen Siemens-Zentrale präsentieren, die gerade in München gebaut wird. Auch der Umbau des Konzerns soll bis dahin einen entscheidenden Schritt weiter sein.

Das sind die größten Baustellen von Siemens

Energiesparte

Hier hat Siemens den Trend zu dezentralen Lösungen verpasst. Die Münchener ließen sich für ihre riesige Weltmeister-Gasturbine der H-Klasse feiern. Doch in Zeiten der Energiewende waren vor allem kleine Modelle gefragt, die die Konkurrenz im Portfolio hatte. Auch in Sachen Innovationskraft verlor Siemens den Anschluss. Mit teuren Akquisitionen, einem Stellenabbau und mehr Investitionen in Forschung & Entwicklung versuchen Joe Kaeser und Energievorstand Lisa Davis gegenzusteuern.

Wachstumsschwäche

Vor einer guten Dekade war Siemens doppelt so groß wie BMW. Inzwischen ist der Autobauer an dem Technologiekonzern vorbeigezogen. Das hat mehrere Gründe: Zum einen trennte sich Siemens immer wieder von Geschäftssparten, ohne im gleichen Maß zuzukaufen. Zudem war Siemens auch organisch in den meisten Jahren wachstumsschwach und fiel hinter die besten Konkurrenten zurück. Kaeser setzt auf mehr Innovationen und einen besseren Kundenzugang. Ab dem Geschäftsjahr 2016 soll Siemens schneller wachsen als die Wettbewerber.

Ertragsschwäche

Kaesers Vorgänger Peter Löscher wähnte Siemens schon in der Champions League der weltbesten Unternehmen. Doch nach einem Zwischenhoch bröckelten die Renditen wieder ab. Für das Geschäftsjahr 2014/15 hatte Kaeser eine operative Umsatzrendite von zehn Prozent im Industriegeschäft versprochen. Angesichts der Kosten für den Umbau ist das ordentlich. Doch die besten Konkurrenten wie General Electric sind in vielen Bereichen besser. Durch kürzere Hierarchiewege, eine Sanierung der renditeschwachen Bereiche und den Abbau von Stellen will Kaeser mit seiner „Vision 2020“ Boden gut machen.

Dresser-Rand

Der Kauf des US-Kompressorenherstellers für zunächst 7,6 Milliarden Dollar war einer der größten Zukäufe in der Unternehmensgeschichte. Kaeser hatte sich, auch von seinem Vorgänger Peter Löscher, in einen Bieterwettbewerb treiben lassen. Doch seit der Übernahme ist der Ölpreis drastisch gefallen, die Förderer stellen ihre Investitionen zurück. Der Kaufpreis war im Nachhinein viel zu hoch. Nun muss Kaeser auf eine Erholung der Ölpreise hoffen und Dresser-Rand wenigstens erfolgreich integrieren.

Autor: ax

Das jetzt abgelaufene Geschäftsjahr war für Siemens noch einmal ein Übergangsjahr. Das ist immerhin ordentlich gelaufen: Der Umsatz sank vergleichbar um ein Prozent auf 75,6 Milliarden Euro und war damit wie versprochen in etwa stabil. Nominal, also mit Währungseffekten und Zukäufen, bedeutete das ein Plus von sechs Prozent. Mit Spannung war vor allem erwartet worden, ob Kaeser bei der operativen Rendite das Ziel von 10 bis 11 Prozent erreicht. Im Schnitt rechneten die Analysten mit knapp unter 10 Prozent, da das Ziel nach neun Monaten noch verfehlt worden war.

Doch die Schmach, das nicht gerade überambitionierte Ziel zu verfehlen, blieb Kaeser erspart. Das vierte Quartal ist traditionell gut, zudem wurde hohe Kostendisziplin angemahnt. Das Ziel, den Nettogewinn um mindestens 15 Prozent zu steigern, war dank Veräußerungserlösen leicht zu erreichen. Der Gewinn nach Steuern legte denn auch von 5,5 auf 7,4 Milliarden Euro zu.

Kaesers wichtigste Botschaft an diesem Donnerstag lautet daher: Auf meine Prognosen ist Verlass. „Wir haben geliefert, was wir versprochen hatten“, drückte er es aus. Sein Vorgänger Peter Löscher hatte seinen Hut nehmen müssen, nachdem er gleich mehrmals die Prognosen nach unten korrigieren musste. Auch bei seinem Umbau sieht sich Kaeser im Zeitplan.

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Joe Kaeser hat bei Siemens keinen Stein auf dem anderen gelassen, doch seine Bilanz ist durchwachsen. 2016 muss er „liefern“, fordern Aktionärsvertreter. Tatsächlich gibt es inzwischen erste Lichtblicke.

Nach Analysteneinschätzung sind die Zahlen angesichts des laufenden Konzernumbaus und der Restrukturierungen nicht schlecht. Allerdings ist die Bilanz noch nicht wirklich besser als zu Zeiten von Kaesers glücklosem Vorgänger Löscher. Einmal mehr sorgten böse Überraschungen aus längst abgehakt geglaubten Geschäften im vierten Quartal für einen Einbruch: Siemens musste auf das Gemeinschaftsunternehmen Primetals, das der Konzern mit Mitsubishi betreibt, 138 Millionen Euro abschreiben.

Im laufenden Geschäftsjahr 2016 – Kaeser nennt es das „Jahr der Optimierung“ – soll der Umbau nun aber erstmals sichtbar Wirkung zeigen.

Kommentare (18)

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Herr Uwe Möller

12.11.2015, 08:58 Uhr

Sehr geehrte Verantwortliche beim Handelsblatt,

wenn ich heute morgen sehe, bei welchen Beiträgen Sie die Kommentarfunktion öffnen und welche Anzahl von Beiträgen unter verzweifelte Hilferufe der Banker zensiert wurden, dann sollten Sie endlich Haltung einnehmen und die Kommentarfunktion umfänglich und für immer einstellen. Das Bild, was Sie gegenwärtig abliefern, ist nur jämmerlich und für freie Medien unwürdig!

Herr Tom Schmidt

12.11.2015, 09:25 Uhr

Naja, ich bin über die aktuelle Situation auch nicht glücklich. Aber es sei für das Handelsblatt auch angemerkt:

Sie haben den Artikel so gebracht (der dann auch manche Reaktion ausgelöst hat! Insofern ist es unfair die Rolle als freies Medium in Frage zu stellen.

Es wurde auch ein Beitrag zensiert, der die anderen Beiträge als "Sch..." bezeichnet hat, weil die Kommentierungen sich überall nur noch um DAS andere Thema drehen. Diese Diskusionen sind zur Zeit aber manchmal wirklich aus dem Ruder gelaufen.

Es wäre schön, wenn die anderen Themen wieder öfters kommentiert werden könnten. Eine sinnvolle Moderation kostet aber eben auch Geld (ich zahle ja wenigstens etwas, bei vielen hier bin ich mir da nicht so sicher!)

Herr Tom Schmidt

12.11.2015, 09:34 Uhr

Ich finde die Rendite ist sehr gut, mir stößt dagegen die Forderungen der Fondsvertreter etwas auf: Auf jeden Fall eine Verbesserung gegenüber den Wettbewerbern? Da fehlt glaube ich so ein wenig das Gefühl für reale Arbeit. Die Fonds underperformen normalerweise ihren Vergleichsindex!

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