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22.09.2014

14:49 Uhr

Siemens-Konzernumbau

Kaeser geht mit kleinen Schritten voran

VonDana Heide

Die Investoren waren schon unruhig, jetzt schafft Siemens-Chef Kaeser gleich zwei Befreiungsschläge an einem Tag. Die Bilanz fällt dennoch ernüchternd aus. Kaeser vollzieht den großen Umbau in kleinen Schritten.

Siemens-Chef Joe Kaeser: Eins nach dem anderen. dpa

Siemens-Chef Joe Kaeser: Eins nach dem anderen.

Düsseldorf„Ich persönlich stehe Ihnen dafür gerade, dass die nachfolgende Generation ein besseres Unternehmen weiterführen kann. Das ist meine Vision. Das ist meine Verantwortung. Das ist mein Versprechen“ – mit diesen großen Worten hatte Siemens-Chef Joe Kaeser im Mai seine „Vision 2020“ vorgestellt. Bis vor ein paar Tagen sah es so aus, als hätte er den Mund zu voll genommen.

Jetzt gelingt es ihm dennoch mit zwei kleinen Coups die Anleger etwas zu besänftigen: Kaeser verkauft den 50-prozentigen Anteil an der ungeliebten Hausgeräte-Sparte BSH und kauft einen amerikanischen Energiespezialisten zu, mit dem er vom Frackingboom in den USA profitieren will.

Vergangene Woche noch hatten mehrere Fondsmanager im Handelsblatt Kaeser zu entschlossenerem Handeln aufgefordert. „Herr Kaeser muss jetzt liefern, die Schonfrist ist vorbei“, sagte Christoph Niesel, Fondsmanager bei Union Investment. Daniela Bergdolt, Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, forderte: „So langsam wollen wir einen Kaeser-Effekt sehen.“

So krempelt Kaeser Siemens um

Größter Umbau seit Jahren

Erst Ruhe und Ordnung, dann der größte Umbau seit Jahren: Ab Mai 2014 packt Siemens-Chef Joe Kaeser überraschend viel an bei Deutschlands größtem Elektrokonzern. Von der Auflösung der Sektoren bis zum weiteren Vorstandsumbau - das Großreinemachen bei Siemens hat begonnen. Und ganz nebenbei traute sich Kaeser noch eine milliardenschwere Übernahme des französischen Industrierivalen Alstom zu und wagte sich dafür in ein Bietergefecht mit dem US-Rivalen General Electric (GE).

Was soll sich bei Siemens verändern?

Die von Kaesers Vorgänger Peter Löscher eingeführte Einteilung in die vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur & Städte sollte ab Oktober 2014 Geschichte sein, das Geschäft in neun statt bisher 16 Divisionen zusammengefasst werden. Für die Hörgeräte-Sparte, für die vor Jahren ein Verkauf platzte, plant Siemens einen Börsengang. Die restliche Medizintechnik bleibt zwar im Konzern - sollte aber ab Oktober eigenständig außerhalb der neun Divisionen geführt werden und damit unabhängig vom Organisationsaufbau des restlichen Konzerns. Hinzu kommt der Zukauf des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts vom Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce.

Wen treffen die Veränderungen?

Siemens hatte per Sparprogramm 15.000 Stellen gestrichen. Betroffen vom weiteren Umbau sollten vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung sein. Im Zuge des Umbaus gab aber auch der bisher für den Energiesektor zuständige Vorstand Michael Süß seinen Posten an die Shell-Managerin Lisa Davis ab. Süß war 2013 zeitweise sogar als möglicher Nachfolger Löschers gehandelt worden, der nach zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge Ende Juli 2013 Jahres seinen Hut nehmen musste.

Was will Kaeser mit dem Umbau erreichen?

Weniger Bürokratie, schlankere und übersichtlichere Strukturen, eine straffere Führung und mehr Kundennähe dürften zu Kaesers wichtigsten Zielen gehören. Ausdrücklich will er den Konzern auf die Wachstumsfelder Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung ausrichten. Siemens braucht wieder Anschluss an Wettbewerber wie den US-Mischkonzern GE, dem die Münchner seit Jahren in Sachen Rendite hinterherhecheln. Auch in der Akquisitionspolitik will Kaeser nach Rückschlägen seines Vorgängers Löscher zeigen, dass er es besser kann. Vielversprechende Geschäftsfelder stärken und weniger Zukunftsträchtiges abstoßen, heißt dabei seine Devise. Und ganz nebenbei bringt der Umbau weitere Einsparungen: Bis zum Herbst 2016 sollen die Kosten um eine Milliarde Euro sinken.

Welche Rolle spielte der Poker um Alstom?

Beide Baustellen haben zunächst wenig miteinander zu tun. Die Pläne für den Umbau, den Kaeser dem Aufsichtsrat vorlegte, reiften spätestens seit dem Wechsel des früheren Finanzvorstands an die Spitze von Siemens. Wären die Münchner bei den Franzosen zum Zuge gekommen, hätte Kaeser wohl ein weiteres Mal größere Umbauarbeiten beginnen müssen.

