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29.07.2013

08:21 Uhr

Siemens

Kaeser soll Löscher dauerhaft beerben

ExklusivDer Finanzchef von Siemens, Joe Kaeser, ist im Konzern groß geworden. Er liebt Scheinwerferlicht und glänzt mit Detailwissen. Am Mittwoch will der Siemens-Aufsichtsrat ihn als Nachfolger von Peter Löscher bestimmen.

Löscher gegen Kaeser

Showdown im Siemens-Aufsichtsrat

Löscher gegen Kaeser: Showdown im Siemens-Aufsichtsrat

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MünchenNeuer Siemens-Chef soll nach Informationen des Handelsblatts Joe Kaeser werden. Darauf hat sich der mächtige Präsidialausschuss verständigt. „In der momentanen Situation ist das die beste Lösung. Kaeser kennt den Laden wie kaum ein anderer“, sagte ein Siemens-Manager.

Kaeser soll auf Dauer Chef werden, nicht nur für eine Übergangszeit. Offiziell ist dem Vernehmen nach aber noch nicht mit Kaeser gesprochen worden, es gibt auch keine formale Zusage von ihm. Der Finanzvorstand erwarte einen fairen Umgang mit Löscher, hieß es in seinem Umfeld. Löscher dürfte die Vertragsauflösung etwa neun Millionen Euro einbringen.

In Siemens-Kreisen wird davon ausgegangen, dass es nur noch um Formalien geht. Kaeser werde den Chefposten übernehmen - aus Loyalität dem Unternehmen gegenüber, aber auch aus persönlichem Ehrgeiz. Niemand im Unternehmen bezweifelt, dass er sich den Posten zutraut.

Die Ära Löscher: Wie sich Siemens verändert hat (Teil 1)

Abgang

Peter Löscher war der erste Siemens-Boss, der von außen kam. Schon zu seinem Amtsantritt warnten Aktionärsschützer, es werde dem Manager schwerfallen, eine Hausmacht in dem komplexen Konzern aufzubauen. Doch seine Erfolge überdeckten alle Zweifel - zumindest in der ersten Halbzeit. Deutlich vor seinem Vertragsende 2017 musste der Fußballfan Löscher im Jahr 2013 vom Platz.

Quelle: dpa

Seine Aufgabe

Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Crommee präsentierte 2007 überraschend den in Deutschland unbekannten Pharmamanager Peter Löscher als Nachfolger von Klaus Kleinfeld. Löscher beginnt seinen Job am 1. Juli 2007. Vor allem muss er die milliardenteure Schmiergeldaffäre in den Griff bekommen. Dabei geht es um eine Reihe von Korruptionsvorwürfen, die seit 2006 rund um schwarze Kassen in dreistelliger Millionenhöhe von der Staatsanwaltschaft aufgedeckt worden waren.

Eine neue Struktur

5. Oktober 2007: Der neue Chef verpasst dem Konzern eine neue, schlankere Struktur, die auf den drei Säulen Infrastruktur, Energie und Gesundheit beruht. Darüber installiert er einen kleineren Vorstand.

Gewinneinbruch

30. April 2008: Löscher muss gleich für sein erstes komplettes Geschäftsjahr die Jahresprognose nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal kassieren. Am 8. Juli setzt Löscher den Rotstift an und streicht fast 17.000 Stellen im Konzern, mehr als 5.000 davon in Deutschland. Er will die Kosten um 1,2 Milliarden Euro senken.

Die Schmiergeldaffäre

15. Dezember 2008: Siemens einigt sich mit den US-Behörden auf ein Strafmaß für die Schmiergeldaffäre - damit ist der größte Brocken des Skandals aus dem Weg geräumt. Ein weiteres Jahr später einigt sich Siemens mit früheren Managern auf millionenschweren Schadenersatz für die Schmiergeldaffäre und schließt dieses Kapitel damit weitgehend ab.

Gewinnwarnung, Stellenstreichung und Rekordwerte

29. April 2009: Anders als zunächst erhofft muss Löscher angesichts ausbleibender Aufträge in der Krise doch die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr kappen.

28. Januar 2010: Nach einem überraschend guten Start ins Jahr schockt Löscher die Belegschaft mit neuen Plänen für Stellenstreichungen. 2000 Jobs in Deutschland sollen wegfallen.
11. November 2010: Löscher kann für das Geschäftsjahr 2009/2010 Rekordwerte präsentieren. Er selbst kassiert in diesem Jahr fast 9 Millionen Euro Salär.

