Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.01.2007

11:38 Uhr

Siemens-Hauptversammlung

Tag der Abrechnung

VonChristoph Hardt

Die Siemens-Hauptversammlung am Donnerstag wird für das Management zur Zitterpartie. Die Aktionäre wollen die Konzernspitze wegen der Korruptionsaffäre zur Rechenschaft ziehen. Vorstandschef Klaus Kleinfeld hofft, mit guten Quartalszahlen kontern zu können. Doch ob es ihm gelingt?

Klaus Kleinfeld hat derzeit keinen leichten Job. Foto: dpa Quelle: ap

Klaus Kleinfeld hat derzeit keinen leichten Job. Foto: dpa

MÜNCHEN. Der Prophet gilt nichts im eigenen Lande, heißt es schon im Markus-Evangelium. Klaus Kleinfeld mag in jüngster Zeit manchmal so gedacht haben. Hartnäckig halten sich in München jedenfalls die Gerüchte, wonach dem Siemens-Chef bereits vor geraumer Zeit ein Spitzenposten bei einem der führenden amerikanischen Autobauer angeboten worden sein soll. „Kein deutscher Spitzenmanager ist in Amerika so verdrahtet wie er“, heißt es dann im Umfeld des Konzerns. Kleinfeld, in der Heimat angefeindet, könne auch anders, soll das bedeuten; er habe sich aber umso mehr vorgenommen, seine Arbeit bei Siemens zu einem erfolgreichen Ende zu führen.

Es sind solche kleinen, gleichsam nebenher gestreuten Botschaften, die Zeugnis ablegen von der Nervosität im Hause Siemens vor der Hauptversammlung an diesem Donnerstag. Selten zuvor stand die Führung eines der großen deutschen Konzerne unter solchem Druck wie übermorgen in der Olympiahalle zu München. Die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hat dazu aufgerufen, dem Vorstand wegen der „katastrophalen Kommunikationspolitik“ während des Skandals die Entlastung zu verweigern. Und nicht nur das, Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer soll zumindest für die Zeit der Ermittlungen sein Amt im Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats ruhen lassen. Er könne ja schließlich nicht gegen sich selbst ermitteln, erklärt die DSW. Insgesamt 15 Gegenanträge von Aktionären liegen vor, mit Hochdruck bereitet sich die Siemens-Führung auf die wohl heißeste HV seit Jahren vor.

Eines hat die Fundamentalkritik aus dem Lager der Kleinaktionäre dabei schon bewegt. Kleinfeld und Pierer, von denen es seit langem heißt, dass sie persönlich nicht das wärmste Verhältnis pflegen, mühen sich um den Schulterschluss. Vor dem Aktionärstreffen hofft die Konzernführung zudem auf die Macht des Faktischen. Die Affäre um schwarze Kassen, in die bis zu 420 Mill. Euro geflossen sein sollen, hat beim Aktienkurs des Unternehmens so gut wie keine Spuren hinterlassen. Einem Knick kurz nach Bekanntwerden der Ermittlungen folgte eine steile Aufwärtsbewegung. Siemens, lange einer der großen Nachzügler im Dax, hat aufgeholt und liegt jetzt gleichauf mit der kräftigen Aufwärtsbewegung des Indexes. Die meisten Analysten sind der Aktie gewogen, wichtige Beobachter wie Peter Reilly von der Deutschen Bank nennen einen fairen Wert von 90 Euro.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×