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28.01.2014

13:23 Uhr

Siemens-Hauptversammlung

Cromme verspricht geordnete Nachfolgersuche

Siemens-Chefaufseher Gerhard Cromme sichert den Aktionären eine frühzeitige Nachfolgesuche zu. Der 71-Jährige steht unter Druck von Aktionärsvertretern, nicht bis zum Ende seiner Amtszeit den Konzern zu kontrollieren.

Siemens-Hauptversammlung

Erwartungen an Joe Kaeser sind gigantisch

Siemens-Hauptversammlung: Erwartungen an Joe Kaeser sind gigantisch

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MünchenSiemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hat den Aktionären des Elektrokonzerns eine frühzeitige Nachfolgeplanung zugesichert und will damit entsprechenden Forderungen von Investoren entgegenkommen. „Bei der Nachfolgeplanung und -umsetzung im Aufsichtsrat werden wir sicherstellen, dass wir die Prozesse frühzeitig einleiten und eine Balance zwischen Kontinuität und Wechsel wahren“, sagte Cromme am Dienstag auf der Hauptversammlung in München. Dabei stehe einzig das Interesse von Siemens im Vordergrund.

In den vergangenen Tagen hatten wichtige Investoren Cromme aufgefordert, einen Wechsel an der Spitze des Kontrollgremiums zügig auf den Weg zu bringen. Cromme wird im Februar 71 Jahre alt, war aber erst im vergangenen Jahr für fünf weitere Jahre bis 2018 wiedergewählt worden. Nachdem der Manager 2013 den Aufsichtsratsvorsitz beim krisengeschüttelten Stahlkonzern ThyssenKrupp niedergelegt hatte, gab es Spekulationen über einen Rückzug auch bei Siemens.

Stärken und Schwächen von Siemens

Stärke 1

Dividendenstärke

Seit einigen Jahren gilt bei Siemens das Ziel, einen Anteil von 40 bis 60 Prozent des Gewinns nach Steuern auszuschütten, deutlich mehr als früher. Für 2013 gab es wieder eine Dividende auf dem Rekordniveau von drei Euro. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von 57 Prozent.

Stärke 2

Aufträge

Der Auftragseingang, also die Umsätze von morgen, legte im abgelaufenen Geschäftsjahr um acht Prozent auf 82,4 Milliarden Euro zu.

Stärke 3

Ertragsperlen

Die Medizintechnik, der kleinste der vier Siemens-Sektoren, glänzte im vergangenen Geschäftsjahr nicht nur mit der höchsten operativen Umsatzrendite. Auch in absoluten Zahlen lieferte die Medizintechnik mit einem operativen Ergebnis (Ebitda) von zwei Milliarden Euro den höchsten Gewinnbeitrag.

Schwäche 1

Abhängigkeit von Europa

Was in Boomzeiten ein Vorteil ist, wird zum Nachteil, wenn die Konjunktur lahmt – die starke Position von Siemens in Europa. In Südeuropa etwa können die Schuldenstaaten derzeit nur noch wenige große Infrastrukturprojekte anstoßen. Das bekommt auch Siemens zu spüren.

Schwäche 2

Fehlende Innovationskraft

Es gibt Zweifel an der Innovationskraft von Siemens – trotz 60.000 neuen Patenten im Jahr. Denn der Konzern erzielte zuletzt mit seinen Geschäften nur eine Bruttomarge von 27,4 Prozent. Nach Einschätzung von Konzernchef Joe Kaeser ist dies ein Anzeichen dafür, dass Siemens mit seinen Produkten nicht die Preise erzielen kann, die man gerne hätte. Die Produkte sind womöglich nicht immer innovativ genug.

Schwäche 3

Sonderlasten

Vor allem schlecht gemanagte Großprojekte verhageln dem Konzern seit Jahrzehnten die Ergebnisse. 2013 war es besonders arg. Die anhaltenden Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz auf dem Festland, die verspätete Auslieferung von ICE-Zügen, der Ausstieg aus dem Solargeschäft und andere Pannen verursachten im Konzern fast 900 Millionen Euro an Sonderaufwendungen.

Die Aktionäre von Siemens forderten vom neuen Vorstandschef Joe Kaeser eine weitreichende Strategie für die Zukunft des Technologiekonzerns. „Wir hoffen, dass Siemens im Mai sehr viel mehr einfällt, als nur Aktienrückkaufprogramme“, klagte Fondsmanager Henning Gebhardt von DWS. Im Frühjahr will Kaeser seine Vorstellungen präsentieren, wie Siemens künftig im Konkurrenzkampf bestehen soll. „Jetzt müssen die Kräfte gebündelt werden, um unter Führung von Herrn Kaeser den Anschluss zum Wettbewerb wiederherzustellen“, flehte Gebhardt. „Dadurch, dass Sie Herr Kaeser sich bei der Formulierung dieses Planes soviel Zeit gelassen haben, erwarten wir Investoren jetzt auch den großen Wurf.“

Aktionärsvertreterin Daniela Bergdolt will Kaeser zwar seine Zeit gewähren. „Aber dann muss schon etwas Ordentliches kommen“, verlangte sie. Fondsmanager Ingo Speich zeigte sich ungeduldiger. Siemens sei seit Kaesers Amtsantritt noch keinen Schritt vorangekommen, kritisierte der Vertreter von Union Investment. „Im Gegenteil, Siemens ist stark mit sich selbst beschäftigt und im Wettbewerbsvergleich sogar noch weiter zurückgefallen.“ Die operative Rendite von gut sieben Prozent nannte er „katastrophal“. Die Anleger wollen von Kaeser schnell Erfolge sehen. „Abgerechnet wird nicht heute, sondern in einem Jahr. Dann stehen ihre Leistungen auf dem Prüfstand“, wandte sie sich an den Manager.

Kommentare (2)

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anonym

28.01.2014, 19:39 Uhr

Dieser feine Herr könnte sofort gehen,er würde keinem fehlen!

Siemens-Kenner

28.01.2014, 20:31 Uhr

Typisch für Leute, die vom Innenleben bei Siemens keine Ahnung haben. Mit dem Wechsel an der Aufsichtsrratspitze wird Siemens ganz bestimmt nicht die eigentlichen Probleme des Konzerns lösen. Cromme ist zwar eine Figur, die den Konzern nicht gerade auf Wachstumskurs trimmt, aber auch nicht so sonderlich schadet. Den Filz im gehobenen mittleren und oberen Management kann ein Aufsichtsratvorsitzender nicht beseitigen. Das Thema müssen Vorstände angehen, denen anscheinend entweder bisher die Erkenntnis dazu fehlt oder die Bereitschaft und Entschlossenheit. Die Personalpolitik bei Siemens im Konzern ist die eigentliche Katastrophe und nicht die Wahl des Aufsichtsratsvorsitzenden. - Nur diese Kenntnis haben die Schlauberger von Fondsmanagern und fern der gelebten Praxis Kommentatoren nicht.

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