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31.07.2014

10:33 Uhr

Siemens

Joe im Glück?

Das sieht prachtvoll aus: Siemens-Chef „Joe“ Kaeser meldet einen Gewinnzuwachs im dritten Quartal. Doch lesen Sie, warum der schöne Schein auch trügen könnte.

Umbau bei Siemens

Ein Jahr Joe Kaeser – die Bilanz

Umbau bei Siemens: Ein Jahr Joe Kaeser – die Bilanz

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MünchenAm 1. August ist inzwischen ein Jahr her, dass Joe Kaeser den zuletzt glücklosen Peter Löscher als Siemens-Vorstandschef ablöste. Zumindest mit den Gewinnwarnungen ist seitdem Schluss. Bei der Vorlage der Jahreszahlen vermeldete der Konzern am Donnerstag sogar einen um 27 Prozent gestiegenen Gewinn nach Steuern 1,4 Milliarden Euro im dritten Quartal.

Der Ergebnisanstieg ist allerdings zu großen Teilen darauf zurückzuführen, dass die Münchner im Vorjahreszeitraum für ihr Sparprogramm noch mehr als 400 Millionen Euro ausgaben. Im eben abgelaufenen dritten Quartal per Ende Juni verbuchte der Konzern außerdem vergleichsweise geringe Lasten für missratene Projekte.

Es gab jedoch auch einen Dämpfer, der Umsatz ging um drei Prozent zurück, die Auftragseingänge sanken um vier Prozent.

Vor allem der Energiesektor bereitet den Münchnern Sorge: Die Effekte aus verspäteten Anschlüssen von Windparks in der Nordsee sowie ein verpatztes Hochspannungsprojekt in Großbritannien summierten sich auf 155 Millionen Euro. „Während wir in den meisten Bereichen gute Fortschritte erzielt haben, steht der Sektor Energy vor anhaltenden Herausforderungen in den nächsten Quartalen“, sagte Siemens-Chef Kaeser. Auch die Gewinne der Medizin- und der Energietechnik gingen leicht zurück, die Segmente Infrastruktur und Städte (I&C) sowie Industrie legten dagegen kräftig zu. Der I&C-Bereich profitierte vorwiegend von erfolgreichen Zuglieferungen, der Industriesektor bekommt die anziehende Konjunktur zu spüren. Vor allem die kurzzyklischen Geschäfte hätten zugelegt, hieß es.

Siemens-Chef Joe Kaeser warnte zudem vor den konjunkturellen Folgen der Krisen in der Ukraine und im mittleren Osten. Die aktuellen geopolitischen Spannungen seien „ein ernstes Risiko für das Wachstum in Europa“ in der zweiten Jahreshälfte, sagte Kaeser am Donnerstag in München.

In Russland erwirtschaftete Siemens zuletzt einen Jahresumsatz von rund zwei Milliarden Euro. Man sei besorgt wegen der jüngsten Entwicklungen dort, es gebe aber mehr „persönliche Bestürzung als geschäftliche Sorgen“. Es bleibe zudem dabei, dass man Sanktionen gegen Russland strikt umsetzen werde.

So krempelt Kaeser Siemens um

Größter Umbau seit Jahren

Erst Ruhe und Ordnung, dann der größte Umbau seit Jahren: Ab Mai 2014 packt Siemens-Chef Joe Kaeser überraschend viel an bei Deutschlands größtem Elektrokonzern. Von der Auflösung der Sektoren bis zum weiteren Vorstandsumbau - das Großreinemachen bei Siemens hat begonnen. Und ganz nebenbei traute sich Kaeser noch eine milliardenschwere Übernahme des französischen Industrierivalen Alstom zu und wagte sich dafür in ein Bietergefecht mit dem US-Rivalen General Electric (GE).

Was soll sich bei Siemens verändern?

Die von Kaesers Vorgänger Peter Löscher eingeführte Einteilung in die vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur & Städte sollte ab Oktober 2014 Geschichte sein, das Geschäft in neun statt bisher 16 Divisionen zusammengefasst werden. Für die Hörgeräte-Sparte, für die vor Jahren ein Verkauf platzte, plant Siemens einen Börsengang. Die restliche Medizintechnik bleibt zwar im Konzern - sollte aber ab Oktober eigenständig außerhalb der neun Divisionen geführt werden und damit unabhängig vom Organisationsaufbau des restlichen Konzerns. Hinzu kommt der Zukauf des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts vom Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce.

Wen treffen die Veränderungen?

