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11.07.2017

17:27 Uhr

Siemens

Joe Kaeser in der Krim-Krise

VonAxel Höpner

Zwei Siemens-Gasturbinen, die für ein Kraftwerk in Russland bestimmt waren, sind auf der Krim aufgetaucht. Die Münchener fühlen sich von Geschäftspartnern hintergangen – und wollen jetzt Strafanzeige erstatten.

Siemens-Turbinen sollen auf der von Russland annektierten Insel Krim aufgetaucht sein. dpa

Turbinen

Siemens-Turbinen sollen auf der von Russland annektierten Insel Krim aufgetaucht sein.

MünchenEs war eine kurze, aber willkommene Ablenkung von der Krim-Krise für Siemens-Chef Joe Kaeser. Am Dienstag war der Premierminister von Singapur, Lee Hsien Loong, samt Gattin zu Besuch in der Konzernzentrale. Anlass war die Eröffnung eines Digitalisierungszentrums in Singapur. Ein schöner Fototermin war das, und beide priesen die guten Chancen des südostasiatischen Stadtstaats im Zeitalter der Digitalisierung.

Doch das Thema Krim dürfte Kaeser schnell wieder eingeholt haben. Siemens hat einen Krisenstab eingesetzt, um das unschöne Thema in den Griff zu bekommen. Faktisch habe man eigentlich alles richtig gemacht, meint ein Insider - „und trotzdem läuft es falsch“. Die Affäre könnte sogar Auswirkungen auf andere Geschäfte von Siemens in Russland haben.

Die Krim wurde 2014 von Russland annektiert und unterliegt seither Wirtschaftssanktionen. Satellitenaufnahmen haben ergeben, dass wohl zwei Siemens-Gasturbinen in Richtung Krim verschifft wurden. Eigentlich gehörten sie zu einer Lieferung für ein Kraftwerksprojekt im südrussischen Taman. Auf die Krim wurden sie gegen den Willen von Siemens gebracht. 

Seit Bekanntwerden des Schmiergeldskandals 2006 lautet die Devise bei Siemens „nur noch saubere Geschäfte“ – und daher will man keinesfalls gegen Sanktionen verstoßen. „Dieses Vergehen stellt einen klaren Bruch der Lieferverträge dar, die unserem Kunden eine Lieferung auf die Krim zweifelsfrei verbieten“, heißt es in München.

Man erstatte Strafanzeige und werde auf Einhaltung der Verträge klagen. Das Ziel: Weitere Lieferungen auf die Krim sollen verboten, dorthin verbrachte Ausrüstung ins südrussische Taman zurückgebracht werden. Notfalls will Siemens auf eine Rückabwicklung des Vertrags drängen.

Rechtlich habe sich Siemens nichts zu schulden kommen lassen, meint ein Branchen-Insider. Doch der Technologiekonzern habe das Thema womöglich zu lange schleifen lassen. Das Problem habe sich seit Monaten abgezeichnet, Spekulationen gibt es schon länger. Daher gilt auch Siemens-Russland-Chef Dietrich Möller als angeschlagen.

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Doch wie geht es jetzt weiter? So schnell, heißt es in Industriekreisen, könnten die Turbinen sicherlich nicht in ein neues Kraftwerk auf der Krim verbaut werden. Die Instandnahme sei knifflig, Siemens werde dabei und beim Service sicherlich keine Hilfe leisten. Doch auch künftige Geschäfte werden heikler. Die Task-Force soll nun alle Einheiten und Partner in Russland unter die Lupe nehmen, um zu verhindern, dass weitere Ausrüstung verschifft wird.

Womöglich sollen für einen Kraftwerksbau auf der Krim auch Teile anderer Hersteller eingesetzt werden. Auf den Satellitenbildern ist laut Industriekreisen weiteres Material unter anderem von US-Herstellern zu sehen, das möglicherweise in Sotschi nach den Olympischen Spielen abgebaut und auf die Krim transportiert wurde.

Kommentare (2)

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Herr Peter Spiegel

11.07.2017, 18:41 Uhr

Noch ein Spion, erst Trump und jetzt noch der Siemens Chef. Russland hat alles im Griff.

Herr Renatus Isenberg

11.07.2017, 18:50 Uhr

Joe Kaeser, ein Mann mit Zivilcourage, der den antiquierten Blödsinn der Sanktionen gegen RU erkannt hat, soll nun zum Buh Mann werden? Gut, dass er Starfanzeige stellt. Wenigstens wahrt dann Herr Kaeser und Siemens das Gesicht.

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