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20.07.2015

11:43 Uhr

Siemens-Rivale

Alstom überrascht mit Aufträgen und Umsatz

Der Elektrokonzern Alstom macht bessere Geschäfte. Im abgelaufenen Quartal kletterte der Umsatz auf 1,6 Milliarden Euro. Der französische Siemens-Konkurrent verhandelt noch immer über den Verkauf seiner Energiesparte.

Der TGV ist der bekannteste Zug von Alstom. Der Konzern profitiert derweil von einem guten Bahngeschäft. Reuters

Alstom

Der TGV ist der bekannteste Zug von Alstom. Der Konzern profitiert derweil von einem guten Bahngeschäft.

ParisBeim französischen Industriekonzern Alstom laufen die Geschäfte mit Zügen und Bahntechnik überraschend gut. Vor dem Verkauf seiner Energiesparte an den US-Rivalen General Electric (GE) steigerte Alstom den Umsatz in seiner verbleibenden Bahn-Sparte im abgelaufenen Quartal um acht Prozent auf 1,6 Milliarden Euro, wie der Hersteller der TVG-Hochgeschwindigkeitszüge am Montag mitteilte. Getragen wurde die Entwicklung hauptsächlich vom Heimatmarkt, Italien und Deutschland, sowie Verkäufen nach Großbritannien.

Der Umsatz des Siemens-Konkurrenten war ebenso wie der Auftragseingang höher als gedacht. Dieser lag im Quartal mit zwei Milliarden Euro zwar deutlich unter dem Vorjahreswert, als ein Geschäft in Südafrika das Volumen auf 4,8 Milliarden Euro gehoben hatte. Doch das Ordervolumen liege 23 Prozent über dem im Schnitt erwarteten Wert, der Umsatz zwei Prozent darüber, schrieben Analysten des Bankhauses UBS. Der Verkehrs- und Transportmarkt sei einer der wenigen gesunden heutzutage. Alstom-Aktien stiegen am Montag um ein Prozent.

Was GE mit Alstom vorhat

Das GE-Gebot

Der US-Industriekonzern bewertet das Alstom-Energie- und Netzgeschäft mit 12,35 Milliarden Euro. Doch anders als ursprünglich geplant werden die gewünschten Teile nicht komplett bei General Electric landen – teilweise wird es auch Joint-Ventures geben.

Staatsbeteiligung

Die französische Regierung steigt parallel zum GE-Angebot bei Alstom ein. Der Staat übernimmt 20 Prozent, die zuvor dem Konzern Bouygues gehalten hat. Laut Vereinbarung kann Paris binnen 20 Monaten nach Abschluss der geplanten Operationen bis zu 20 Prozent der Alstom-Anteile von Bouygues oder am Markt erwerben. Kauft die Regierung direkt bei Bouygues, sind der Marktwert oder mindestens 35 Euro pro Aktie fällig. Gleichzeitig räumt Bouygues der Regierung bereits mit Abschluss der geplanten Kooperation 20 Prozent der Stimmrechte bei Alstom ein.

Was bei Alstom verbleibt

Zu 100 Prozent behält Alstom das Bahngeschäft. Die Sparte baut etwa Nahverkehrszüge, aber auch den Schnellzug TGV. Die Sparte macht jährlich 6,2 Milliarden Euro Umsatz und zählt 28.200 Mitarbeiter.

Es wird eine globale Kooperation im Vertrieb mit GE geben und einen gemeinsamen Einkauf. In einzelnen Ländern wird Alstom GE-Diesellokomotiven fertigen.

Das Gegengeschäft

Alstom übernimmt im Zuge der Transaktion das Geschäft mit Signaltechnik von General Electric und stärkt damit das Eisenbahngeschäft. Die Sparte erzielt jährlich einen Umsatz von 400 Millionen Euro und beschäftigt etwa 1200 Mitarbeiter.

Was komplett an GE geht

Die Amerikaner integrieren die – auch bei Siemens heiß begehrten – Gasturbinen, die in effizienten Kraftwerken zum Einsatz kommen.

Was GE in Joint-Venture einbringt

Mit der komplexen Transaktion entstehen drei Joint-Venture (jeweils 50% Alstom und 50% GE):
- Netztechnik (bestehend aus den Segmenten „Alstom Grid“ und „GE Digital Energy“)
- Erneuerbare (bestehend aus Wasserkraftwerktechnik und Offshore-Windkraft)
- Nukleartechnik (weltweit) und Dampfturbinen (Frankreich-Geschäft)

Der Konzern will sich künftig auf das Geschäft mit Zügen und Bahntechnik konzentrieren und verkauft deshalb für 12,4 Milliarden Euro die Energiesparte an GE. Alstom will das Geld für Investitionen und den Abbau von Schulden nutzen. Ein Teil der Einnahmen soll zudem an die Aktionäre weitergereicht werden.

Das Projekt komme voran, sagte Alstom-Chef Patrick Kron. Nachdem die Regierung in Paris im Herbst grünes Licht für die Übernahme gab, muss GE nun noch Bedenken der EU-Wettbewerbshüter ausräumen. Die Kommission fürchtet, dass künftig mit GE und Siemens nur noch zwei große Konkurrenten auf dem europäischen Gasturbinen-Markt verbleiben und die Preise steigen könnten. Am Freitag kündigte GE an, den Behörden Zugeständnisse zu machen. Details wurden aber nicht bekannt. Auch Siemens hatte sich für Alstom interessiert, war in dem Bieterstreit aber unterlegen.

An seinen Mittelfristzielen hielt Alstom am Montag fest. Diese sehen ein organisches Umsatzwachstum von mehr als fünf Prozent vor. Die Gewinnmarge im operativen Geschäft soll sich auf fünf bis sieben Prozent verbessern.

Von

rtr

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