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01.08.2013

13:37 Uhr

Siemens

Kapitalmarkt hat große Forderungen an Kaeser

Die Meinungen am Kapitalmarkt über den neuen Siemens-Chef Joe Kaseser gehen auseinander. Fest steht: Die Erwartungen an ihn sind groß. Er brauche ein paar schnelle Siege und müsse den Konzern umbauen.

Er will Aufbruchsstimmung vermitteln. Der neue Siemens-Chef Joe Kaeser. dpa

Er will Aufbruchsstimmung vermitteln. Der neue Siemens-Chef Joe Kaeser.

Investoren und Analysten verlangen vom neuen Siemens-Chef Joe Kaeser schnell Klarheit über seine Ziele. „Innerhalb des Vorstands war er wahrscheinlich der beste Kandidat für die Rolle. Er ist anerkannt für seine Erfolge bei Portfoliobereinigung und dem Sparprogramm“, lobte Analyst Gael de-Bray von der Societe Generale. „Die Umsetzung des Programms war allerdings relativ langsam und die Probleme bei der Projektumsetzung fressen sich weiterhin in die Bilanz. Das legt nahe, dass die Risikokontrolle gestärkt werden muss.“ Kaeser hatte am Mittwoch zu seinem Amtsantritt erklärt, es gehe ihm vor allem um die Beruhigung des von immer neuen Sparrunden verschreckten Konzerns. Renditen und neue Umbauprogramme hätten keine Priorität.

Die Experten der Deutschen Bank fordern dennoch von ihm eine Verschlankung des Technologieriesen. „Es ist an der Zeit, mit den unfertigen Geschäftsfelder abzuschließen. Obwohl Siemens in den letzten zehn Jahren fokussierter und profitabler geworden ist, gibt es noch viele offene Flanken. Wir denken, Siemens orientiert sich immer noch zu stark am Wachstum und ist zu mannigfaltig. Wir hoffen, dass der neue CEO beide Probleme angeht.“

Die Stärken und Schwächen von Siemens

Solide Kapitalstruktur

Die Finanzschulden sind zum Ende des Geschäftsjahres 2011/12 im Vorjahresvergleich zwar gestiegen, die Bilanzrelationen bleiben aber solide. So lag die Nettoverschuldung zum 30. September 2012 bei 9,3 Milliarden Euro, 4,3 Milliarden über dem Vorjahr. Im Verhältnis zum Eigenkapital macht diese nun etwa 30 Prozent aus.

Umweltportfolio wächst

Siemens sieht sich als Weltmarktführer bei Umwelttechnologien. Der Ausbau des grünen Portfolios ist seither eine Kernstrategie von Konzernchef Peter Löscher. Bislang mit Erfolg: Seit dem Geschäftsjahr 2007 ist der Umsatz des Umweltportfolios im Schnitt um 14 Prozent pro Jahr auf zuletzt gut 33,2 Milliarden Euro gestiegen. Das sind 42 Prozent des Konzernumsatzes. Bis 2014 sollen es über 40 Milliarden Euro werden.

Stabile Dividenden

Die Dividenden-Rendite war bei Siemens über lange Jahre bescheiden. Erst Löscher hob die Ausschüttungsquote deutlich an. So können sich die Aktionäre auch in diesem Jahr freuen: Obwohl der Gewinn 2011/12 sank und der Konzern sparen muss, will Siemens eine stabile Dividende von drei Euro je Aktie bezahlen. Das entspricht einer Ausschüttungssumme von rund 2,5 Milliarden Euro. Bezogen auf den Gewinn nach Steuern liegt die Ausschüttungsquote bei 56 Prozent.

Margen bröckeln

Für 2010/11 hatte Siemens ein operatives Rekordergebnis von mehr als neun Milliarden Euro vorgelegt. In Relation zum Umsatz entsprach das einer Rendite von 12,8 Prozent. Halten konnten die Münchener das Niveau nicht. Im abgelaufenen Geschäftsjahr schrumpfte die Marge wieder auf 9,5 Prozent.

Rückläufiger Auftragseingang

Wichtige Konkurrenten wie General Electric wuchsen zuletzt oft schneller, auch weil sie akquisitionsfreudiger waren. Organisch sind kurzfristig bei Siemens keine Wachstumssprünge zu erwarten: Der Auftragseingang, Indikator für die Umsätze von morgen, sank im vergangenen Geschäftsjahr um 13 Prozent auf knapp 77 Milliarden Euro.

Sonderlasten drücken den Gewinn

Probleme mit Großprojekten gelten als typische Siemens-Krankheit. Auch unter Vorstandschef Peter Löscher hat sich daran nicht viel geändert. Ärgerlichstes Beispiel 2011/12: Die Probleme bei der Anbindung der Offshore-Windparks an das Stromnetz. Die Verzögerungen belasten den Konzern bislang mit 570 Millionen Euro. Die Verzögerungen im finnischen Atomkraftwerk Olkiluoto kosten ebenfalls seit Jahren viel Geld. Und die verspätete Auslieferung der neuen ICE-Generation könnte für Siemens laut Branchenschätzungen etwa 100 Millionen Euro teuer werden.

Der Kapitalmarkt hält überhaupt nichts von der der Forderung der Arbeitnehmervertreter, dass bei den Münchnern künftig der „Mensch vor Marge“ gehen müsse. „Seine dringlichste Aufgabe wird sein, die Siemensianer noch mehr als bisher von der Notwendigkeit eines durchgreifenden und nachhaltig profitablen Konzernumbaus zu überzeugen. Siemens muss schneller, flexibler und zuverlässiger werden, um den Rückstand bei Profitabilität und Wachstum im Vergleich zur Konkurrenz aufzuholen“, fegt Fondsmanager die Sehnsucht nach Sicherheit der Belegschaft vom Tisch. Analyst Andrew Carter von RBC Capital Markets ist sich gewiss, dass Kaeser trotz aller Beschwichtigungen weiter die Rendite in hohen Ehren halten werde. „Kaesers Ernennung beseitigt eine gewisse Unsicherheit. Er tritt sofort an und wir rechnen nicht damit, dass er sich komplett von den Margenziele für 2014 abwendet, da er zur Zeit der Prognose schon Finanzchef war.“

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