Fast ein Jahr ist es inzwischen her, dass Joe Kaeser die Führung von Siemens von seinem früheren Chef Peter Löscher übernommen hat – und einen großen Umbau ankündigte. „Die Siemens AG wird sich künftig entlang der Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung aufstellen“, ließ Kaeser damals mitteilen. Ab 1. Oktober soll die neue Struktur, die er dem Traditionskonzern auferlegt hat, gelten.

Viel Wirkung gezeigt haben seine bisherigen Bemühungen bis dato jedoch noch nicht. Der Umsatz fiel im dritten Quartal um 4 Prozent niedriger aus, der Auftragseingang lag um 3 Prozent unter dem Vorjahresquartal, wie das Unternehmen mitteilte. Vor allem der Energiebereich macht Kaeser Sorgen: „Während wir in den meisten Bereichen gute Fortschritte erzielt haben, steht der Sektor Energy vor anhaltenden Herausforderungen in den nächsten Quartalen.“ Eigentlich wollte Kaeser den Energiebereich mit dem französischen Unternehmen Alstom aufpäppeln. Doch im Juni hatte er gegen GE-Chef Immelt das Nachsehen und verlor den wochenlangen Bieterkampf um das Unternehmen.

Kaeser will sich stärker in die USA orientieren, die Medizinsparte hat er bereits verkleinert, die Zukunft für den Konzern liegt im Geschäft mit anderen Unternehmen – mit dem Verkauf der Hausgerätesparte BSH an Bosch hat Siemens sein Geschäft mit Privatkunden nun restlos aufgegeben. „Mit dem Verkauf unseres BSH-Anteils treiben wir die Fokussierung auf unser Kerngeschäft weiter sehr konsequent voran“, betonte Ralf P. Thomas, Finanzvorstand von Siemens.

Kommentare (6)

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Sergio Puntila

22.09.2014, 15:21 Uhr

Löscher wie Kaeser agieren wie Klamotten.
Der andere große Versager ich weiß garnicht wie der heißt.
Cromme hatte die Truppe gründlich in den Dreck gefahren:
Sowas geht umso besser wenn man Bauer sucht Frau spielt.

Warum sollte mich so ein Scheiß aufregen?

Sergio Puntila

22.09.2014, 15:29 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Andreas Glöckner

22.09.2014, 15:50 Uhr

Damit ist die Debatte um Fracking in Deutschland zwar noch nicht beendet. Aber diese dürfte doch in erheblich abgeschwächter Weise weiterlaufen.

Fracking wurde in Deutschland zum Thema, weil Siemens einen Absatzmarkt gesucht hat, auf dem es seine Technologie verkaufen kann. Ein Deutsches Unternehmen. Was für eine Geschichte.

Genauso peinlich ist der Affront gegen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (jeder weiß, wie dessen Partei heißt). Die Deutsche Rüstungsindustrie droht damit, die Produktion ins Ausland zu verlagern. Pleiten, Pech und Pannen und dann noch Geld machen wollen. Das kennt man sonst nur vom öffentlichen Rundfunk. Da fällt mir noch etwas ein: in wessen Partei sitzen die Lobbyisten eigentlich, die ihre Waffen an den deutschen Steuerzahler verkaufen wollen?

Innovationskraft hier, Wettbewerb da, Fortschritt und Ertrag. - Einen Moment mal: Ertrag? Wenn der Staat die bestehenden Innovationen finanzieren soll, dann nur, um wettbewerbsfähig zu sein. Er steht in harter Konkurrenz mit Ländern wie Frankreich, England, Italien, Spanien und Griechenland. Und der bestehende Dauerauftrag des Wählers: in den Art. 73 Nr. 1 - 14 GG und Art. 74 Nr. 1 - 33 GG in Buchstaben geronnen und im Bundesfinanzministerium mit 2.2 Billionen € wertgeschätzt. Noch mehr ins Fracking investieren und noch weniger in die besagten Aufgabenbereiche, die vom Staat aufgeschrieben und bewältigt werden müssen. Danke dafür. Vor allem aber auch dafür, dass ein Deutsches Unternehmen Umweltzerstörung bei einem seiner Bündnispartner betreibt. Frei nach dem Motto: ihr verteidigt unsere Staatsgrenzen und wir zerstören eure Umwelt dafür. - Ein großer Ertrag mit Innovationskraft. Und der Staat kommt auch zu kurz dabei.

Alles richtig gemacht soweit. Schade ist nur, dass weder Umweltzerstörung noch die asymetrische Kriegsführung gegen die USA wirklich gewollt sind. Kaeser ist damit ein Manager von gestern. Und Siemens ein deutscher Konzern,den sich der deutsche Steuerzahler wohl abschreiben kann.

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