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21.01.2016

17:10 Uhr

Siemens im Schmiergeldsumpf

Prozess gegen Ex-Manager in Athen erneut vertagt

Rund 70 Millionen Euro Schmiergeld sollen ehemalige Siemens-Angestellte für einen Auftrag vom griechischen Telekom-Konzern OTE gezahlt haben. Der Prozess um die Vorwürfe wird erneut vertagt: Die Rechtsanwälte streiken.

In Athen wird der frühere Siemens-Chef Heinrich von Pierer von seinen Anwälten vertreten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, vom Schmiergeld-System bei Siemens gewusst zu haben. dpa

In Abwesenheit angeklagt

In Athen wird der frühere Siemens-Chef Heinrich von Pierer von seinen Anwälten vertreten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, vom Schmiergeld-System bei Siemens gewusst zu haben.

AthenDer Schmiergeldprozess gegen frühere Siemens-Manager und griechische Funktionäre ist am Donnerstag zum dritten Mal seit Beginn im November 2015 vertagt worden. Grund sei ein Streik der Rechtsanwälte sowie die fehlende Übersetzung der Anklageschrift ins Deutsche, berichteten griechische Medien. Wie einer der Verteidiger der Deutschen Presse-Agentur sagte, solle nun am 2. Februar verhandelt werden – „wenn alles gut läuft“.

Frühere Siemens-Mitarbeiter sollen knapp 70 Millionen Euro Schmiergelder gezahlt haben, um einen Auftrag vom griechischen Telekommunikationsunternehmen OTE zu erhalten. Angeklagt ist auch der frühere Siemens-Chef und Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich von Pierer. Er wird durch seine Anwälte vertreten. Ihm wird vorgeworfen, das Schmiergeld-System bei Siemens gekannt und unterstützt zu haben. Der Ex-Manager hatte dies immer von sich gewiesen.

Das sind die größten Baustellen von Siemens

Energiesparte

Hier hat Siemens den Trend zu dezentralen Lösungen verpasst. Die Münchener ließen sich für ihre riesige Weltmeister-Gasturbine der H-Klasse feiern. Doch in Zeiten der Energiewende waren vor allem kleine Modelle gefragt, die die Konkurrenz im Portfolio hatte. Auch in Sachen Innovationskraft verlor Siemens den Anschluss. Mit teuren Akquisitionen, einem Stellenabbau und mehr Investitionen in Forschung & Entwicklung versuchen Joe Kaeser und Energievorstand Lisa Davis gegenzusteuern.

Wachstumsschwäche

Vor einer guten Dekade war Siemens doppelt so groß wie BMW. Inzwischen ist der Autobauer an dem Technologiekonzern vorbeigezogen. Das hat mehrere Gründe: Zum einen trennte sich Siemens immer wieder von Geschäftssparten, ohne im gleichen Maß zuzukaufen. Zudem war Siemens auch organisch in den meisten Jahren wachstumsschwach und fiel hinter die besten Konkurrenten zurück. Kaeser setzt auf mehr Innovationen und einen besseren Kundenzugang. Ab dem Geschäftsjahr 2016 soll Siemens schneller wachsen als die Wettbewerber.

Ertragsschwäche

Kaesers Vorgänger Peter Löscher wähnte Siemens schon in der Champions League der weltbesten Unternehmen. Doch nach einem Zwischenhoch bröckelten die Renditen wieder ab. Für das Geschäftsjahr 2014/15 hatte Kaeser eine operative Umsatzrendite von zehn Prozent im Industriegeschäft versprochen. Angesichts der Kosten für den Umbau ist das ordentlich. Doch die besten Konkurrenten wie General Electric sind in vielen Bereichen besser. Durch kürzere Hierarchiewege, eine Sanierung der renditeschwachen Bereiche und den Abbau von Stellen will Kaeser mit seiner „Vision 2020“ Boden gut machen.

Dresser-Rand

Der Kauf des US-Kompressorenherstellers für zunächst 7,6 Milliarden Dollar war einer der größten Zukäufe in der Unternehmensgeschichte. Kaeser hatte sich, auch von seinem Vorgänger Peter Löscher, in einen Bieterwettbewerb treiben lassen. Doch seit der Übernahme ist der Ölpreis drastisch gefallen, die Förderer stellen ihre Investitionen zurück. Der Kaufpreis war im Nachhinein viel zu hoch. Nun muss Kaeser auf eine Erholung der Ölpreise hoffen und Dresser-Rand wenigstens erfolgreich integrieren.

Autor: ax

Von

dpa

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