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20.01.2007

14:05 Uhr

Siemens

Hauptversammlung mit Hindernissen

Wenn am Donnerstag Aktionäre und Aufsichtsrat von Siemens zur Hauptversammlung zusammen kommen, liegen für sie Licht und Schatten nah beieinander. Gute Geschäftsergebnisse werden überschattet von Schmiergeldaffären und der Pleite der verkauften Handysparte BenQ Mobile.

Trotz guter Geschäftsergebnisse steht Siemens unter Druck. Foto: AP Quelle: ap

Trotz guter Geschäftsergebnisse steht Siemens unter Druck. Foto: AP

HB MÜNCHEN. Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer hat einen schweren Gang vor sich. Auf der Hauptversammlung am Donnerstag wollen viele Aktionäre ihrem Unmut über die Schmiergeldaffäre bei Deutschlands größtem Elektrokonzern Luft verschaffen. Aktionärsschützer wehren sich gegen die Entlastung der Führungsspitze und wollen Pierer auffordern, seine Funktionen im Aufsichtsrat ruhen zu lassen. „Da es auch um Vorfälle geht, die in seine Amtszeit als Siemens-Vorstandsvorsitzender fallen, kann Herr von Pierer nicht Mitglied dieses AR-Gremiums bleiben. Er kann sich nun mal nicht selbst prüfen“, sagte Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Siemens kommt den Forderungen der Aktionäre zumindest teilweise entgegen. So gibt es eine Einzel- und keine Paketabstimmung über die Entlastung. Im Fall der beschuldigten Ex-Vorstände Thomas Ganswindt und Heinz-Joachim Neubürger wird die Abstimmung vertagt. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt beide, vom System schwarzer Kassen gewusst zu haben. Siemens geht von dubiosen Zahlungen von bis zu 420 Millionen Euro aus, die im Ausland als Schmiergeld eingesetzt worden sein sollen. Die Affäre hat den Konzern schwer erschüttert. „Es wäre vielleicht sehr hilfreich, wenn man mit neuer, moralisch unverbrauchter Truppe versucht, dieses stolze Unternehmen wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen“, sagt Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer.

Noch vor zwei Jahren war Pierer auf seiner letzten Hauptversammlung als Vorstandschef mit großen Lobreden verabschiedet worden. Aktionärsschützer akzeptierten ob seiner Verdienst beim Umbau von Siemens sogar, dass er direkt vom Vorstandsvorsitz auf den Chefsessel im Aufsichtsrat wechselt. Normalerweise lehnen dies die Schutzvereinigungen mit Verweis auf die Regeln der guten Unternehmensführung (Corporate Governance) ab.

Doch nun zeigt sich, welche Interessenkonflikte möglich sind. „Obwohl von Pierer jegliche Form der aktiven oder passiven Beteiligung an den Vorgängen wiederholt dementiert hat, sollte er auch den „bösen Schein' vermeiden und sich aus der Verantwortung für die Untersuchungen konsequent heraushalten“, sagte Peter von Blomberg von der Antikorruptions-Initiative Transparency. Pierer müsse aber Wert darauf legen, dass auch seine Rolle als Vorstandsvorsitzender ohne falsche Rücksicht durch neutrale Experten untersucht wird.

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