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12.05.2015

18:04 Uhr

Siemens

Mitarbeiter protestieren gegen Jobabbau

Siemens-Chef Kaeser hat jüngst bekanntgegeben, dass allein in Deutschland weitere 2200 Jobs wegfallen sollen. Hintergrund sind die Schwierigkeiten in der Stromerzeugungs-Sparte. Die Mitarbeiter gehen auf die Straße.

Siemens streicht tausende Arbeitsplätze

„Leider muss an den Mitarbeitern gespart werden"

Siemens streicht tausende Arbeitsplätze: „Leider muss an den Mitarbeitern gespart werden"

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München/FrankfurtArbeitnehmervertreter wollen den neuerlichen Stellenabbau bei Siemens nicht ohne Widerstand hinnehmen. Für den 9. Juni plant die Gewerkschaft IG Metall einen bundesweiten Aktionstag an allen Standorten des Elektrokonzerns, wie Beratungen von Betriebsvertretern am Dienstag in Frankfurt ergaben. Bei Kundgebungen, Flugblattaktionen und anderen Veranstaltungen wollen die Arbeitnehmervertreter ihrem Unmut über die weiteren Einschnitte bei dem Unternehmen Luft machen.

Konzernchef Joe Kaeser hatte vergangene Woche bekanntgegeben, dass über den Abbau von insgesamt 9000 Arbeitsplätzen durch den Konzernumbau und wegen der Probleme im Energiegeschäft hinaus noch einmal 4500 Jobs weltweit wegfallen sollen, davon 2200 in Deutschland. Hintergrund sind die anhaltenden Schwierigkeiten in der Stromerzeugungs-Sparte (Power & Gas) sowie die Sanierung ertragsschwacher Geschäfte. Wie sich die Einschnitte auf die einzelnen Standorte verteilen, blieb zunächst offen.

Was mal alles Siemens war

Ein Konzern im steten Wandel

Was hat Siemens nicht schon alles hergestellt. Telefone, Computer, Halbleiter oder Geldautomaten. Der Konzern, 1847 als Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske in Berlin gegründet, hat sich seither gründlich und stetig gewandelt. Geschäfte kamen hinzu, andere verschwanden. Die Liste prominenter Abgänge ist lang. Eine Auswahl früherer Siemens-Geschäfte.

Halbleiter

Die heftigen Turbulenzen auf dem Markt veranlasste Siemens, das Geschäft abzuspalten - der Halbleiterhersteller Infineon wurde 1999 an die Börse geschickt.

Telekommunikation

Zwar war Siemens als Telegraphen-Hersteller gegründet worden, doch der rasche Wandel auf dem Telefonmarkt überforderte den Konzern. Lange bevor Nokia den Anschluss an Apple auf dem Handymarkt verlor, musste Siemens Mobile trotz zunächst großer Erfolge einst Nokia ziehen lassen. Das Geschäft mit Mobiltelefonen gab Siemens 2005 an den BenQ-Konzern ab. Nur wenig später musste der die Produktion einstellen. Das Geschäft mit schnurlosen Telefonen für daheim verkaufte Siemens 2008 an Arques.

Netzwerke

Auch das Ausrüstungsgeschäft für Netzwerke trennte Siemens heraus und brachte das Geschäft 2007 in eine gemeinsame Firma mit Nokia unter dem Namen NSN ein.

Computer

Unter dem Namen Siemens Nixdorf baute Siemens einst nicht nur Geldautomaten, sondern auch Computer. Diesen Teil brachte Siemens in ein Joint Venture mit dem japanischen Hersteller Fujitsu ein und zog sich 2009 daraus zurück. Die Sparte mit Kassensystemen und Geldautomaten wurde zehn Jahre zuvor an Investoren verkauft und wurde 1999 als Wincor Nixdorf weiter geführt und an die Börse gebracht.

Auto

Wechselvoll ist auch die Geschichte, die Siemens als Autozulieferer erlebt hat. So hat der Konzern 2001 den Zulieferer VDO übernommen und mit dem eigenen Autogeschäft zusammengeführt. Nach einer Ein- und wieder Ausgliederung sollte VDO eigentlich an die Börse gebracht werden, ging aber dann 2007 im Wege eines Verkaufs an den Autozulieferer Continental.