Siemens wird umgebaut

25. Januar 2011: Auf der Hauptversammlung loben Aktionäre Löscher für den Konzernumbau und seine Politik insgesamt. Es ist vermutlich das erfreulichste Aktionärstreffen für den Manager.
29. März: Löscher baut weiter um und will einen vierten Sektor für Infrastruktur und Städte schaffen, die Lichttochter Osram soll an die Börse gebracht werden.
27. Juli: Der Aufsichtsrat von Siemens verlängert den Vertrag mit Löscher vorzeitig bis 2017 - vor allem wegen der Erfolge, die der Manager beim Umbau des Konzerns erzielt hat.
4. September: Angesichts von Turbulenzen an den Aktienmärkten verschiebt Siemens den geplanten Börsengang von Osram.

Am späten Samstagabend hatte Siemens nach Marathon-Beratungen der Aufsichtsräte bekanntgegeben, dass ein Wechsel an der Vorstandsspitze anstehe und am Mittwoch beschlossen werden solle. Wie Reuters, „Süddeutsche.de“, „FAZ.net“ und Welt.de“ dann später übereinstimmend meldeten, hätten sich die Aufsichtsräte bei ihrer Sitzung bereits mehrheitlich auf den 56-Jährigen verständigt.

Der Finanzvorstand galt vielen Beobachtern schon länger als eigentlicher Siemens-Chef. Womöglich tritt er nun schon bei der Vorlage der Zwischenbilanz am Donnerstag offiziell als die Nummer eins des Konzerns vor die Öffentlichkeit.

Kaeser liebt die große Bühne, der Siemens-Finanzchef läuft vor Publikum zur Hochform auf. In eleganten Anzügen brilliert er mit seinem Detailwissen und ließ den bisherigen Vorstandschef regelmäßig blass aussehen. Während sein scheidender Chef sich häufig in Phrasen und Allgemeinplätze aus dem Handbuch für Management-Sprech flüchtete, hatte Kaeser selbst die abseitigsten Zahlen im Kopf und für alle Fragen eine Antwort parat.

Kommentare (42)

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Account gelöscht!

28.07.2013, 13:18 Uhr

Siemens ist ein großer schwerer Tanker und sicherlich nicht ganz einfach zu handeln. Als außenstehender vermag ich daher nicht über die Qualitäten von Löscher zu urteilen.

Der Aktienkurs als Maßstab spricht sicherlich nicht für Löscher. Aber mit der Abfindung kann er sich zur Ruhe setzen, und seine Hobbys pflegen. Also ist doch alles in Butter für ihn. Und ich brauche mir über seine (finanzielle) Zukunft keine Sorgen zu machen. Punkt aus !

HofmannM

28.07.2013, 13:35 Uhr

Und im Energiesektor schaut die wirtschaftliche und damit auch Finanzwelt ganz anders aus!
Die Erneuerbaren Energietechniken können weder technisch, noch wirtschaftlich mit den Kraftwerken mithalten! Das war jeden Vernunft und Verstand Menschen, vom Kaufmann bis zum Techniker klar!
Somit war die Befürwortung zu dieser in Deutschland diktierten Energiewende ein sehr großer Fehler. Nicht nur für Löscher-Siemens, sondern für ALLE deutschen Industrie- und Handwerksunternehmen!
Die Energiewende auf Basis des Zwangs-EEG-Subventionsgesetz vernichtet die komplette deutsche Industriebasis, Und diese Basis ist eine zuverlässig und billige Stromversorgung. Diese ist NUR mit einen Kraftwerkmix aus Kohle, Gas und Uran zu haben. Die Erneuerbaren Energien sind weder heute noch in der Zukunft eine zuverlässige und selbständige und damit wirtschaftliche billige Stromerzeugungslösung! Die Zukunft gehört der Kerntechnik. Als Energieträger der Zukunft wird Uran und danach Thorium gewählt! Das ist mit dem heutigen technisch Stand schon zu 100% sicher!
Siemens weis das und auch der Rest der Welt! Unsere grünsozial verseuchte deutsche Bundestagspolitik hat weder einen Energieplan für Deutschland, noch haben diese Politiker eine Ahnung von Technik und der Wirtschaft. Ansonsten hätten sie schon längst gemerkt, das die Energiewende uns direkt in eine neue Mangelgesellschaft führt!

Account gelöscht!

28.07.2013, 13:38 Uhr

Zitat : „Ohne Kaeser bricht der Laden zusammen“,

- was bedeutet eigentlich, wenn ein Haupt-Mitverantwortlicher für die Misere, nachrückt :

1. dieser hat gegen den Chef erfolgreich intrigiert

2. man versucht eine Menge zu vertuschen, was der Öffentlichkeit noch nicht bekannt ist

BEIDES IST SEHR SCHLECHT für den KONZERN !

SIEMENS sollte AUFRÄUMEN und NEU STARTEN !

Dafür ist ein Kaufmännischer Controller an der Spitze eines Technologiekonzerns absolut UNGEEIGNET !

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