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27.01.2015

09:19 Uhr

Siemens

Kaeser tauscht Chefs aus

Bei der heutigen Hauptversammlung steht Siemens-Chef Joe Kaeser unter Druck. Der Gewinn ist im letzten Quartal um ein Viertel eingebrochen. Mehrere Führungskräfte müssen gehen.

Siemens-Chef Kaeser

"Wir wollen das Unternehmen effektiver machen"

Siemens-Chef Kaeser: "Wir wollen das Unternehmen effektiver machen"

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MünchenEs ist kein Wunder, dass Kaeser bei Vorstellung der Zahlen zunächst über den Ölpreis sprach. Die Ölindustrie werde kurzfristig weniger investieren, womöglich würden auch die ölexportierenden Länder ihre Ausgaben für Infrastruktur reduzieren, sagte er mit ernster Miene. Die Sparte hat mit den Folgen des schwindenden Ölpreises zu kämpfen. Siemens will bisher bereits rund 1200 Stellen in dem Geschäftsfeld abbauen. Allerdings: Andere Geschäfte könnten auch von einer Konjunkturbelebung dank des niedrigen Ölpreises profitieren.

Schon Konkurrent General Electric hatte im vergangenen Quartal in seiner Öl- und Gassparte den niedrigen Ölpreis zu spüren bekommen. Bei Siemens ist das Thema derzeit aber besonders im Fokus, hat Kaeser doch im Sommer für einen Rekordpreis die Übernahme des US-Kompressorenherstellers Dresser-Rand angekündigt. Investoren sehen den hohen Preis sehr kritisch. Kaeser jedoch gibt sich überzeugt: „Die Fundamentaldaten im Ölgeschäft haben sich nicht wesentlich geändert.“

Die aktuellen Quartalszahlen sind allenfalls durchwachsen. Der Umsatz konnte nach den Einbußen im vergangenen Geschäftsjahr zwar leicht zulegen, doch ging der Auftragseingang deutlich zurück. Der Gewinn brach um ein Viertel auf knapp 1,1 Milliarden Euro ein. Verantwortlich waren zwar zumeist nichtoperative Effekte wie die Bewertung von Derivaten. Den Umsatz konnte Siemens im ersten Quartal um drei Prozent auf 17,4 Milliarden Euro steigern. Doch schwächelten auch einige Sparten. Bei „Power and Gas“, lange Zeit Ertragsperle, ging die operative Umsatzrendite von 18,2 auf 11,3 Prozent zurück.

Auch in der Medizintechnik verschlechterte sich die bislang gute Performance. Die Marge sank von 17,6 auf 14,5 Prozent. Die Medizintechnik müsse „die Anstrengungen verstärken, um schnell wieder an die bisherigen herausragenden Leistungen anzuknüpfen“, machte Kaeser Druck.

Die Ära Löscher: Wie sich Siemens verändert hat (Teil 1)

Abgang

Peter Löscher war der erste Siemens-Boss, der von außen kam. Schon zu seinem Amtsantritt warnten Aktionärsschützer, es werde dem Manager schwerfallen, eine Hausmacht in dem komplexen Konzern aufzubauen. Doch seine Erfolge überdeckten alle Zweifel - zumindest in der ersten Halbzeit. Deutlich vor seinem Vertragsende 2017 musste der Fußballfan Löscher im Jahr 2013 vom Platz.

Quelle: dpa

Seine Aufgabe

Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Crommee präsentierte 2007 überraschend den in Deutschland unbekannten Pharmamanager Peter Löscher als Nachfolger von Klaus Kleinfeld. Löscher beginnt seinen Job am 1. Juli 2007. Vor allem muss er die milliardenteure Schmiergeldaffäre in den Griff bekommen. Dabei geht es um eine Reihe von Korruptionsvorwürfen, die seit 2006 rund um schwarze Kassen in dreistelliger Millionenhöhe von der Staatsanwaltschaft aufgedeckt worden waren.

Eine neue Struktur

5. Oktober 2007: Der neue Chef verpasst dem Konzern eine neue, schlankere Struktur, die auf den drei Säulen Infrastruktur, Energie und Gesundheit beruht. Darüber installiert er einen kleineren Vorstand.

Gewinneinbruch

30. April 2008: Löscher muss gleich für sein erstes komplettes Geschäftsjahr die Jahresprognose nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal kassieren. Am 8. Juli setzt Löscher den Rotstift an und streicht fast 17.000 Stellen im Konzern, mehr als 5.000 davon in Deutschland. Er will die Kosten um 1,2 Milliarden Euro senken.

Die Schmiergeldaffäre

15. Dezember 2008: Siemens einigt sich mit den US-Behörden auf ein Strafmaß für die Schmiergeldaffäre - damit ist der größte Brocken des Skandals aus dem Weg geräumt. Ein weiteres Jahr später einigt sich Siemens mit früheren Managern auf millionenschweren Schadenersatz für die Schmiergeldaffäre und schließt dieses Kapitel damit weitgehend ab.

