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23.01.2013

20:11 Uhr

Siemens Hauptversammlung

Das zweite Gefecht des Superaufsehers

VonSebastian Ertinger, Axel Höpner

Gerhard Cromme steht in der Kritik: Sowohl bei Thyssen-Krupp als auch bei Siemens rebellieren Aktionäre gegen den Chefkontrolleur. Doch Cromme wischt alle Einwände beiseite – und wird wiedergewählt.

Bedrückte Manager: Finanzchef Kaeser und Vorstandschef Löscher präsentieren Zahlen für Siemens. dpa

Bedrückte Manager: Finanzchef Kaeser und Vorstandschef Löscher präsentieren Zahlen für Siemens.

MünchenGerhard Cromme wacht über die Geschicke gleich zweier Dax-Konzerne: Thyssen-Krupp und Siemens. Der fast 70-Jährige lässt sich erneut als Chefaufseher von Siemens wählen. Damit das in seinem Alter geht, wurde die Satzung geändert. Die sah ursprünglich eine Altersgrenze vor.

Doch von den versammelten Aktionären kassiert der Chefkontrolleur herbe Kritik – wieder einmal. Schon auf der Hauptversammlung von Thyssen-Krupp vergangene Woche traf den Manager der geballte Unmut der Kleinanleger. Somit kämpft die Superaufseher Cromme an zwei Baustellen gleichzeitig.

Quartalsergebnis: Siemens-Gewinn schrumpft

Quartalsergebnis

Siemens-Gewinn schrumpft

Vor dem Auftakt der heutigen Hauptversammlung meldet der Siemens-Konzern einen geschrumpften Auftragseingang. Unzufriedene Aktionäre wird Konzernchef Peter Löscher damit wohl nur kaum glücklich machen können.

Allein bei Siemens gibt es genug Arbeit für den Strippenzieher, der heute auch etwas angespannter wirkt als sonst: Der Vorstand muss verkleinert, eine Gewinnstrategie entwickelt und ein Sechs-Milliarden-Euro-Sparprogramm reibungsarm umgesetzt werden. Nur wenn all das gelingt, kann Cromme die ständige Debatte über seinen angeschlagenen Vorstandschef Peter Löscher beenden.

Kritiker werfen dem Siemens-Chef unter anderem vor, im Frühjahr 2011 das plakative Ziel von 100 Milliarden Euro Jahresumsatz als Ziel ausgegeben, dabei aber die Profitabilität aus den Augen verloren zu haben. Siemens steigerte seitdem zwar den Umsatz, gleichzeitig klettern aber auch die Kosten. „Es ist schade, dass wir Aktionäre im letzten Jahr so ernüchtert wurden“, sagt der Vertreter von DWS Investment, Henning Gebhardt.

Die Stärken und Schwächen von Siemens

Solide Kapitalstruktur

Die Finanzschulden sind zum Ende des Geschäftsjahres 2011/12 im Vorjahresvergleich zwar gestiegen, die Bilanzrelationen bleiben aber solide. So lag die Nettoverschuldung zum 30. September 2012 bei 9,3 Milliarden Euro, 4,3 Milliarden über dem Vorjahr. Im Verhältnis zum Eigenkapital macht diese nun etwa 30 Prozent aus.

Umweltportfolio wächst

Siemens sieht sich als Weltmarktführer bei Umwelttechnologien. Der Ausbau des grünen Portfolios ist seither eine Kernstrategie von Konzernchef Peter Löscher. Bislang mit Erfolg: Seit dem Geschäftsjahr 2007 ist der Umsatz des Umweltportfolios im Schnitt um 14 Prozent pro Jahr auf zuletzt gut 33,2 Milliarden Euro gestiegen. Das sind 42 Prozent des Konzernumsatzes. Bis 2014 sollen es über 40 Milliarden Euro werden.

Stabile Dividenden

Die Dividenden-Rendite war bei Siemens über lange Jahre bescheiden. Erst Löscher hob die Ausschüttungsquote deutlich an. So können sich die Aktionäre auch in diesem Jahr freuen: Obwohl der Gewinn 2011/12 sank und der Konzern sparen muss, will Siemens eine stabile Dividende von drei Euro je Aktie bezahlen. Das entspricht einer Ausschüttungssumme von rund 2,5 Milliarden Euro. Bezogen auf den Gewinn nach Steuern liegt die Ausschüttungsquote bei 56 Prozent.

