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01.02.2017

09:32 Uhr

Siemens-Hauptversammlung

„Wir sind gut beraten, bescheiden zu bleiben“

VonAxel Höpner

Siemens-Chef Joe Kaeser kann auf der Hauptversammlung mit guten Zahlen aufwarten. Der Gewinn wächst kräftig, die Jahresprognose wird angehoben. Warum der Industriekonzern besser abschneidet als die Konkurrenz.

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MünchenDer Gewinn ist zum Start ins neue Geschäftsjahr stark gestiegen, die Prognose wurde angehoben, die Aktie liegt nahe der Höchstständen: Siemens-Chef Joe Kaeser sieht sich da schon genötigt, ein wenig die Euphorie zu bremsen. „Wir sind gut beraten, auf dem Boden und bescheiden zu bleiben“, sagt er bei Vorlage der Quartalszahlen vor der Hauptversammlung in München am Mittwoch. Noch laufe nicht alles so, wie es sollte.

Am Morgen der Hauptversammlung ist die Stimmung des Siemens-Chef bestens. Begleitet von gleich drei Vorständen betritt er gut gelaunt die Olympiahalle. „Ein starkes Quartal“ habe man hinter sich, sagt er. Und das sei eine Teamleistung. So dürfen auch Klaus Helmrich, Lisa Davis und Ralf Thomas mit aufs Podium.

Siemens entwickelt sich derzeit weitaus besser als die Konkurrenz. Und das obwohl das Umfeld für Investitionsgüterkonzerne derzeit alles andere als gut ist. Die Konjunktur in wichtigen Märkten schwächelt, die niedrigen Ölpreise hemmen die Investitionsbereitschaft bei Förderern und Förderländern und die politischen Unsicherheiten sind nach dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Donald Trump groß.

Sieht man vom Rückgang der Neuaufträge ab – im Vorjahresquartal gab es mehr Großaufträge – können sich die Siemens-Zahlen tatsächlich sehen lassen. Der Umsatz der Münchener stieg von Oktober bis Dezember um vergleichbar drei Prozent auf 19,1 Milliarden Euro. Das bedeutet, dass Siemens trotz des schwierigen Umfelds weiter aus eigener Kraft wächst.

Was mal alles Siemens war

Ein Konzern im steten Wandel

Was hat Siemens nicht schon alles hergestellt. Telefone, Computer, Halbleiter oder Geldautomaten. Der Konzern, 1847 als Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske in Berlin gegründet, hat sich seither gründlich und stetig gewandelt. Geschäfte kamen hinzu, andere verschwanden. Die Liste prominenter Abgänge ist lang. Eine Auswahl früherer Siemens-Geschäfte.

Halbleiter

Die heftigen Turbulenzen auf dem Markt veranlasste Siemens, das Geschäft abzuspalten - der Halbleiterhersteller Infineon wurde 1999 an die Börse geschickt.

Telekommunikation

Zwar war Siemens als Telegraphen-Hersteller gegründet worden, doch der rasche Wandel auf dem Telefonmarkt überforderte den Konzern. Lange bevor Nokia den Anschluss an Apple auf dem Handymarkt verlor, musste Siemens Mobile trotz zunächst großer Erfolge einst Nokia ziehen lassen. Das Geschäft mit Mobiltelefonen gab Siemens 2005 an den BenQ-Konzern ab. Nur wenig später musste der die Produktion einstellen. Das Geschäft mit schnurlosen Telefonen für daheim verkaufte Siemens 2008 an Arques.

Netzwerke

Auch das Ausrüstungsgeschäft für Netzwerke trennte Siemens heraus und brachte das Geschäft 2007 in eine gemeinsame Firma mit Nokia unter dem Namen NSN ein.

Computer

Unter dem Namen Siemens Nixdorf baute Siemens einst nicht nur Geldautomaten, sondern auch Computer. Diesen Teil brachte Siemens in ein Joint Venture mit dem japanischen Hersteller Fujitsu ein und zog sich 2009 daraus zurück. Die Sparte mit Kassensystemen und Geldautomaten wurde zehn Jahre zuvor an Investoren verkauft und wurde 1999 als Wincor Nixdorf weiter geführt und an die Börse gebracht.

Auto

Wechselvoll ist auch die Geschichte, die Siemens als Autozulieferer erlebt hat. So hat der Konzern 2001 den Zulieferer VDO übernommen und mit dem eigenen Autogeschäft zusammengeführt. Nach einer Ein- und wieder Ausgliederung sollte VDO eigentlich an die Börse gebracht werden, ging aber dann 2007 im Wege eines Verkaufs an den Autozulieferer Continental.

Licht

Osram ist das jüngste Beispiel für ein Modell der Trennung. Das traditionsreiche Licht-Unternehmen gehörte lange zu Siemens. Angesichts milliardenschwerer Herausforderungen, etwa für die Entwicklung neuer Produkte nach dem Aus für die Glühbirne, wollte Siemens die Tochter mit einem Börsengang in die Freiheit entlassen - und dafür Milliarden einsammeln. Das klappte nicht, stattdessen buchte Siemens seinen Aktionären Osram-Aktien ins Depot, ein Börsengang light sozusagen. Seit 2013 ist Osram selbstständig.