Gewinnwarnung, Stellenstreichung und Rekordwerte

29. April 2009: Anders als zunächst erhofft muss Löscher angesichts ausbleibender Aufträge in der Krise doch die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr kappen.

28. Januar 2010: Nach einem überraschend guten Start ins Jahr schockt Löscher die Belegschaft mit neuen Plänen für Stellenstreichungen. 2000 Jobs in Deutschland sollen wegfallen.
11. November 2010: Löscher kann für das Geschäftsjahr 2009/2010 Rekordwerte präsentieren. Er selbst kassiert in diesem Jahr fast 9 Millionen Euro Salär.

Siemens wird umgebaut

25. Januar 2011: Auf der Hauptversammlung loben Aktionäre Löscher für den Konzernumbau und seine Politik insgesamt. Es ist vermutlich das erfreulichste Aktionärstreffen für den Manager.
29. März: Löscher baut weiter um und will einen vierten Sektor für Infrastruktur und Städte schaffen, die Lichttochter Osram soll an die Börse gebracht werden.
27. Juli: Der Aufsichtsrat von Siemens verlängert den Vertrag mit Löscher vorzeitig bis 2017 - vor allem wegen der Erfolge, die der Manager beim Umbau des Konzerns erzielt hat.
4. September: Angesichts von Turbulenzen an den Aktienmärkten verschiebt Siemens den geplanten Börsengang von Osram.

Umsetzen soll dies ein neuer Medizintechnik-Chef. Herman Requardt verlässt den Konzern „im gegenseitigen Einvernehmen“. Vorsitzender der Geschäftsführung wird Bernd Montag, im Vorstand betreut künftig Technologievorstand Siegfried Russwurm die Medizintechnik. Montag soll die Sparte als eigenständiges Geschäft im Konzern neu aufstellen, erklärte Vorstandschef Kaeser. Montag leitet derzeit das Geschäft Imaging und Therapie innerhalb der Medizintechnik.

Im Gegenzug gibt Russwurm die Personalverantwortung ab. Neuer Personalvorstand wird Janina Kugel. Die Führungskräfte-Entwicklerin gehört zu Kaesers Küchenkabinett und lief sich schon seit längerem für höhere Aufgaben warm.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

27.01.2015, 08:43 Uhr

Siemens hat am deutschen Heimatmarkt ein sehr Großes Problem und dieses Problem heißt Grün-Sozialistische Planwirtschaft im Energiebereich. Die Energiewende mit ihrem marktfeindlichen Subventions-Abgabenzwangsgestz EEG belastet nicht nur die Marktwirtschaftlichen Zahlen von EON, RWE, ENBW, Thyssen Krupp und anderen Industrien in Deutschland, sondern eben auch den Elektro-Energiekonzern Siemens. Energiewende/EEG = erst kommt die Lüge, dann der Betrug/Selbstbetrug, danach der Mangel und zum Schluss die Armut für das Volk.

Herr Johannes Drude

27.01.2015, 09:46 Uhr

Sehr geehrter Herr Hofmann,
die ominöse "Grün-Sozialistische Planwirtschaft" gab es nur von 1998 bis 2005.
Das Problem, dieses Wort benutzte ich mit voller Absicht, liegt aber in der Tat in der Politik.
Am ineffizienten Standort Erlangen wird schon seit Jahren festgehalten, alleine aus politischen Gründen. Vernünftig wäre es, diesen Standort zu verlegen. Und zwar viel schneller, als es bisher geschieht.
Ich hoffe sehr, die Aktionäre werden diesen, zugegeben heiklen Punkt, endlich einmal offen diskutieren.
Unterm Strich, wirklich gerechnet, spricht, wirtschaftlich, nichts für Erlangen.
Man könnte meinen, Griechenland ist überall...

Herr Vittorio Queri

27.01.2015, 10:13 Uhr

>> Kaeser tauscht Chefs aus >>

So langsam wird es für den Josef Käser Zeit, sich Gedanken über die 3 obligatorischen Briefe zu machen.

Die Zeit des Ersten Briefes, nach dem er ALLES auf den Vorgänger schieben konnte, war bereits abgelaufen.

Die Zeit des zweiten Briefes, nach dem er Zeit für die Neuausrichtung brauchte, ist jetzt wohl auch vorbei.

Also ist die Zeit des dritten Briefes angelaufen, in dem unmissverständlich steht, dass er die 3 Briefe zu verfassen und seinem Nachfolger zu übergeben hat.

So ist halt das Leben, Jo Kaeser ! Durch den neuen, amerikanischen Klang seines Namens entstehen noch lange keine Führungsqualitäten und Berufungen für höhere Aufgaben.

Erbsenzähler bleibt Erbsenzähler !

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