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25.01.2007

07:03 Uhr

Siemens in Bedrängnis

Hauptversammlung: „Es gibt einen großen Knall“

Siemens steht eine unangenehme Hauptversammlung bevor. Die Führung des Technologiekonzerns muss sich nach Handelsblatt-Informationen auf harte Kritik nationaler und internationaler Investoren einstellen. Hinzu kommt noch eine weitere außerordentliche Belastung.

Großinvestoren wollen den Siemens-Vorstand nicht entlasten. Foto: dpa Quelle: ap

Großinvestoren wollen den Siemens-Vorstand nicht entlasten. Foto: dpa

cha/jojo/tor MÜNCHEN. Die ISS, größte und wichtigste Organisation für die Beratung institutioneller Investoren in den USA, hat ihren Kunden empfohlen, Vorstand und Aufsichtsrat von Siemens auf der Hauptversammlung am Donnerstag nicht zu entlasten.

„Dieses Votum ist für institutionelle Aktionäre praktisch bindend“, sagte ein hochrangiger Fondsmanager dem Handelsblatt. „Auf der Hauptversammlung gibt es einen großen Knall“, hieß es weiter.

Zu den Kunden von ISS gehören namhafte Fondsgesellschaften, die einer Entlastung des Siemens-Vorstands nicht zustimmen dürften. ISS begründet die ablehnende Haltung gegenüber der Siemens-Führung damit, dass das Management zu spät auf den Korruptionsskandal reagiert und damit seine Pflichten vernachlässigt habe. Wegen der Pleite der ehemaligen Handy-Tochter BenQ und des Bekanntwerdens des Schmiergeldskandals hatten deutsche Aktionärsvertreter bereits beantragt, die Siemens-Führung nicht zu entlasten.

Darüber hinaus muss Siemens jetzt auch noch eine außerordentliche Belastung verkraften. Die Kommission verhängte wegen Preisabsprachen eine Kartellstrafe von 419 Mill. Euro gegen Siemens, die das erste Quartal des Geschäftsjahres belasten wird. Für Siemens-Chef Klaus Kleinfeld und den Aufsichtsratsvorsitzenden Heinrich von Pierer kommt die Strafe höchst ungelegen. Sie wollten heute mit guten Quartalszahlen gerade unter institutionellen Investoren für ein positives Klima sorgen.

Am Abend verdichteten sich Hinweise, dass Siemens nun an einen Befreiungsschlag denkt. In Branchenkreisen hieß es, Siemens plane den Verkauf oder den Börsengang seiner Auto-Zuliefersparte VDO mit 53 000 Beschäftigten und rund zehn Mrd. Euro Umsatz. Siemens lehnte dazu jeden Kommentar ab.

VDO zählt nicht zum erklärten Kerngeschäft von Siemens. Der in zahlreichen Geschäftsfeldern tätige Konzern würde mit einem Verkauf oder einem Börsengang von VDO den unter Kleinfeld eingeschlagenen Kurs fortsetzen, sich von Sparten zu trennen. Unter seiner Führung gab der Traditionskonzern sein - mittlerweile insolventes - Handygeschäft an die taiwanische BenQ ab und brachte die Telefonnetzsparte in ein Gemeinschaftsunternehmen unter der Führung von Nokia ein.

Das von dem aufgelösten Telekommunikationsbereich Com verbleibende Segment der Unternehmensnetze (Enterprise Networks) steht ebenfalls zum Verkauf - der Konzern nennt sein Vorgehen „aktive Portfolio-Politik“.

Kleinfeld hatte angekündigt, sein Haus werde sich künftig auf Infrastruktur-Aufträge sowie Industrie- und Medizintechnik konzentrieren. Der Konzern will am Donnerstagmorgen seine Zahlen für das erste Quartal vorlegen und hält wenige Stunden später seine Hauptversammlung ab.

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