Zum Vergleich: Erzrivale General Electric hat im selben Zeitraum einen Rückgang der Erlöse um vergleichbar zwei Prozent auf 33,1 Milliarden Dollar hinnehmen müssen. Auch der Schweizer ABB-Konzern hatte in letzter Zeit nur selten mit Wachstum geglänzt.

Wichtig für Kaeser: „Siemens bleibt auf profitablem Wachstumskurs.“ Das operative Ergebnis im industriellen Geschäft, eine der wichtigsten Kennziffern, stieg im ersten Quartal 2016/17 um 26 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. Das entsprach einer Umsatzrendite von 13 Prozent nach 10,4 Prozent im Vorjahreszeitraum. So gut schnitt Siemens schon länger nicht mehr ab.

Als Konsequenz hob Siemens die Prognose für das Gesamtjahr deutlich an. Bisher hatte Kaeser eine Ergebnismarge von 10,5 bis 11 Prozent in Aussicht gestellt. Nun prognostiziert er 11 bis 12 Prozent. Auch der Gewinn nach Steuern soll nun bei bis zu 7,70 Euro liegen. Bislang hatte Siemens bis zu 7,2 angestrebt. Im ersten Quartal stieg der Gewinn nach Steuern um ein Viertel auf 1,9 Milliarden Euro.

Dementsprechend zufrieden sind die Investoren auf der Hauptversammlung in München. Immerhin gehörte die Siemens-Aktie im vergangenen Jahr zu den Top-Performern im Dax. Kaesers Umbau zeigt zunehmend Wirkung. Er hat die Strukturen deutlich verschlankt, in dem er unter anderem die Ebene der Sektoren „Industrie“, „Energie“, „Medizintechnik“ und „Infrastruktur“ abgeschafft hat. Er setzt auf die Digitalisierung und tätigt milliardenschwere Zukäufe.

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Im dritten Geschäftsjahr von Joe Kaeser als Siemens-Chef ist nicht alles perfekt. Doch sind aktuell weitaus weniger Schwächen zu erkennen als in den Jahren zuvor. Wichtige Bilanzkennziffern zeigen: Die Richtung stimmt.

Ein kleiner Schönheitsfehler im ersten Quartal ist der Rückgang an Neuaufträgen um 14 Prozent auf 19,5 Milliarden Euro. Im Vorjahr standen mehr Großaufträge in den Büchern. Bei GE stieg die Zahl der Neuaufträge im vierten Quartal auf organischer Basis um zwei Prozent auf 33,9 Milliarden Dollar.

Verbesserungen schaffte Siemens auf relativ breiter Front. In fünf von acht Geschäftsfeldern stiegen die Umsätze auf vergleichbarer Basis. In der Medizintechnik stagnierten sie, in der Antriebssparte „PD“ und in der Zugsparte „Mobility“ sanken die Erlöse. Noch klarer ist das Bild bei der Profitabilität: In sieben von acht Geschäftsbereichen verbesserte sich die Umsatzrendite. In der Division „Digitale Fabrik“ stieg die Marge sogar von 16,9 auf 26,1 Prozent.

Kommentare (5)

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01.02.2017, 11:08 Uhr

Siemens steht auf wackeligen Beinen.
In Europa droht dem Siemensgeschäft mit einer Grün-Sozialistischen CO2 freien Merkel Politik der Verlust der kompletten Energie- Infrastruktur- Mobilitätssparte inkl. dem Industriegeschäft.
In den USA droht Siemens ein stärkerer Wettbewerb durch GE und andere US Industrieunternehmen.
Desweiteren hat Siemens und alle anderen EU Länder eine ganz großes Problem....den instabilen EURO.

Account gelöscht!

01.02.2017, 11:35 Uhr

Und noch eines ist für die Deutschen Weltkonzerne eine Gefahr....der zunehmende Zerfall der EU. Als Globalplayer wird es für viele Deutsche Konzerne in Zukunft der Wind aus einer anderen Richtung wehen. Die USA besinnt sich wieder mehr auf sich, China auch. Russland wurde durch die Sanktionen verprellt und baut jetzt seinen eigenen Mittelstand und Industriepark auf.
Die Heimatbasis Deutschland wurde seit Jahrzehnten nicht mehr beachtet...immer mehr Verlagerung ins Ausland und die Zerschlagung der Konzerne in Einzelne Unternehmensteile werden weiter die Qaulität und die Arbeitsmoral der guten Deutschen Arbeiter und schlauen Köpfe in den Keller ziehen.
Der "Nationale Spirit" = Deutschland first and Great again ist den Deutschen Weltkonzernen komplett verlorenen gegangen in den Weiten der Globalisierung. Das wird sich mehr und mehr für diese "deutschen" Weltkonzerne jetzt Rächen.

Herr Klas Bahler

01.02.2017, 12:34 Uhr

Mein Gott, Mark Hoffmann und all die anderen Pseudonymnamen, die sie zusätzlich hier benutzen und mit sich selbst diskutieren. Jetzt schaue ich seit Wochen mal wieder auf einen Kommentar im HB zur Spitzenfirma Siemens und dem vorbildlichen Erfolg, und immer noch das gleiche faktenfreie Geschwätz, gegen EU, gegen Frau Merkel, gegen was auch immer.

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