Siemens hatte per Sparprogramm 15.000 Stellen gestrichen. Betroffen vom weiteren Umbau sollten vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung sein. Im Zuge des Umbaus gab aber auch der bisher für den Energiesektor zuständige Vorstand Michael Süß seinen Posten an die Shell-Managerin Lisa Davis ab. Süß war 2013 zeitweise sogar als möglicher Nachfolger Löschers gehandelt worden, der nach zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge Ende Juli 2013 Jahres seinen Hut nehmen musste.

Was will Kaeser mit dem Umbau erreichen?

Weniger Bürokratie, schlankere und übersichtlichere Strukturen, eine straffere Führung und mehr Kundennähe dürften zu Kaesers wichtigsten Zielen gehören. Ausdrücklich will er den Konzern auf die Wachstumsfelder Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung ausrichten. Siemens braucht wieder Anschluss an Wettbewerber wie den US-Mischkonzern GE, dem die Münchner seit Jahren in Sachen Rendite hinterherhecheln. Auch in der Akquisitionspolitik will Kaeser nach Rückschlägen seines Vorgängers Löscher zeigen, dass er es besser kann. Vielversprechende Geschäftsfelder stärken und weniger Zukunftsträchtiges abstoßen, heißt dabei seine Devise. Und ganz nebenbei bringt der Umbau weitere Einsparungen: Bis zum Herbst 2016 sollen die Kosten um eine Milliarde Euro sinken.

Welche Rolle spielte der Poker um Alstom?

Beide Baustellen haben zunächst wenig miteinander zu tun. Die Pläne für den Umbau, den Kaeser dem Aufsichtsrat vorlegte, reiften spätestens seit dem Wechsel des früheren Finanzvorstands an die Spitze von Siemens. Wären die Münchner bei den Franzosen zum Zuge gekommen, hätte Kaeser wohl ein weiteres Mal größere Umbauarbeiten beginnen müssen.

Vorstandschef Joe Kaeser bekräftigte die Geschäftsjahresprognose, wonach sein Haus auf vergleichbarer Basis einen stagnierenden Umsatz verbuchen werde. Das Ergebnis je Aktie werde dagegen um mindestens 15 Prozent zulegen.

Es ist das vorletzte Mal, dass Siemens seine Zahlen in der bestehenden Struktur vorlegt. Ab dem neuen Geschäftsjahr 2014/15 im Oktober stellt der Konzern die Berichterstattung gemäß den Umbauplänen von Kaeser um. Er will sein Haus profitabler machen und schafft die aktuell vier Sektoren sowie regionale Ebenen ab. Davon sind mehr als 11.000 Beschäftigte betroffen. Am Donnerstag blieb zunächst weiter offen, wie viele Stellen davon letztendlich gestrichen werden.

Kommentare (2)

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Herr Tom Bauer

31.07.2014, 08:41 Uhr

Wieder ein Durchschnittsmanager der von der Presse gehypt wird (analog die Schrempps und Winterkorns dieser Welt) aber inhaltlich nicht überzeugen kann.

Läuft die Wirtschaft gut, wird Geld verdient, läuft sie schlecht gibts schlechte ERgebnisse.
Die Leistung eines CEO wird hier überschätzt.

Gibts schlechtere Ergebnisse gibts Sparprogramme, die von Unternehmensberatern geschrieben werden und von der Gewerkschaft verteufelt werden. Umgesetzt werden (müssen) sie trotzdem.

Ich warte immer noch auf Manager die sich über echte Produktneuigkeiten und Weiterentwicklungen auch langfristig an der Spitze einer technischen Entwicklung sieht und auch dadurch erfolgreich ist.

Leider oft nur in den USA zu finden.
Gut für deutsche Arbeitsplätze diese drögen Veranstaltungen... für Investoren ein Graus!

Michael Wieseler

31.07.2014, 09:30 Uhr

Genau, warum muss ein Durchschnittsmanager immer als Supermann herhalten? Jetzt soll laut der Jubelpresse Joe eine neue Ära begründen und ist immer die wichtigste Figur in diesem Theater. Als würden nicht viele Siemensianer täglich im kleineren Rahmen die wichtige Arbeit machen und um neue Aufträge und Projekte kämpfen. Es ist gute Teamarbeit gefragt.

Schreibt Joe nur in den Himmel, dann fällt er umso schneller wieder runter, wie Schrempp, Zetsche, Winterkorn, Wiedeking oder die blonde Mayer. Die kochen alle nur mit Wasser oder backen wie der Wiedeking mittlerweile kleine Pizzen.

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