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27.11.2013

19:18 Uhr

Siemens

Löscher erhält 17 Millionen Euro Abfindung

Der vorzeitige Abgang des ehemaligen Konzern-Chefs kommt Deutschlands größten Elektrokonzern teuer zu stehen: Peter Löscher bekommt von Siemens rund 17 Millionen Euro Abfindung.

Der ehemalige Siemens-Vorstandsvorsitzende Peter Löscher erhält eine Millionenabfindung. dpa

Der ehemalige Siemens-Vorstandsvorsitzende Peter Löscher erhält eine Millionenabfindung.

München
Der frühere Siemens-Chef Peter Löscher kassiert nach seinem vorzeitigen Abgang von der Konzernspitze fast 15 Millionen Euro Abfindung. Hinzu kommt eine Sonderzahlung zur Altersversorgung von gut 2,2 Millionen Euro, wie aus dem Geschäftsbericht des Elektrokonzerns für 2012/13 (30. September) hervorgeht, der am Mittwoch in München veröffentlicht wurde. Löscher hatte Ende Juli nach zwei Gewinnwarnungen in Folge und einem Machtkampf seinen Posten geräumt. Sein Vertrag wäre eigentlich noch bis 2017 gelaufen. Seither führt Joe Kaeser Deutschlands größten Elektrokonzern.

Mit neuen Höchstgrenzen für die Vorstandsgehälter will Siemens derweil die Regeln zur guten Unternehmensführung („Corporate Governance“) umsetzen. Mit der Umstellung, die komplizierte Regelungen umfasst, soll vermieden werden, dass etwaige sprunghafte Aktienkurssteigerungen zu unverhältnismäßigen Gehaltssprüngen für die Manager führen. Nach einer Beispielrechnung im Geschäftsbericht des Unternehmens würde sich etwa eine absolute Obergrenze für die Vergütung von Konzernchef Kaeser von derzeit 9,5 Millionen Euro ergeben. Schon bisher gab es im Siemens-Vergütungssystem eine Begrenzung für Boni und aktienbasierte Vergütungen, die aber die künftige Aktienkursentwicklung noch nicht einbezog.

Auch der vorzeitige Abgang von Siemens-Vorstand Peter Solmssen wurde am Mittwoch besiegelt. Die Verkleinerung des Führungsgremiums kommt damit zum Abschluss. Der für Compliance und Recht zuständige Solmssen verlässt das Gremium zum Jahresende einvernehmlich, wie Siemens mitteilte. Solmssens Ressort wird künftig direkt Konzernchef Kaeser zugeordnet. Neuer Chefjustiziar und Leiter der Rechts- und Compliance-Abteilung werde Andreas Christian Hoffmann. Er soll direkt an Kaeser berichten und nicht mehr im Rang eines Vorstands tätig sein.

Die Ära Löscher: Wie sich Siemens verändert hat (Teil 1)

Abgang

Peter Löscher war der erste Siemens-Boss, der von außen kam. Schon zu seinem Amtsantritt warnten Aktionärsschützer, es werde dem Manager schwerfallen, eine Hausmacht in dem komplexen Konzern aufzubauen. Doch seine Erfolge überdeckten alle Zweifel - zumindest in der ersten Halbzeit. Deutlich vor seinem Vertragsende 2017 musste der Fußballfan Löscher im Jahr 2013 vom Platz.

Quelle: dpa

Seine Aufgabe

Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Crommee präsentierte 2007 überraschend den in Deutschland unbekannten Pharmamanager Peter Löscher als Nachfolger von Klaus Kleinfeld. Löscher beginnt seinen Job am 1. Juli 2007. Vor allem muss er die milliardenteure Schmiergeldaffäre in den Griff bekommen. Dabei geht es um eine Reihe von Korruptionsvorwürfen, die seit 2006 rund um schwarze Kassen in dreistelliger Millionenhöhe von der Staatsanwaltschaft aufgedeckt worden waren.

Eine neue Struktur

5. Oktober 2007: Der neue Chef verpasst dem Konzern eine neue, schlankere Struktur, die auf den drei Säulen Infrastruktur, Energie und Gesundheit beruht. Darüber installiert er einen kleineren Vorstand.

Gewinneinbruch

30. April 2008: Löscher muss gleich für sein erstes komplettes Geschäftsjahr die Jahresprognose nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal kassieren. Am 8. Juli setzt Löscher den Rotstift an und streicht fast 17.000 Stellen im Konzern, mehr als 5.000 davon in Deutschland. Er will die Kosten um 1,2 Milliarden Euro senken.

Die Schmiergeldaffäre

15. Dezember 2008: Siemens einigt sich mit den US-Behörden auf ein Strafmaß für die Schmiergeldaffäre - damit ist der größte Brocken des Skandals aus dem Weg geräumt. Ein weiteres Jahr später einigt sich Siemens mit früheren Managern auf millionenschweren Schadenersatz für die Schmiergeldaffäre und schließt dieses Kapitel damit weitgehend ab.

Gewinnwarnung, Stellenstreichung und Rekordwerte

29. April 2009: Anders als zunächst erhofft muss Löscher angesichts ausbleibender Aufträge in der Krise doch die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr kappen.

28. Januar 2010: Nach einem überraschend guten Start ins Jahr schockt Löscher die Belegschaft mit neuen Plänen für Stellenstreichungen. 2000 Jobs in Deutschland sollen wegfallen.
11. November 2010: Löscher kann für das Geschäftsjahr 2009/2010 Rekordwerte präsentieren. Er selbst kassiert in diesem Jahr fast 9 Millionen Euro Salär.

