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16.06.2014

09:22 Uhr

Siemens gegen General Electric

Alle wollen Alstom

Im Tauziehen um Alstom steht Siemens vor einem Angebot für das französische Unternehmen. Die Chancen für den Zuschlag sind zuletzt gestiegen. Für Montagnachmittag wird die Präsentation des Angebots erwartet.

Inspektion einer Alstom-Turbine. PR

Inspektion einer Alstom-Turbine.

Düsseldorf/MünchenZunächst war die französische Regierung entsetzt: Als im April bekannt wurde, dass der Industriekonzern Alstom mit dem US-Konzern General Electric über einen Verkauf verhandelt hatte, löste das Besorgnis in Paris aus. Die Amerikaner könnten Stellen abbauen, die Bedeutung des Standorts Frankreich schmälern – und das ausgerechnet bei einem Konzern, der mit dem Schnellzug TGV ein Vorzeigeprodukt in seinen Hallen fertigt.

Die europäische Lösung kam ins Gespräch und der von der Offerte überraschte Münchener Siemens-Konzern spielte mit. Auch die Deutschen wollen Alstom für sich gewinnen. Und am Tag, an dem Siemens ein offizielles Angebot vorlegen dürfte, lehnen sich die Politiker in Paris entspannt zurück. Denn der Bieterwettkampf dürfte zu besseren Bedingungen führen – mehr Arbeitsplatzgarantieren, ein höherer Verkaufspreis und wichtige Zusagen zur Energieunabhängigkeit des Landes.

Die Schlacht um Alstom

Um wen dreht sich der Kampf?

Objekt der Begierde ist die französische Industriegruppe Alstom, deren Energiesparte Kraftwerke, Turbinen und Stromnetze baut, während die Transportsparte Züge wie den Hochgeschwindigkeitszug TGV herstellt. Konzernchef Patrick Kron will sich künftig auf das Schienengeschäft konzentrieren und daher die Energiesparte verkaufen, die für 70 Prozent des Konzernumsatzes steht.

Wer hat Interesse an Alstom?

General Electric legte Ende April nach diskret geführten Verhandlungen mit Alstom ein Angebot für die Energiesparte vor und will 12,35 Milliarden Euro zahlen. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Offerte stieg GE-Konkurrent Siemens in den Ring: Der Konzern aus München erklärte ebenfalls sein Interesse an der Alstom-Energiesparte und bot an, bei einem Geschäft seine Zugsparte - den Bau des ICE, von Straßen- und U-Bahnen - an die Franzosen abzutreten. Dann kündigte Siemens überraschend an, sich mit dem japanischen Konkurrenten Mitsubishi Heavy Industries zusammengeschlossen zu haben. Und auch Hitachi schlug sich auf Siemens' Seite.

Welches Geschäft schwebt Siemens, Mitsubishi und Hitachi vor?

Siemens möchte das Alstom-Geschäft mit Gasturbinen kaufen; Mitsubishi würde die gleiche Summe für die Alstom-Dampfturbinen hinblättern und sich zu diesem Zwecke mit dem ebenfalls japanischen Hitachi-Konzern zusammenschließen. Das Siemens Bahn-Geschäft könnte mit dem entsprechenden Bereich bei Alstom zusammengelegt werden.

Warum wagt Siemens keinen Alleingang?

Zunächst einmal hat Siemens zusammen mit Mitsubishi mehr Mittel, um gegen den US-Giganten GE anzutreten. Ein Grund könnten zudem kartellrechtliche Bedenken sein: Laut deutschen Zeitungen würde Siemens Probleme bekommen, wenn der Konzern das Stromtrassen-Segment von Alstom schluckt, denn die Deutschen gehören auf dem Gebiet bereits zu den weltweiten Marktführern.

Welche Rolle spielt die französische Regierung?

Die sozialistische Regierung reagierte sauer, als sie mitbekam, dass Alstom hinter ihrem Rücken mit General Electric verhandelt hatte. Sie trat sofort auf die Bremse und machte sich für einen Deal zwischen Alstom und Siemens stark, Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg warb offen für eine europäische Lösung.

Inzwischen beteuert die Regierung, sie habe was die Konkurrenten im Bieterkampf angeht „keine Präferenz“. Sie will aber möglichst viele Zugeständnisse bei Arbeitsplätzen, Standorten und Unabhängigkeit bei der Energieversorgung erhalten. Inzwischen hat sich Paris per Dekret ein Veto-Recht bei ausländischen Investitionen in Frankreich etwa in den Branchen Energie und Transport gesichert.

„Die Allianz von Mitsubishi mit Siemens verbessert Siemens' Angebot“, sagte Frankreichs Finanzminister Michel Sapin am Sonntag den Sendern Europe 1 und iTele. „Ich glaube, dass GE die eigene Offerte ebenfalls nachbessert.“ Sapin betonte, keine Präferenz für einen der Bieter zu haben. Jedoch werde sich Frankreich für den Erhalt von Arbeitsplätzen einsetzen. „Wir werden nicht (für Alstom) entscheiden, aber wir werden unseren Einfluss nutzen“, machte Sapin deutlich.

Die Aufsichtsräte von Siemens hatten am Sonntagabend über die von Vorstandschef Joe Kaeser zusammen mit Mitsubishi Heavy Industries und dessem Verbündeten Hitachi ausgearbeitete Alstom-Offerte beraten. Ergebnisse wurden zunächst nicht mitgeteilt. Kaeser werde der Alstom-Führungsspitze seine Pläne am Nachmittag präsentieren, hieß es von mehreren mit dem Vorgang vertrauten Personen. Im Anschluss daran werde die Offerte der Öffentlichkeit präsentiert. Es gilt als unwahrscheinlich, dass der Aufsichtsrat dem erst seit Mitte vergangenen Jahres amtierenden Kaeser die Gefolgschaft verweigert hat.

Der Verwaltungsrat von Mitsubishi wollte sich am Wochenende ebenfalls damit beschäftigen. Man prüfe „mehrere Möglichkeiten“ bezüglich einer Teilübernahme, erklärten die Japaner am Montag. Entschieden sei zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch noch nichts. „Das Angebot wird finanziell attraktiver sein als das von GE, alles andere würde auch keinen Sinn machen“, hatte die Nachrichtenagentur Reuters am Freitag von einem Siemens nahestehenden Insider erfahren.

Kommentare (1)

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16.06.2014, 09:09 Uhr

Zitat : Alle wollen Alstom

- wer will denn einen bankrotten Laden ? Wer sind diese "ALLE" ?

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