Licht

Osram ist das jüngste Beispiel für ein Modell der Trennung. Das traditionsreiche Licht-Unternehmen gehörte lange zu Siemens. Angesichts milliardenschwerer Herausforderungen, etwa für die Entwicklung neuer Produkte nach dem Aus für die Glühbirne, wollte Siemens die Tochter mit einem Börsengang in die Freiheit entlassen - und dafür Milliarden einsammeln. Das klappte nicht, stattdessen buchte Siemens seinen Aktionären Osram-Aktien ins Depot, ein Börsengang light sozusagen. Seit 2013 ist Osram selbstständig.

Zu den am stärksten betroffenen Standorten dürfte aber Mülheim in Nordrhein-Westfalen gehören, wo laut Betriebsrat insgesamt 950 Stellen gestrichen werden sollen. Auch in Berlin sind laut IG Metall hunderte Stellen bedroht. In Erlangen soll es dagegen um weniger als 100 Stellen gehen. Die Stromerzeugung von Siemens hat darüber hinaus Standorte in Offenbach am Main, Görlitz, Erfurt und Essen. Siemens kämpft in der Sparte mit Preisverfall und einer Nachfrageflaute bei großen Gasturbinen. Die Gewerkschaft hatte mit deutlicher Kritik auf die Pläne reagiert. Das Management bei Problemen „reflexartig an der Schraube der Personalkosten“, erklärte sie und pochte auf bestehende Vereinbarungen zur Standort- und Beschäftigungssicherung.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Herr Wolfgang Trantow

12.05.2015, 19:39 Uhr

Jobabbbau? Warum wirft man die unfähigen, firmenschädigen Manager nicht fristlos raus und verklagt Sie auf Schadenersatz. Jeder Jobverlust ist nur der Beweis für die Unfähigkeit der Manager. Diese müssen sehr hart, extrem hart für Ihre vorsätzliches Versagen bestraft werden bis hin zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte, Staatsbürgerschaft und Vermögen. Wieso wird vorsätzliches Versagen der Manager noch doch Boni belohnt????? Nur der Manager, der die Firma komplett erhält und Menschen einstellt, darf Gehalt erhalten!!! Boni ist generell zu verbieten, da der Arbeitsvertrag besagt: Zum Wohl der Firma und nicht zum Schaden, Vernichtung der Firma tätig zu sein!

Herr Christian K.

13.05.2015, 09:33 Uhr

... Zumal der Konzernumbau von Joe Kaeser alles andere als erfolgversprechend scheint, wenn ich daran denke, dass er einen Erdölausrüster in den USA für zig Milliarden zukauft, wo doch diese Branche bei den niedrigen Preisen selbst schwächelt und wo letztere und viele Energiekonzerne
aus diesem Grund Personal abbauen und schrumpfen. Worin soll da das potenzielle Wachstum liegen ? In der heutigen Zeit künftige Gewinne auf Erdöl zu setzen ist sowieso nicht besonders sinnvoll, zumal das Rohstoffvorkommen im Gegensatz zu erneuerbaren Energie sehr begrenzt ist.
Innovation und Forschung werden dort zurückgefahren, der erneuerbaren Energie der Rücken gekehrt. Es ist zu befürchten, wenn es dort so in diesem Stile weitergeht, dass dieser Konzern eines Tages ein Nokia Schicksal erleiden wird, und nur deshalb weil einfach dort auf die falschen Pferde gesetzt wurden. Wer wird dann die Verantwortung dafür übernehmen ? Dann fallen so Floskeln wie "Der Markt war Schuld" !

Herr Christian K.

13.05.2015, 11:04 Uhr

.... Ein weiteres Beispiel für schlechtes Management aus dem Hause Siemens sieht man an der 100% Tochter Osram. Seinerzeit ein führendes Unternehmen in der Lichttechnologie hat es verschlafen rechtzeitig auf die LED Technologie zu setzen. Jetzt haben die Mitbewerber in dieser Technologie Osram längst um weiten überholt.... .

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