Siemens wird umgebaut

25. Januar 2011: Auf der Hauptversammlung loben Aktionäre Löscher für den Konzernumbau und seine Politik insgesamt. Es ist vermutlich das erfreulichste Aktionärstreffen für den Manager.
29. März: Löscher baut weiter um und will einen vierten Sektor für Infrastruktur und Städte schaffen, die Lichttochter Osram soll an die Börse gebracht werden.
27. Juli: Der Aufsichtsrat von Siemens verlängert den Vertrag mit Löscher vorzeitig bis 2017 - vor allem wegen der Erfolge, die der Manager beim Umbau des Konzerns erzielt hat.
4. September: Angesichts von Turbulenzen an den Aktienmärkten verschiebt Siemens den geplanten Börsengang von Osram.

Der 58-jährige Solmssen gehört der Siemens-Führung seit Oktober 2007 an und ist eigentlich bis März 2017 zum Vorstand bestellt. Sein vorzeitiger Abschied hatte sich aber bereits in den vergangenen Wochen abgezeichnet. So verlor er zuletzt die Zuständigkeit für den amerikanischen Markt. Der Manager galt als letzter Vertrauter Löschers in der Siemens-Führung.

Nach dem milliardenschweren Schmiergeldskandal bei Siemens verantwortete Solmssen unter anderem den Aufbau des Systems für Regeltreue im Unternehmen (Compliance). „Herr Solmssen ist in schwieriger Zeit zu Siemens gekommen und hat großen Anteil an der Aufarbeitung der Compliance-Affäre des Unternehmens“, erklärte Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. In Medien wurde bereits spekuliert, dass Solmssen in die USA zurückkehren wolle.

Die Ära Löscher: Wie sich Siemens verändert hat (Teil 2)

Gewinneinbruch

24. Januar 2012: Der Start ins neue Jahr misslingt, der Gewinn bricht ein. An seinen Zielen für das Jahr hält Löscher aber fest.
25. April: Es hilft nichts: Löscher muss erneut eine Prognose kassieren. Neben Lieferschwierigkeiten bei Zügen sind es vor allem Probleme bei der Windkraft. Löscher räumt Fehler ein.
1. Juli: Löscher hat die erste Amtszeit hinter sich. Vor allem gibt es Lob. Betriebsrat, Gewerkschaft und Aktionärsschützer stellen Löscher ein überwiegend positives Zeugnis aus.

Kritik an Löscher

26. Juli 2012: Wieder wackelt eine Prognose. Ein klassischer Osram-Börsengang wird ganz abgesagt, es läuft nicht rund. Löscher verkündet ein neues Sparprogramm. Die Kritik an seiner Führungsarbeit wird lauter.
8. November: Löscher muss einen Gewinneinbruch bekanntgeben und präzisiert sein Sparprogramm mit dem Namen Siemens 2014. Um sechs Milliarden will er die Kosten drücken, wie viele Stellen das kosten soll, sagt er nicht.
Dezember/Januar: In Medien wird Löschers Zukunft bei Siemens infrage gestellt. Etliche Indiskretionen scheinen aus dem Unternehmen selbst zu kommen. Sogar von einer drohenden Revolte ist zu lesen.

Löscher wehrt sich

18. Januar 2013: Im Interview mit dpa wehrt sich Löscher gegen die Vorwürfe. Gerüchte über seinen Abschied oder eine Revolte weist er weit von sich.

Gewinnziel fällt

2. Mai 2013: Wieder muss Löscher ein Gewinnziel in den Wind schreiben. Die Kritik bringt den Konzernchef weiter in Bedrängnis.

Holpriger Börsengang

8. Juli 2013: Im dritten Anlauf schafft der Lichtspezialist Osram den Börsenstart. Statt eines klassischen Börsengangs erhalten die Siemens-Aktionäre für je 10 Papiere des Elektrokonzerns eine Osram-Aktie.

Blamage

25. Juli 2013: Es ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: Löscher muss auch das langfristige Gewinnziel für 2014 kappen, das ein Kern seines Sparprogramms war.

Das Ende

31. Juli 2013: Löscher muss gehen. Die Aufsichtsräte beschließen bei ihrer regulären Sitzung seine vorzeitige Ablösung. Eine Mehrheit der Aufseher ist für Siemens-Finanzchef Joe Kaeser als Nachfolger.

Der promovierte Rechtswissenschaftler Hoffmann kam 2008 als Chefjustiziar in den Siemens-Industriesektor und wechselte 2010 in gleicher Funktion in die zentrale Finanzabteilung des Unternehmens. Zuvor war er in verschiedenen internationalen Anwaltskanzleien und Unternehmen tätig, darunter bei BMW und dem Siemens-Konkurrenten General Electric.

Vor einigen Wochen hatte auch die frühere Siemens-Personalchefin Brigitte Ederer nach Streit mit den Arbeitnehmervertretern das Unternehmen verlassen. Sie bekommt laut Geschäftsbericht 5,6 Millionen Euro Abfindung plus knapp 900 000 Euro Sonderbeitrag zur Altersversorgung. Hinzu kam der Abschied der für den Einkauf zuständigen Schweizerin Barbara Kux. Mit Solmssens Abgang wird die Siemens-Führung von bisher zehn auf sieben Mitglieder reduziert.

Von

dpa

Kommentare (13)

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hth

27.11.2013, 18:23 Uhr

Das Reuters-Foto zeigt allerdings gerade den aktuellen Siemens-Chef Joe Kaeser ...

Nachwuchs

27.11.2013, 18:33 Uhr

Wieder ein Minilohn für einen großartigen Manager. Wie war das mit dem Mindestlohn??

Account gelöscht!

27.11.2013, 18:43 Uhr

Danke für den Hinweis. Wir haben den Fehler korrigiert.

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