Margen bröckeln

Für 2010/11 hatte Siemens ein operatives Rekordergebnis von mehr als neun Milliarden Euro vorgelegt. In Relation zum Umsatz entsprach das einer Rendite von 12,8 Prozent. Halten konnten die Münchener das Niveau nicht. Im abgelaufenen Geschäftsjahr schrumpfte die Marge wieder auf 9,5 Prozent.

Rückläufiger Auftragseingang

Wichtige Konkurrenten wie General Electric wuchsen zuletzt oft schneller, auch weil sie akquisitionsfreudiger waren. Organisch sind kurzfristig bei Siemens keine Wachstumssprünge zu erwarten: Der Auftragseingang, Indikator für die Umsätze von morgen, sank im vergangenen Geschäftsjahr um 13 Prozent auf knapp 77 Milliarden Euro.

Sonderlasten drücken den Gewinn

Probleme mit Großprojekten gelten als typische Siemens-Krankheit. Auch unter Vorstandschef Peter Löscher hat sich daran nicht viel geändert. Ärgerlichstes Beispiel 2011/12: Die Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz. Die Verzögerungen belasten den Konzern bislang mit 570 Millionen Euro. Die Verzögerungen im finnischen Atomkraftwerk Olkiluoto kosten ebenfalls seit Jahren viel Geld. Und die verspätete Auslieferung der neuen ICE-Generation könnte für Siemens laut Branchenschätzungen etwa 100 Millionen Euro teuer werden.

Der „schwerfällige Tanker Siemens“ müsse wieder auf Kurs gebracht werden, sagt der Vertreter der Fondsgesellschaft Union Investment, Ingo Speich. „Größe ist nicht alles, Siemens tut sich damit keinen Gefallen.“ Konzernchef Löscher wiederum stimmt Aktionäre und Mitarbeiter auf Umbrüche und einen geringeren Gewinn ein. Er spricht von einem „Jahr des Übergangs“.

Auf wenig Begeisterung bei den Aktionären stoßen auch die Zahlen für das Schlussquartal 2012, die der Konzern heute vorlegte. Die Münchener haben einen deutlichen Dämpfer beim Auftragseingang hinnehmen müssen. Das Auftragsvolumen schrumpfte um fünf Prozent, auch der Umsatz der fortgeführten Geschäfte ging um ein Prozent zurück auf 18,1 Milliarden Euro. Das Gewinn nach Steuern sank gar um 12 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Der Aktienkurs sank um ein Prozent.

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Kritik an seiner Amtsführung bügelt Cromme aber ab. Zur aktuellen Geschäftsentwicklung bei Siemens räumt er allenfalls ein: „Aufsichtsrat und Vorstand sind nicht zufrieden, dass die eigenen Ansprüche nicht erfüllt wurden, besser als Markt und Wettbewerb zu sein.“ Auf seine erneute Kandidatur geht er nur mit einem Satz ein.

Immerhin erhält Cromme in der Münchner Olympiahalle bei seiner Rede freundlichen Applaus. Vergangene Woche in Bochum buhten ihn die Thyssen-Krupp-Aktionäre noch aus.

Kommentare (5)

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halfbrain

23.01.2013, 12:04 Uhr

Alos, ich bin überzeugt, daß romme unersetzlich ist - bis ins Alter von 100 sollte er auf eden Fall in den Ausichtsräten bleiben - bei 'seinen' Erfahrungen - wie sein Vorbild Beitz.

sdkralle

23.01.2013, 13:22 Uhr

in der derzeitigen marktsituation sollten die kritiker mal auf general elektric gucken.

selbst noch nie nen großkonzern geführt abers gierige maul bis zum anschlag aufreißen

siemens ist der am besten im markt disversifizierte deutsche großkonzern und damit am sichersten aufgestellt und daran sollen löscher und cromme keinen anteil haben....????

diese selbsternannten aktionärsverbandssprecher mit ein paar mitgliedern sind tiefflieger auf klosterfrau melissengeist

zephyroz

23.01.2013, 14:18 Uhr

Es scheint so zu sein, daß diese Leute kein Gefühl sich selbst gegenüber haben, wann es genug ist.
In dem Alter genießt man, wenn man normal ist, seine Freizeit - insbeosndere wenn man so viel Geld hat, wie Cromme.

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